Chemie in RLP

MINT-Bildung in Rheinland-Pfalz: Es gibt vorbildliche Initiativen

· Lesezeit 6 Minuten.
Professorin Katharina Landfester, Direktorin am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz
Initiierte den preisgekrönten Mainzer Kunststoffpfad: Professorin Katharina Landfester, Direktorin am Max-Planck-Institut für Polymerforschung in Mainz. Foto: Silvia Steinbach/Max-Planck-Institut für Polymerforschung

Das Wichtigste auf einen Blick

  • Diese drei Initiativen in Rheinland-Pfalz machen MINT greifbar: der Mainzer Kunststoffpfad, die Hacker School und MINTeinander Worms.
  • Ihr gemeinsames Ziel: Kinder und Jugendliche früh für Naturwissenschaften, Technik und IT begeistern – durch praktische Erfahrungen statt trockener Theorie.
  • Arbeiten Unternehmen, Schulen und Wissenschaft noch stärker zusammen, dann stärken sie damit die Skills der jungen Leute und schaffen frühe Bindungen in die Arbeitswelt.

Professorin Katharina Landfester, Max-Planck-Institut für Polymerforschung: Forschung mit spielerischem Lernen verbinden

Viele Schulabgängerinnen und Schulabgänger verfügen über geringe MINT-Skills, und das nicht, weil sie nicht interessiert wären, sondern weil naturwissenschaftliche Inhalte oft abstrakt, trocken und aus der Lebenswirklichkeit herausgelöst vermittelt werden. Der Alltag bleibt oft außen vor. Komplexe Themen wie Klimawandel oder Ressourcenknappheit werden als bedrohlich wahrgenommen, ohne Lösungsansätze zu bieten.

Genau hier setzt der Kunststoff-Bildungspfad in Mainz an: Als deutschlandweit einzigartiger außerschulischer Lernort zum Thema Kunststoffe am Max-Planck-Institut für Polymerforschung verbindet er Forschung mit spielerischem Lernen. In sechs Themeninseln mit 31 teilweise interaktiven Exponaten erkunden Jugendliche auf 300 Metern Länge, wie Kunststoffe aufgebaut sind und wo sie eingesetzt werden, warum Mikroplastik eine Herausforderung ist und wie Biokunststoffe, Recycling und Kreislaufwirtschaft eine nachhaltige Zukunft ermöglichen.

Komplexes wird anschaulich und lädt zum Erfahren ein. Die verschiedenen Sinne werden angesprochen, sei es auditiv, visuell oder taktil. Besonders erfolgreich sind unsere Workshops mit Lehrkräften, Projekttage mit Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Altersstufen und die Zusammenarbeit mit Wissenschaftlern und Wissenschaftlerinnen. Denn nur wenn Forschung greifbar wird, entsteht echtes Interesse.

Wir sehen Erfolge: Jugendliche, die zuvor große Vorbehalte gegenüber Chemie hatten, fragen nun neugierig nach Lignin-Nanoträgern gegen Rebenkrankheiten. An Unternehmen: Nutzt die Potenziale der jungen Generation, fördert Kooperationen! An Jugendliche: Eure Neugier ist der Schlüssel! Und an Lehrkräfte: Ihr seid die Brückenbauer, lasst euch inspirieren. Gemeinsam schaffen wir eine MINT-Kultur, die nicht nur Wissen vermittelt, sondern Mut zum Mitgestalten gibt.


Julia Freudenberg, CEO der Hacker School: Medienkompetenz entscheidet zunehmend über Ausbildungsfähigkeit

Dr. Julia Freudenberg, CEO Hacker School gGmbH
Digitale Bildung kommt in vielen Lehrplänen zu kurz: Darum gibt die Hacker School Kurse in Schulklassen – mit Erfolg, wie die Initiatorin Julia Freudenberg berichtet. Foto: Julia Mittelhamm

„Digitale Medien prägen den Alltag junger Menschen. Medienkompetenz entscheidet zunehmend auch über Ausbildungsfähigkeit, berufliche Orientierung und gesellschaftliche Teilhabe. Vielen Schulabgängern mangelt es jedoch an IT-Skills und digitaler Mündigkeit. Denn digitale Bildung hat in den meisten Lehrplänen noch kein Gewicht, ausgebildete Lehrkräfte dafür sind rar gesät. Zudem reagieren Schulsysteme strukturell langsam auf gesellschaftliche Veränderungen. Dabei ist Programmieren eine Kernkompetenz – gerade im Hinblick auf die wachsende Bedeutung der KI. 

Die Hacker School unterstützt Schulen bundesweit und geht – in Kooperation mit Unternehmen sowie deren Mitarbeitenden und Azubis – mit Online-Kursen in die Klassenzimmer und weckt Begeisterung für IT: Jugendliche erleben, dass sie fähige Gestalter sein können, analog und in der digitalen Welt. Genau solchen Nachwuchs benötigen Ausbildungsbetriebe.

Und der Mehrwert für Unternehmen steigert sich noch durch eigenes Engagement. Über Corporate Volunteering fördern Betriebe die MINT-Bildung, begegnen potenziellen Nachwuchskräften frühzeitig und fördern auch bei den eigenen Azubis die Selbstwirksamkeit.

Neben den regulären Kursen in Schulklassen nehmen wir mit den CITY Hacker Schools ganze Jahrgänge in den Blick. Hier kooperieren wir auch mit örtlichen Hochschulen. In Worms haben wir dieses Format bereits zweimal umgesetzt, Kaiserslautern folgt nun im September. 2025 konnte die Hacker School bundesweit insgesamt rund 26.000 Jugendliche fürs Programmieren begeistern, davon rund 2100 in Rheinland-Pfalz.“


MINTeinander Worms e.V.: MINT-Bildung auf allen Ebenen der Gesellschaft verankern

Der Verein MINTeinander Worms vernetzt Menschen, Schulen, Unternehmen und Politik, um das MINT-Interesse von Kindern und Jugendlichen zu steigern.

Markus Blümle, 2. Vorsitzender von MINTeinander Worms

Markus Blümle, 2. Vorsitzender von MINTeinander Worms sowie Geschäftsleiter Corporate People & Empowerment bei RENOLIT
Markus Blümle von MINTeinander Worms leitet auch den Bereich Corporate People & Empowerment bei RENOLIT: „Als Vater von zwei Töchtern liegt es mir am Herzen, das Beste für Kinder und Jugendliche in unserer Region zu tun und ihnen ein starkes Fundament für ihre Zukunft zu hinterlassen.“ Foto: JH Reprografie/Jean Halbach

„Wenn wir junge Menschen für MINT-Berufe begeistern wollen, müssen wir deutlich früher ansetzen als bisher – gerade auch bei Jugendlichen, die von zu Hause weniger Unterstützung oder Einblicke in die Berufswelt erhalten. Unser Ziel bei MINTeinander Worms ist es, allen die Chance zu geben, ihre Zukunft auf Basis eigener Erfahrungen und guter Informationen zu gestalten.

Deshalb machen wir MINT erlebbar: Bei unserem MINT-Festival am 23. Oktober in Worms können Kinder, Jugendliche und ihre Familien experimentieren, Technik ausprobieren und verschiedene Berufsfelder kennenlernen. Gleichzeitig bringen wir über Schule-Wirtschaft-Netzwerke Schulen und Betriebe enger zusammen.

Ein ganz praktisches Beispiel: Wir setzen uns dafür ein, dass Schulen Schülerpraktika nicht alle zum gleichen Zeitpunkt durchführen, sondern zeitversetzt organisieren. So können Unternehmen mehr Jugendlichen Einblicke in die Praxis ermöglichen – und Talente entdecken, die auf dem Papier vielleicht nicht sofort sichtbar sind. Es gilt, bei möglichst vielen jungen Menschen Neugier, Motivation und Begeisterung für MINT zu entfachen. Wenn das gelingt, können sich die jungen Menschen den Rest durch praktisches Tun erarbeiten.“


Jens Emrich von Kajdacsy, Vorstand Kommunikation bei MINTeinander Worms

Jens Emrich von Kajdacsy von MINTeinander Worms ist auch Coach für Teams und Führungskräfte:
Jens Emrich von Kajdacsy von MINTeinander Worms ist auch Coach für Teams und Führungskräfte: „Wir können als Region und Gesellschaft nur wachsen, wenn wir jungen Menschen Vertrauen schenken und es ihnen ermöglichen, durch echte Erfahrungen über sich hinauszuwachsen.“ Foto: MINTeinander Worms

„Für unser Miteinander und die Arbeitswelt von morgen sind aus meiner Sicht vor allem die sogenannten Human Skills entscheidend: Offenheit, Teamfähigkeit, Respekt und die Neugier, lebenslang zu lernen. Diese Kompetenzen lassen sich nicht allein im Klassenzimmer vermitteln – sie entstehen durch gemeinsames Erleben.

Genau hier schlägt MINTeinander Worms die Brücke: Wir schaffen Räume, in denen Kinder, Jugendliche, Unternehmen und ältere Generationen auf Augenhöhe im Austausch zusammenkommen. Besonders die generationenübergreifende Zusammenarbeit ist ein Gewinn für alle: Junge Menschen profitieren von der Erfahrung der Älteren, während die Erfahrenen durch neue Perspektiven inspiriert werden.

Wer heute Vertrauen erhält, entwickelt das notwendige Selbstvertrauen für morgen. Indem wir das Ausprobieren und die Verantwortungsübernahme fördern, lassen wir junge Menschen an ihren Aufgaben wachsen.“

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