Arbeiten in der Chemie

Praktika in Unternehmen sind der Schlüssel für gute Berufsorientierung

· Lesezeit 5 Minuten.
Der duale Student Cedric Breitinger bei der Arbeit an einer Anlage bei Fuchs Lubricants Germany.
Erst MINT-Gymnasium und Praktika, dann duales Studium: Für Cedric Breitinger war der Start ins Berufsleben kein Sprung ins kalte Wasser. Bei Fuchs Lubricants Germany passte es für ihn von Anfang an. Foto: Kristina Eckert/Fuchs Lubricants Germany

Das Wichtigste in Kürze

  • Praktika sind der beste Weg zur Berufsorientierung – Jugendliche lernen dabei früh, was zu ihnen passt und was nicht.
  • Mehr Praxiserfahrungen schon ab der achten Klasse würden die Berufswahl erleichtern und den Übergang ins Arbeitsleben verbessern.
  • Auch die Ausbildung selbst und das duale Studium fördern persönliche Entwicklung durch Verantwortung, Einblicke in verschiedene Bereiche und wertschätzende Unterstützung.


Cedric Breitinger, 21, dualer Project-Engineering-Student bei Fuchs Lubricants Germany: Praktika, Praktika, Praktika 

„Ich war MINT-Schüler am Gauß-Gymnasium in Worms. Für mich hieß das, mich in den MINT-Fächern ein bisschen mehr zu engagieren, auch wenn ich sie nicht als Leistungskurse hatte. Ich habe viele Praktika gemacht – einfach, um herauszufinden, was ich wirklich möchte und auch, was eben nicht. So habe ich zum Beispiel festgestellt, dass Marketing nicht mein Ding ist. Gleichzeitig habe ich gemerkt, dass mir Laborarbeit zwar sehr spannend erscheint, ich mir aber langfristig eher eine abwechslungsreichere Tätigkeit im Projektumfeld vorstellen kann.

Heute mache ich mein duales Studium bei Fuchs Lubricants Germany. Mir war klar, dass mir ein reines Studium zu theoretisch gewesen wäre. Beim Vorstellungsgespräch habe ich sofort gemerkt, wie familiär die Atmosphäre ist: Die Gespräche waren offen, persönlich und auf Augenhöhe. Ich konnte Fragen stellen und hatte das Gefühl, dass echtes Interesse an mir besteht – nicht nur fachlich, sondern auch persönlich.

Diese Atmosphäre zeigt sich auch im Alltag. Die Ausbildung an verschiedenen Standorten ist abwechslungsreich, und man bekommt jederzeit Unterstützung. Auch Teambuilding-Events helfen, sich schnell einzuleben und als Team zusammenzuwachsen.

Meine Tipps für Jugendliche: Praktika, Praktika, Praktika. Schulen sollten dafür mehr Raum schaffen. Und Unternehmen sollten früh zeigen, was sie machen – so wird der Übergang in die Berufswelt viel greifbarer.“


 

Jonathan Schmitt, 22, angehender Industriekaufmann im dritten Ausbildungsjahr: Enorme Entwicklung während der Ausbildung 

Azubi Jonathan Schmitt, angehender Industriekaufmann bei Werner & Mertz
Die Vielseitigkeit und der Support bei Werner & Mertz hatten einen starken Effekt: Sie weckten in dem angehenden Industriekaufmann Jonathan Schmitt neue Skills. Foto: Werner & Mertz

„Auf meiner Gesamtschule gab es zwei Praktika, ein bisschen Vorbereitung im Unterricht und Besuche auf Berufsorientierungsmessen. Einiges – etwa alles Wissenswerte rund um das Thema Bewerbungen – bleibt eher an einem selbst oder den Eltern hängen. Deshalb finde ich: Es sollte deutlich mehr Praktika geben, am besten in jedem Jahr ab der achten Klasse. Nur so findet man wirklich heraus, was einem liegt und was nicht.  

Zu Werner & Mertz bin ich durch ein Praktikum während meiner Zeit auf der Wirtschaftsschule gekommen, wo ich mein Fachabi gemacht habe. Ich habe gemerkt: Das passt – fachlich und auch von den Werten her. Nachhaltigkeit wird hier wirklich gelebt, und das ist mir megawichtig.

In der Ausbildung habe ich dann eine enorme Entwicklung gemacht. Als Schüler kann man unterm Radar bleiben, wenn man wie ich eher zurückhaltend ist. Das ist in der Ausbildung anders. Die Größe des Unternehmens mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden hat mich erstmal gefordert. Gleichzeitig war genau das eine große Chance, weil ich viele unterschiedliche Bereiche kennenlerne. Insgesamt durchlaufe ich etwa 16 Abteilungen – von Buchhaltung bis Vertrieb – und bekomme so den kompletten Einblick. Dazu kommt die Unterstützung durch die Ausbilderin, die uns ermutigt, Fragen zu stellen, aus Fehlern zu lernen und uns auszuprobieren. Dadurch habe ich mehr Skills aufgebaut, übernehme Verantwortung, halte Präsentationen, auch vor großen Gruppen und wichtigen Leuten. Diese Mischung aus Herausforderungen, familiärer Atmosphäre und guter Ausbildungsqualität hat mich total vorangebracht.“ 


 

Denis Scholz, Landeselternsprecher Rheinland-Pfalz: Junge Menschen nicht ausschließlich nach Zeugnisnoten auswählen

Landeselternsprecher Denis Scholz vom Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz
Eine gute Begleitung der jungen Menschen in den ersten Ausbildungsmonaten ist wichtig, um Abbrüche zu verhindern: Das betont Landeselternsprecher Denis Scholz vom Landeselternbeirat Rheinland-Pfalz. Foto: Bleh/Kaiserslautern

„Ein erfolgreicher Übergang von der Schule in die Berufsausbildung gelingt nur gemeinsam durch Schule, Eltern, Betriebe und Politik. Aus Sicht des Landeselternbeirats Rheinland-Pfalz leisten Schulen mit Betriebspraktika, Praxistagen, Kooperationen mit Unternehmen und der Berufsberatung bereits wichtige Arbeit. Berufsorientierung sollte jedoch deutlich früher beginnen und kontinuierlich in allen Schulformen verankert werden.

Ausbildungsreife darf nicht allein an Noten gemessen werden. Neben sicheren Grundkompetenzen in Lesen, Schreiben und Mathematik sind Teamfähigkeit, Motivation, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit ebenso entscheidend. Gleichzeitig wünschen wir uns, dass Betriebe junge Menschen stärker nach ihren Potenzialen beurteilen und nicht ausschließlich nach Zeugnisnoten auswählen.

Eltern sind die wichtigsten Begleiter bei der Berufswahl. Sie benötigen transparente Informationen, verlässliche Beratungsangebote und eine enge Zusammenarbeit mit den Schulen. Ebenso wichtig ist eine gute Begleitung junger Menschen in den ersten Monaten der Ausbildung, um Ausbildungsabbrüche zu vermeiden.

Die duale Ausbildung muss denselben Stellenwert erhalten wie das Abitur. Dafür braucht es moderne Schulen, starke Partnerschaften mit regionalen Betrieben und ausreichend personelle Ressourcen, damit jede Schülerin und jeder Schüler den passenden Weg in das Berufsleben findet.“

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