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Der Wasserstoff-Hochlauf stockt: Was ihn ausbremst

· Lesezeit 4 Minuten.
Der Wasserstoff-Hochlauf stockt: Was ihn ausbremst
Wasserstoff-Tank: Die Infrastruktur für Wasserstoff hat sich zwar etwas verbessert, doch der Hochlauf kommt nicht in Gang. Foto: AA+W - stock.adobe.com

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Im Rahmen des H2-Marktindexes werden seit 2023 jährlich Akteure aus der Wasserstoffwirtschaft gefragt, wie sich aus ihrer Sich der Hochlauf entwickelt. 
  • Die aktuellen Ergebnisse zeigen, dass der Ausbau ins Stocken geraten ist und der politisch-regulatorische Rahmen sich sogar deutlich verschlechtert hat. 
  • 35 Prozent sehen in der Überregulierung das größte Hindernis, vor allem wegen der komplexen und teuren EU-Vorgaben für grünen Wasserstoff. 

Die Chemieindustrie ist Deutschlands größter Nutzer von Wasserstoff 

Im Ausbau der Wasserstoff-Nutzung liegt für die chemische Industrie ein zentraler Hebel auf dem Weg zur Klimaneutralität. Denn die Branche ist Deutschlands größter Nutzer von Wasserstoff und braucht das Element nicht nur als Energieträger, sondern auch als Rohstoff. Der Umstieg auf grünen oder CO2-armen Wasserstoff bietet daher riesige Potenziale, um klimaneutraler zu werden.

Doch der Wasserstoffhochlauf ist ins Stocken geraten. Das zeigt der sogenannte H2-Marktindex, den mehrere Verbände seit 2023 erheben lassen. Dafür wurden rund 400 Akteure aus der Wasserstoffwirtschaft zum Beispiel dazu befragt, wie sie die Lage des Marktes heute und in Zukunft einschätzen.

Obwohl sich die Infrastruktur verbessert hat, kommt der Wasserstoff-Markt nicht in Gang

Aktuelles Ergebnis: Zwar hat sich die dafür nötige Infrastruktur verbessert. Das Innovationsumfeld ist aber im Vergleich zum Vorjahr unverändert – und der politisch-regulatorische Rahmen hat sich sogar deutlich verschlechtert.

Als größtes Hindernis sehen 35 Prozent der Befragten die Überregulierung. Insbesondere die komplexen und kostenintensiven EU-Vorgaben für grünen Wasserstoff erschweren den Hochlauf. Auch die Fördermöglichkeiten werden zunehmend schlechter bewertet.

Grüner Wasserstoff kostet deutlich mehr, als Abnehmer zu zahlen bereit sind

Doch was ist eigentlich die größte Herausforderung des Wasserstoffhochlaufs? Für 58 Prozent der Befragten ist es die Marktentwicklung – also Fragen wie zum Beispiel: Wie wird genug Menge produziert? Wer kauf den Wasserstoff – und zu welchem Preis?

Den Hochlauf bremsen weniger technologische Herausforderungen, sondern fehlende Wirtschaftlichkeit: Die Kosten für grünen Wasserstoff liegen weiterhin deutlich über dem, was Abnehmer zu zahlen bereit sind.

Verbände fordern, dass die Politik für einfachere Regeln sorgt und die Stromgesamtkosten senkt 

Deshalb fordern die Verbände, die hinter dem H2-Marktindex stehen (unter anderem der Verband der Chemischen Industrie, der Verband der industriellen Energie- und Kraftstoffwirtschaft und die Deutsche Industrie- und Handelskammer) zum Beispiel bessere Förderprogramme und dass der Staat Investitionen besser absichert.

Matthias Belitz, Bereichsleiter Nachhaltigkeit, Energie und Klimaschutz beim Verband der Chemischen Industrie (VCI), betont: „Die Zweifel am politischen Kurs beim Wasserstoffhochlauf wachsen. Deshalb sollte sich die Politik auf Maßnahmen konzentrieren, die den Markthochlauf voranbringen.“ 

Dazu zählten etwa einfachere und praxistauglichere Regeln auf nationaler und EU-Ebene sowie eine nachhaltige Senkung der Stromgesamtkosten. Belitz: „Darüber hinaus braucht es gezielte Impulse, die die Nachfrage nach Wasserstoff stärken.“  

Wasserstoff-Kompetenzen werden gefragter

Der Bedarf an Fachkräften mit Wasserstoff-Know-how steigt in der chemischen Industrie und wird durch den Wasserstoffhochlauf weiter angetrieben. Da die Branche deutschlandweit der größte Verbraucher ist von Wasserstoff, ist die Qualifizierung von Personal wichtig für die anstehende Dekarbonisierung. 

Laut einer Analyse des Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO geht es nicht um neue Berufe – sondern um wichtige Zusatzqualifikationen in bestehenden Berufen wie Chemietechniker oder Verfahrenstechniker. 

Wer mit Wasserstoff zu tun hat, braucht zum Beispiel Kompetenzen in Explosionsschutz und Gassicherheit und Knowhow rund um Elektrolyse und Speicherung von Wasserstoff. Entsprechende Kursangebote gibt es bundesweit etwa beim TÜV, der Fraunhofer Academy und den IHKs – zu finden über deren Weiterbildungs-Informationssystem. 

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