Das Wichtigste auf einen Blick:
- Tarifliche Öffnungen als Regelfall: Tarifliche Öffnungen sollen nach dem Willen der Chemie-Sozialpartner nicht die Ausnahme, sondern der Regelfall sein. Das würde die Unternehmen spürbar entlasten.
- BAVC und IGBCE fordern auch eine Begrenzung der Sozialversicherungsbeiträge auf 40 Prozent. Zudem soll das Blockmodell der Altersteilzeit erhalten bleiben.
- Industriearbeit attraktiver machen: Sonn- und Feiertagszuschläge sollen steuerlich und bei den Sozialabgaben besser gestellt werden. Dasselbe gilt für tarifliche Nachtzuschläge, weil Nachtarbeit für die Beschäftigten stark belastet.
Die Bundesregierung hatte die Tarifparteien besonders krisengeschüttelter Branchen aufgerufen, gemeinsame Vorschläge für geeignete Maßnahmen für mehr Wettbewerbsfähigkeit, gute Beschäftigung und mehr Innovationen und Investitionen in Deutschland zu entwickeln. Deshalb übergaben der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) und die Gewerkschaft IGBCE jetzt einen gemeinsamen 12-Punkte-Plan.
„Ein zentraler Hebel ist, den Tarifpartnern mehr Spielraum zu geben"
„Um Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, setzen wir auf mehr Flexibilität und weniger Bürokratie auf allen Ebenen. Ein zentraler Hebel ist, den Tarifpartnern mehr Spielraum zu geben", unterstreicht BAVC-Präsidentin Katja Scharpwinkel. „Je stärker der Gesetzgeber die Kompetenz der Sozialpartner nutzt, desto praxisnäher können Gesetze angewendet werden. Das gilt für Arbeitszeit ebenso wie für Befristungen, aber auch für eine bürokratiearme Anwendung von Regeln zu Entgelttransparenz und Berichtspflichten.“
Scharpwinkel betonte zudem, dass die Chemie-Sozialpartner eine Begrenzung der Beiträge zur Sozialversicherung auf maximal 40 Prozent befürworten. „Die anstehenden Reformen müssen einen wirksamen Beitrag dazu leisten, den weiteren Anstieg der Sozialversicherungsbeiträge bei Sicherung der Leistungsfähigkeit zu begrenzen. Die Marke von 40 Prozent sollte für den Gesamtsozialversicherungsbeitrag als politische Orientierung dienen."
Beschäftigte und Unternehmen dürften nicht durch weiter steigende Beitragssätze überfordert werden.
„Unsere Ziele sind mehr Innovationen, mehr Investitionen und mehr gute, zukunftsfähige Arbeitsplätze in Deutschland“, sagt Michael Vassiliadis, Vorsitzender der IGBCE. „Wir müssen alle Hebel in Bewegung setzen, um industrielle Qualitätsarbeit in Deutschland zu fördern“, so Vassiliadis.
Rentenreform: Blockmodell der Altersteilzeit soll erhalten bleiben
Mit Blick auf die geplante Rentenreform fordern die beiden Verbände, das Blockmodell der Altersteilzeit als bewährtes Instrument zu erhalten. Die Sozialpartner der chemischen Industrie hatten das Blockmodell 1996 erfunden, um Teilzeitarbeit im Alter insbesondere für Beschäftigte in Schichtarbeit praktikabel gestalten zu können.
Für die Sozialversicherung und den Arbeitsmarkt sei es unerheblich, ob die Arbeitszeit während der Vertragsdauer der Altersteilzeit gleichmäßig verteilt (Teilzeitmodell der Altersteilzeit) oder in einer Arbeitsphase und einer anschließenden Freistellungsphase (Blockmodell der Altersteilzeit) erbracht wird.
Industriearbeit attraktiver machen
Gleichzeitig plädieren die Sozialpartner gemeinsam dafür, Industriearbeit attraktiver zu machen. Die von der Bundesregierung geplante Anhebung der Obergrenze für die steuerliche Begünstigung von Sonn- und Feiertagszuschlägen sowie die vollständige Beitragsfreiheit für tariflich vereinbarte Zuschläge für Sonn- und Feiertagsarbeit sei ein richtiger Schritt, die Verbesserungen sollten darauf jedoch nicht beschränkt bleiben.
In den kontinuierlich arbeitenden Betrieben ist Nachtarbeit deutlich häufiger zu leisten. Sie ist für die Beschäftigten mit besonderen Belastungen verbunden. Um Schichtarbeit insgesamt attraktiver zu gestalten und diese Belastungen angemessen anzuerkennen, sollten deshalb auch tariflich vereinbarte Zuschläge für Nachtarbeit in derselben Form bessergestellt werden.