Das Wichtigste auf einen Blick:
- Ein Vortrag in ihrer Schule brachte Kristina Eckert zur Chemie: Ein Chemikant erzählte von seiner Arbeit und weckte ihr Interesse an der Branche.
- Heute begegnet sie fehlenden Grundlagen mit einem neuen Lehrplan: Zu Beginn der Ausbildung stehen drei Monate Mathe und Physik auf dem Programm.
- In kleinen Lerngruppen beobachtet Eckert genau, ob alle mitkommen. Sie spricht Azubis früh an und verbindet klare Erwartungen mit einem wertschätzenden Umgang.
Am Anfang war Ratlosigkeit. Kristina Eckert erinnert sich noch genau an dieses Gefühl, das sich in ihrer Jugend wie Nebel über alles legte: Wohin sollte ihr Weg führen? „Ich habe viele Praktika gemacht“, sagt sie. „Aber nichts hat mich erfüllt.“ Ein Bürojob? Zu langweilig. Tierarzthelferin? Zu belastend.
Immer wieder blätterte sie als Jugendliche durch ein dickes Buch der Arbeitsagentur, „1.000 Berufe“ – und markierte etliche Möglichkeiten mit Post-it Zetteln.
Der Moment, der alles veränderte
Dann kam dieser eine Tag. Ein Chemikant der BASF stand vor ihrer Schulklasse und erzählte von seiner Arbeit. Für Eckert war es, als würde jemand ein Licht anschalten.
22 Jahre später öffnet sie dem Wir.Hier.-Team die Tür zur Ausbildungswerkstatt von FUCHS LUBRICANTS in Mannheim. An den Schraubstöcken beugen sich die Auszubildenden konzentriert über ihre Werkstücke. Eckert geht zwischen ihnen hindurch und kontrolliert die Armaturen, die hier entstehen. Sie hat ihre Chemikanten-Ausbildung bei FUCHS gemacht, später den Industriemeister – heute ist sie selbst Ausbilderin und koordiniert die Ausbildung an allen Standorten des Unternehmens.
Ein Ort, an dem Zukunft entsteht
Insgesamt 26 Auszubildende starteten etwa im Ausbildungsjahr 2025/2026 bei der FUCHS-Gruppe ins Berufsleben. Wer aus Kaiserslautern kommt, verbringt elf Wochen pro Jahr hier in der Zentrale und weitere zwölf Wochen in der Mannheimer Berufsschule. Einer von ihnen ist Anil Bahadir, 26. „Ich habe erst Maschinenbau studiert und dann im Einzelhandel gearbeitet“, erzählt er. Jetzt steht er an einer Werkbank, die Hände fest um eine Armatur.
Die neue Realität der Ausbildung
Für Kristina Eckert ist Ausbildung eine Aufgabe mit Herausforderungen, die in den letzten Jahren stark zugenommen haben. „Die Zahl der Bewerbungen geht zurück“, sagt sie. Und ein noch größeres Problem: „Die Ausbildungsreife vieler Jugendlicher ist nicht mehr so gut wie früher.“
Nicht, weil sie weniger könnten. Sondern weil ihnen Grundlagen fehlen: Benimmregeln, mathematische Basics, Konfliktfähigkeit. Gleichzeitig nehmen Ängste und Depressionen zu. Die Pandemie habe wohl dazu beigetragen, vermutet Eckert. Für sie ist das kein Grund zu klagen – sondern ein Auftrag. „Wir haben unseren kompletten Lehrplan umgestellt und fangen jetzt im ersten Lehrjahr bei null an.“
Drei Monate Fundament
Das heißt: Zu Beginn der Ausbildung gibt es ein intensives Grundlagentraining zum Beispiel in Mathe und Physik. Generell setzt Eckert auf kleine Lerngruppen, viel Nähe, viel Beobachtung. „Ich spreche die Azubis sofort an, wenn ich merke, dass sie nicht mitkommen“, sagt sie. Für den Nachwuchs ständig erreichbar zu sein, ist für sie selbstverständlich.
Das Unternehmen hat auch beim Personal reagiert: Die Zahl der Ausbilder wurde auf fünf erhöht, weitere sollen folgen. Ein Berufsschullehrer kommt einmal pro Woche ins Haus und gibt Nachhilfe – finanziert vom Unternehmen. Betriebswirtschaftlich ist das ein Kraftakt. „Wir haben viel höhere Kosten als früher, aber sie sind jeden Cent wert.“ Denn FUCHS bildet für den eigenen Bedarf aus. Wer hier lernt, wird gebraucht.
Was junge Menschen wirklich suchen
Eckert liebt es, wenn etwas sie fordert. Vielleicht ist das der Grund, warum sie in diesem Beruf so aufgeht. „Ich brauche neue Aufgaben, sonst wird mir schnell langweilig“, sagt sie und lacht. Ihr wichtigstes Learning? Disziplin vermitteln, Fortschritte kontrollieren, Fehler korrigieren und am Ball bleiben – ja. Aber immer wertschätzend! „Es ist extrem wichtig, Interesse zu zeigen und für die jungen Leute da zu sein.“ Genau das ist es offenbar, was für die Auszubildenden bei der Wahl des Betriebs entscheidend ist.
Anil Bahadir sagt: „Mir war wichtig, dass das Unternehmen sich für mich interessiert und Unterstützung bietet, wenn man Probleme hat.“ Andreas Kreker (19), ebenfalls aus Kaiserslautern, erzählt: „Ich wollte eine gute Ausbildung bekommen, das heißt für mich zum Beispiel, dass man gut auf Prüfungen vorbereitet wird.“ Beides haben sie hier – und das alles ist Teil einer Ausbildung, die weit mehr ist als das Erlernen eines Berufs. Es ist ein begleiteter Weg in ein Berufsleben voller Perspektiven, auf dem Hindernisse nicht abschrecken, sondern wachsen lassen.
Das Unternehmen
FUCHS LUBRICANTS GERMANY entwickelt und produziert innovative Schmierstofflösungen, die die Mobilität von morgen ermöglichen und für viele Industrieanwendungen gebraucht werden. Das Unternehmen hat mehr als 1.500 Beschäftigte an den Standorten Mannheim, Kiel, Wedel und Kaiserslautern.