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Professionelles Onboarding: So gelingt der Ausbildungsstart

· Lesezeit 5 Minuten.
Drei Nachwuchskräfte der Chemie- und Pharmaindustrie in einem Labor.
Onboarding ist ein professionell gemanagter Prozess: Er trägt dazu bei, die Auszubildenden an das Unternehmen zu binden, das Teamgefühl zu stärken und Ausbildungsabbrüche zu verhindern. Foto: WavebreakmediaMicro/stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze

  • Wertschätzende Willkommenskultur beginnt bereits, wenn der Ausbildungsvertrag unterzeichnet ist. Ein gutes Onboarding stärkt die Bindung und senkt Abbrüche.
  • Führungskräfte nehmen eine Vorbildrolle ein, indem sie respektvoll kommunizieren und ein Feedback auf Augenhöhe geben.
  • Konfliktfähigkeit und wachsende Handlungskompetenz sind der Schlüssel für einen guten Start ins Berufsleben. Sie lassen sich gezielt entwickeln.

Was können Ausbildende und Teammitglieder tun, um neuen Auszubildenden ein gutes Onboarding zu bieten?

Sie können die Bindung bereits aufbauen, sobald der Ausbildungsvertrag unterzeichnet ist. Auch die ersten Arbeitstage sind wichtig. Dabei wird die Willkommenskultur von allen gelebt. Die älteren Kolleginnen und Kolleginnen können die Neuen freundlich empfangen, den Arbeitsplatz nett gestalten, zum Beispiel mit einem Strauß Blumen, sich vorstellen und Unterstützung anbieten. Es geht darum, den Azubis den Einstieg Schritt für Schritt zu erleichtern. Es kommt darauf an, das Individuum hinter dem Azubi zu sehen und sich dafür zu öffnen, selbst wenn dieser junge Mensch vielleicht andere Vorstellungen hat als man selbst. Und zu zeigen: Wir sorgen gemeinsam für eine gute Zusammenarbeit.

Es ist nicht so einfach, junge Leute zu binden und zu halten…

Eine gute Willkommenskultur hilft, Ausbildungsabbrüche zu verhindern und die Bindung ans Unternehmen zu stärken. Dies beginnt schon vor dem ersten Arbeitstag. Das kann eine Einladung zum Kaffee sein, damit man schon mal das Team kennenlernt, oder eine nette Nachricht, dass die personalisierte Arbeitskleidung bereitliegt. Die Willkommenskultur muss verankert sein und von den Führungskräften vorgelebt werden. Dabei kommt es auf Wertschätzung und Respekt an. Azubis sollten gehört und ernst genommen werden.

Was steht einer Willkommenskultur entgegen?

Stecken Mitarbeitende zu 100 Prozent im Tagesgeschäft, haben sie unter Umständen keine Zeit, sich mit den Azubis zu beschäftigen. Manchmal fehlt es auch an Budget. Auch Vorurteile gegenüber jungen Menschen spielen eine große Rolle. Doch in Zeiten des Fachkräftemangels ist Ausbildung wirklich eins der wichtigsten Mittel, um die fähigen Leute von morgen heranzubilden. Und da ist jedes Unternehmen gefragt, sein Bestmögliches zu tun, damit die Azubis bleiben und ihre Talente entfalten. Dazu gehören Handlungskompetenz, Konfliktfähigkeit und Transformationsbereitschaft. All dies entwickeln sie nicht auf Knopfdruck, sondern im Unternehmen, zusammen mit anderen.


Miriam Schöpp, Chemie-Ingenieurin, ist Referentin und Researcher im Projekt Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Foto: Julia Haak/KOFA
Miriam Schöpp, Chemie-Ingenieurin, ist Referentin und Researcher im Projekt Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) am Institut der deutschen Wirtschaft in Köln. Foto: Julia Haak/KOFA

„Jedes Unternehmen ist gefragt, sein Bestmögliches zu tun, damit die Azubis bleiben und ihre Talente entfalten. Dazu gehört eine Willkommenskultur auf allen Ebenen, von der Führung bis zu zu den einzelnen Teams.“

Welche Rolle spielt eine gute Fehlerkultur?

In einer positiven Fehlerkultur werden Fehler nicht unter den Tisch gekehrt oder Verursacher an den Pranger gestellt. Stattdessen kann man aus Fehlern lernen. Das hilft jungen Menschen, sich im Betrieb wohlzufühlen. Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz sind allerdings gerade in der Chemie kein Probierfeld! Da gibt es Regeln, an die man sich einfach halten muss.

Wie kann man Feedback geben, ohne zu vergraulen?

Möglichst auf Augenhöhe kommunizieren. Nicht ängstigen oder verunsichern, sondern gemeinsam nach einer Lösung suchen. Dabei auch dem Azubi eine Redezeit zugestehen. Ein solches Feedbackgespräch braucht Zeit und sollte nicht zwischen Tür und Angel geschehen. Am besten terminiert man diese Gespräche während der Zeit des Onboardings vorab in sinnvollen Abständen. Das Onboarding endet typischerweise mit der Probezeit. Ausbildungsabbrüche passieren meist in diesen Monaten. Daher sollten Ausbildende, aber auch Mentorinnen oder Mentoren, die Neuen gut begleiten und gegebenenfalls weitere Feedbackformate anbieten. 

Welche Rolle spielen informelle Team-Events?

Das ist superwichtig, um zu sehen, wie der andere eigentlich drauf ist. Möglicherweise hat die Person noch woanders zu kämpfen, und das eine oder andere Teammitglied kann mit seiner Erfahrung unterstützen. Azubis freuen sich garantiert, wenn man sie fragt, ob sie mit in die Pause gehen möchten. Auch ein Getränk nach Feierabend oder eine gemeinsame Unternehmung mit ein paar Kolleginnen und Kollegen ist eine gute Möglichkeit, Vertrauen zu schaffen.

Gibt es auch ein „Zuviel“ bei der Unterstützung von Azubis?

Ja, wenn es in die Richtung von Helikopter-Eltern und Überbetreuung geht. Auch die Informationen in den ersten Tagen sollten wohldosiert sein. Insgesamt brauchen Azubis Raum, um ihren eigenen Weg zu gehen – zum Beispiel durch Projekte, selbst organisierte Events und das Weitergeben ihres neuen Wissens am Tag der offenen Tür.


 

KOFA: Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung

Das Kompetenzzentrum Fachkräftesicherung (KOFA) unterstützt kleine und mittlere Unternehmen (KMU) in ihrer Personalarbeit, und zwar im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz. Es erstellt Studien zur Fachkräftesituation. In kostenfreien Webinaren sowie durch Handlungsempfehlungen, Checklisten und Praxisbeispiele gibt es Antworten auf Fragen wie Rekrutierung und Mitarbeiterbindung. Darüber hinaus bietet das KOFA Informationen zu Unternehmensanalyse, den Aufbau einer Arbeitgebermarke oder digitale Zusammenarbeit. Researcher Miriam Schöpp ist auf die Schwerpunkte Aus- und Weiterbildung spezialisiert.

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