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Ausbildung: Mehr als ein Personalthema

· Lesezeit 5 Minuten.
Ausbildung: Mehr als ein Personalthema
Stefanie Lenze: Sie leitet den Bereich Ausbildung und Personalentwicklung bei den Chemieverbänden Rheinland-Pfalz. Foto: Chemieverbände Rheinland-Pfalz/ Jan Hosan

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Viele Unternehmen halten auch in schwierigen Zeiten an Ausbildung fest und bauen verstärkt Netzwerke und Kooperationen auf. 
  • Ausbilder brauchen heute mehr Zeit für individuelle Begleitung und schwierige Gespräche. Der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz bietet dafür Fortbildungen und Seminare.
  • Wer Azubis halten will, sollte ihnen Rückhalt und Entwicklungsmöglichkeiten bieten. Die guten tariflichen Rahmenbedingungen helfen im Wettbewerb um Nachwuchs.

Einer der wichtigsten Faktoren eines Chemiestandorts lässt sich nicht aus dem Tank holen: Es sind gut ausgebildete Fachkräfte. Ausbildung entscheidet nicht nur über den Personalbestand einzelner Unternehmen, sondern auch über die Zukunftsfähigkeit des Chemiestandorts Rheinland-Pfalz. Denn: Die innovations- und exportstarke Branche ist auf Fachkräfte mit spezialisierter und anspruchsvoller Berufsausbildung angewiesen.  

„Solche Fachkräfte findet man nicht einfach von heute auf morgen auf dem Arbeitsmarkt“, verdeutlicht Stefanie Lenze. „Die Betriebe bilden sie selbst aus und entwickeln sie über Jahre.“

Ausbildung ist zukunftsentscheidend  
 

Wenn zu wenig Nachwuchs vorhanden ist, heißt das: Es fehlen mittelfristig die Menschen, die Anlagen betreiben, innovative Produkte entwickeln, Prozesse verbessern und die Transformation umsetzen. Deshalb halten die Unternehmen auch im aktuell schwierigen Umfeld an Ausbildung fest. Doch wie gelingt das, wenn geeignete Bewerber immer schwerer zu finden sind und der Aufwand für Ausbildung steigt? 

Die Antwort: Indem sie sich noch mehr zusammentun und Netzwerke sowie Unterstützungsangebote nutzen. „Wir beobachten aktuell, dass die Ausbildungsbetriebe sich in diesen schwierigen wirtschaftlichen Zeiten auf eine bedarfsorientierte Ausbildung konzentrieren“, erklärt Lenze, „besonders in den branchentypischen Berufen.“ 

Sie stellt auch fest, dass Ausbilder mehr und mehr Kooperationen, regionale Netzwerke und Modelle wie Verbundausbildung aufbauen.

Nachwuchsgewinnung beginnt weit vor der Ausbildung 

Das Engagement der Chemieverbände beginnt bereits außerhalb der Betriebe – mit Förder- und Bildungsangeboten für Schulen. Dazu gehören beispielsweise Seminare für Lehrkräfte zu Experimenten für den Unterricht. Für Lehrkräfte weiterführender Schulen gibt es auch den MINT-Tag Rheinland-Pfalz mit praxisnahen Infoforen.

Konkrete Hilfe für Unternehmen bietet zum Beispiel das Netzwerk SchuleWirtschaft: Es unterstützt Unternehmen und Schulen dabei, langfristige und passgenaue Partnerschaften aufzubauen. Betriebe können auch Förderprogramme nutzen, die Jugendliche fit für eine Ausbildung machen.  

Trainings und Workshops für Ausbilder 

Der Arbeitgeberverband Chemie Rheinland-Pfalz unterstützt die Mitgliedsunternehmen vor allem mit Erfahrungsnetzwerken und Trainings, die sich am aktuellen Bedarf orientieren. Besonders gefragt ist zurzeit etwa das Programm in Mental Health First Aid (MHFA). Die Teilnehmer lernen hier, wie sie Menschen mit psychischen Problemen oder in akuten Krisen unterstützen können. 

Die Themen der Unternehmen haben sich in den letzten Jahren verändert, schildert Lenze. Vor allem suchen Betriebe heute verstärkt Rat rund um die soziale und pädagogische Betreuung ihrer Azubis.  „Die Inhalte unserer Workshops und Trainings zeigen das ganz gut“, sagt Lenze. Es geht beim Seminarangebot des Arbeitgeberverbands zum Beispiel auch um Motivation von Azubis, Umgang mit Feedback oder Umgang mit schwierigen Situationen wie Prüfungsangst. „Immer häufiger bringen die jungen Menschen einen Rucksack an psychischen Belastungen mit.“ 

Außerdem koordiniert der Verband den Arbeitskreis Berufsausbildung, bei dem Ausbildende sich austauschen.

Die Anforderungen an Ausbilder sind stark gestiegen 

Die Anforderungen an Ausbildende sind deutlich vielfältiger geworden. Sie müssen etwa mehr individuelle Unterstützung leisten und öfter schwierige Gespräche führen. Die Ausbildungsleiter passen immer häufiger ihr Ausbildungskonzept an, um dem Nachwuchs verstärkt Sozialkompetenzen wie Teamfähigkeit und Eigenverantwortung zu vermitteln. 

„Deshalb sollten Betriebe ausreichend Zeitfenster für Ausbildung einplanen“, rät Lenze. „Es ist auch ein guter Ansatz, ein Netzwerk aus ,Ausbildern vor Ort‘ aufzubauen.“ Für die „Ausbilder vor Ort“ bietet der Verband übrigens eine modulare Fortbildung an, mit der diese ihre Ausbildungsarbeit professionalisieren können.

Was junge Leute im Betrieb hält 

Um Azubis zu halten, ist Beziehungsarbeit wichtig. „Wenn junge Leute merken: Ich werde ernst genommen, erhalte Unterstützung und kann mich entwickeln, dann möchten sie bleiben und sich einbringen.“ Dass die Branche seit Jahrzehnten auf eine starke Sozialpartnerschaft setzt, zahlt sich auch in der Ausbildung aus. Die Sozialpartner haben sehr gute Rahmenbedingungen für Azubis vereinbart – das ist ein Argument im Wettbewerb um Nachwuchs. 

Starthilfe für schwierige Fälle

Nachwuchs gefunden, aber dessen Voraussetzungen reichen nicht für die Ausbildung? Für solche Fälle gibt es das Förderprogramm „Start in den Beruf“ des Unterstützungsvereins der Chemischen Industrie (UCI). In drei bis zwölf Monaten werden die Teilnehmer befähigt, eine Ausbildung zu starten – unter anderem mit betrieblicher Praxis, Theorieunterricht und sozialpädagogischer Betreuung. Die konkrete Ausgestaltung orientiert sich an den betrieblichen Gegebenheiten und den Bedürfnissen der Jugendlichen. 

Die Erfolgsquote ist hoch: Mehr als 80 Prozent der Teilnehmenden wechseln anschließend erfolgreich in eine reguläre Ausbildung. Auf Antrag des Unternehmens unterstützt der UCI die Teilnehmenden einer Start-Maßnahme mit einem Förderbeitrag.   

Nähere Informationen gibt es hier.

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