Das Wichtigste auf einen Blick
- Soft Skills spielen eine große Rolle für den Team- und den eigenen beruflichen Erfolg. Sie umfassen ein ganzes Bündel an Kompetenzen.
- Besonders wichtig sind Kommunikations-, Team- und Führungsfähigkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und kritisches Denken.
- Um Soft Skills im Team zu entwickeln, kommt es auf klare Erwartungen, die eigene Vorbildfunktion und zeitnahes Feedback an. Es sollte den Freiraum geben, die Skills zu testen und zu verbessern.
Hinter Soft Skills stecken handfeste Basics des beruflichen Erfolgs. Meist kann man sie nicht per Zertifikat belegen. HR-Profis von Chemie- und Pharmaunternehmen wie Boehringer Ingelheim achten daher etwa bei Events mit interessierten jungen Leuten darauf, wie diese sich untereinander verhalten, ihre Arbeiten präsentieren und sich ausdrücken.
Soft Skills sind hard Facts
Mit Soft Skills sind persönliche, soziale und methodische Kompetenzen gemeint. Sie beeinflussen, wie Mitarbeitende oder Führungskräfte interagieren und Aufgaben angehen. Miriam Schöpp, Expertin für berufliche Bildung am KOFA, dem Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung in Köln, nennt Kommunikations-, Team- und Führungsfähigkeit, Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit, Durchhaltevermögen und kritisches
Denken.
Soft Skills hört sich für sie zu „weichgespült“ an. „Es sind eher hard Facts“, betont sie. Das KOFA spricht daher von Future Skills. Sind diese vorhanden, stehen die Chancen besser, Herausforderungen rund um die Transformation zu bewältigen. Auch im Alltag spart es Ressourcen, wenn Teams diese Skills versiert anwenden:
Grundlegende Zukunftskompetenzen: Dazu zählen Kreativität und Problemlösefähigkeit.
- Transformative Skills: Sie helfen, Veränderungen zu gestalten, etwa durch konstruktiven Umgang mit Komplexität.
- Gemeinschaftsorientierte Skills: Damit sind unter anderem Vernetzung und Verantwortung gemeint.
- Digitale Skills: Gerade KI erfordert das Hinterfragen von generierten Ergebnissen.
„Der häufigste Irrtum? Dass Soft Skills unwichtig oder unwichtiger sind als Fachwissen“
So bauen Sie Soft Skills im Team auf
Soft Skills lassen sich trainieren. Diese Tipps zeigen, wie das konkret gelingt.
Persönlichkeit vor Zeugnisnoten stellen
Viele Ausbildungsbetriebe sortieren junge Leute zuerst nach Schulnoten aus – und vergeben damit wertvolle Chancen. Expertin Miriam Schöpp rät: „Schauen Sie mehr auf die Persönlichkeit und darauf, ob die jeweilige Person zum Unternehmen passt.“
- Beachten Sie Hobbys und Interessen der Kandidaten. Sie können beispielsweise Aufschluss über Verantwortungsbewusstsein, Kreativität oder Beharrlichkeit geben.
- Nutzen Sie Praktika, kleine Assessment-Center-Aufgaben oder strukturierte Vorstellungsgespräche. Diese tragen dazu bei, ein realistisches Bild zu gewinnen.
- Ergänzen Sie Einstellungstests um Aufgaben, die Teamverhalten, Kommunikation und Selbstorganisation sichtbar machen.
Erwartungen von Anfang an klären und einüben
Viele Konflikte in der Ausbildung entstehen, weil die Erwartungen auseinandergehen. Schöpp empfiehlt deshalb, bereits im Onboarding über Werte, Umgangsformen und Verbindlichkeiten zu sprechen: „Was erwarte ich? Was sind Werte, die mir im Betrieb wichtig sind? Wie wollen wir zusammenarbeiten?“
- Ein strukturiertes Pre- und Onboarding vermittelt die Unternehmenskultur und die Art der Zusammenarbeit.
- Zum Ausbildungsstart lässt sich in einem Wertevertrag festhalten, welche Rolle zum Beispiel Pünktlichkeit, Respekt und Kommunikation haben.
- Teambuilding-Events machen zentrale Soft Skills erlebbar – diese prägen sich dann auf positive Weise ein.
Verantwortung übertragen und Azubi-Projekte starten
Soft Skills wachsen nicht im Frontalunterricht, sondern im Tun. Schöpp empfiehlt Azubi-Projekte als besonders wirksames Instrument.
- Azubi-Projekte entfachen Kreativität, Gemeinsinn und Begeisterung. Passen Sie den Umfang der Projekte den Fähigkeiten der Neulinge an.
- Planen Sie ein berufsübergreifendes Azubi-Projekt pro Ausbildungsjahr, und zwar mit klarer Aufgabenstellung, Verantwortung und Ergebnispräsentation.
- Nutzen Sie Mentoring- und Patenmodelle: Ältere Azubis oder junge Fachkräfte, deren Ausbildung noch nicht lang zurückliegt, begleiten Jüngere auf Augenhöhe.
Regelmäßiges Feedback geben – konkret, zeitnah, konstruktiv
Zielführende Rückmeldungen geben Orientierung, vor allem in der Probezeit.
- Terminieren Sie diese gleich zu Beginn und bieten Sie dann einen geeigneten Raum und eine wertschätzende Atmosphäre.
- Ermöglichen Sie zusätzlich spontane Rückmeldungen im Alltag.
- Streben Sie gemeinsame Weiterentwicklungen an und freuen Sie sich zusammen über das Erreichte.
Ausbildende als Lernbegleiter positionieren und Vorbildwirkung nutzen
Die Rolle der Ausbildenden hat sich zum Coach und Vorbild gewandelt. „Zuhören und in den Dialog gehen ist das Wichtigste“, so Schöpp.
- Das bedeutet unter anderem: Wechseln Sie ab und zu die Perspektive, um Ihr Gegenüber besser zu verstehen.
- Gehen Sie in den Austausch mit anderen Ausbildenden, zum Beispiel in regionalen Netzwerken. Das gibt Impulse und stärkt die eigene Rolle.
- Auch Ausbildende brauchen Future Skills, etwa in Resilienz, digitalen Methoden und neuen Führungsfragen. Profitieren Sie daher von Weiterbildung, auch über die Ausbildereignungsprüfung hinaus.