Das Wichtigste auf einen Blick:
- Der Pegel bei Kaub sank im August 2026 erstmals auf unter 20 Zentimeter – und damit unter den bisherigen Tiefststand von 2018.
- Die Binnenschifffahrt kann Schiffe teils nur noch mit weniger als einem Viertel der üblichen Ladung beladen. Unternehmen weichen deshalb auf Bahn, Lkw, Pipelines und Spezialschiffe aus.
- Laut aktueller BfG-Prognose bleibt der Rhein in den kommenden Wochen voraussichtlich auf niedrigem Niveau. Eine deutliche Entspannung ist vorerst nicht in Sicht.
Die Chemieindustrie ist besonders betroffen
Der niedrige Wasserstand am Rhein führt bei Industrieunternehmen in Rheinland-Pfalz zu Mehraufwand und höheren Kosten – und belastet vor allem Unternehmen, die auf große Mengen an Rohstoffen angewiesen sind, wie die Chemie- und Mineralölindustrie. An der wichtigen Referenzstelle in Kaub oberhalb von Koblenz fiel der Pegel im August 2026 auf historische Tiefstwerte von unter 20 Zentimetern, die nicht einmal beim letzten Niedrigwasser im Jahr 2018 erreicht wurden.
Das aktuelle Niedrigwasser verdeutliche, welche Bedeutung die Binnenschifffahrt für die Versorgungssicherheit des Wirtschaftsstandorts Deutschland habe, sagt Jens Schwanen vom Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt. Schiffe seien derzeit teilweise mit weniger als einem Viertel der sonst üblichen Ladung unterwegs – die Ladung müsse daher auf mehrere Schiffe verteilt werden.
„Wir wissen, dass die Wasserstraßen für die Logistik der Unternehmen unverzichtbar sind, vor allem in der Stahl-, Baustoff-, Mineralöl-, und Chemieindustrie und in der Land- und Forstwirtschaft“, so Schwanen. „Gefahren wird bis an die Grenze des physisch Möglichen und solange die Sicherheit gewährleistet ist.“
Lösungsansätze wurden bei Niedrigwasser-Konferenz diskutiert
Bundesverkehrsminister Steffen Bilder lud jüngst zu einem Krisentreffen ein – der so genannten „Niedrigwasser-Konferenz“. Ergebnis:
- Unter anderem sollen mehr Kapazitäten für die vom Niedrigwasser betroffene Industrie auf Straße und Schiene bereitgestellt werden.
- Bund und Länder wollen prüfen, ob das Sonntagsfahrverbot für LKWs gelockert wird.
- Der Umbau von Binnenschiffen soll vorangetrieben werden – um sie niedrigwasser-tauglich zu machen.
- Mittelfristig sollen auch die Fahrrinnen vertieft werden, besonders am Mittelrhein.
- Und: Der Krisendialog soll fortgesetzt werden.
BASF organisiert alternative Transportmöglichkeiten
Der niedrige Wasserpegel beschäftigt zum Beispiel die BASF. „Wir organisieren derzeit sowohl für die hereinkommenden Produkte als auch für die rausgehenden alternative Möglichkeiten“, schilderte Finanzvorstand Dirk Elvermann kürzlich bei der Vorstellung der Halbjahreszahlen. „Zum einen Schiffe, die auch bei niedrigem Pegel einfahren können, als auch Transport über Schiene, LKWs und Pipelines.“ Elvermann ist zuversichtlich, dass das Unternehmen die Situation damit abfedern könne. Immerhin: „Wir sind deutlich besser vorbereitet als im Jahr 2018.“
Laut der aktuellen Prognose der Bundesanstalt für Gewässerkunde (BfG) dürfte der Rhein in Rheinland-Pfalz in den kommenden Wochen auf niedrigem Niveau bleiben. Eine deutliche Entspannung der Niedrigwassersituation ist vorerst nicht in Sicht.