Chemie in RLP

Vom Laboranten zum Prozessberater

· Lesezeit 6 Minuten.
Thomas Nack steht lächelnd auf einer Treppe vor dem Eingang eines Bürogebäudes mit großer Glastür. Er trägt ein dunkles T-Shirt, Jeans und Sneaker und hält einen Laptop unter dem Arm.
Sein Arbeitsalltag hat sich in den letzten Jahren stark verändert: Chemielaborant Thomas Nack ist in eine Schlüsselrolle für die digitale Transformation hineingewachsen.

Das Wichtigste auf einen Blick: 

  • Chemielaborant Thomas Nack hat sich bei Prefere Paraform zum Prozessberater entwickelt und begleitet die Einführung des neuen ERP-Systems.
  • Als Schnittstelle zwischen Fachabteilungen und Software-Beratern analysiert und optimiert er Arbeitsprozesse, damit Wissen dokumentiert und Abläufe effizienter, transparenter und standortübergreifend nutzbar werden.
  • Das neue ERP-System soll Mitarbeitenden bessere Einblicke in Produktion, Logistik und Aufträge ermöglichen und für mehr Effizienz sorgen. 

Mit dem Laptop unterm Arm läuft Thomas Nack bei Prefere Paraform über die Flure. Er kennt hinter den Türen jeden Kollegen, jede Abteilung – und jeden Arbeitsprozess, den sie täglich erledigen. Noch vor einigen Jahren arbeitete er ausschließlich als Chemielaborant im Labor. Doch dann bekam er eine ganz neue Rolle: Als Prozessberater begleitet er heute die verschiedensten Teams im Unternehmen bei der Einführung der zentralen neuen Unternehmenssoftware. Eine Schlüsselrolle in der Transformation! 

Beim Wir.Hier.-Besuch erzählt der 41-Jährige, wie es dazu kam – und warum die neue Software fürs Unternehmen so wichtig ist.

Ziel: Schlankere und effizientere Abläufe

Es geht um das so genannte „ERP-System“: Kurz für „Enterprise Resource Planning“. So nennt man die zentrale Software, die wichtige Abläufe in Unternehmen bündelt und steuert. Auf die neue Software setzt der Spezialchemie-Hersteller deshalb, weil das bisherige System nicht mehr aktuellen Anforderungen entsprach. 

Mit der Umstellung sollen gleich alle Prozesse bis ins Detail modernisiert werden. Im Unternehmen ist das ein wichtiges Transformationsprojekt hin zu schlankeren und effizienteren Abläufen. 

Beim Rundgang über das Werksgelände öffnet Thomas Nack die Tür zum Lager und zeigt, worum es zum Beispiel geht. „Unsere Logistiker wissen bisher aus Erfahrung genau, wo was gelagert wird.“ All das Wissen in den Köpfen soll besser zugänglich sein. „Künftig wird alles genau dokumentiert. Dann läuft der Betrieb auch reibungslos, wenn ein erfahrener Kollege nicht da ist oder neue Mitarbeiter eingearbeitet werden.“ 

Mehr als Software: ERP-Systeme als Rückgrat der digitalen Transformation

ERP steht für „Enterprise Resource Planning“. Ein ERP-System ist die zentrale Software, die die wichtigsten Geschäftsprozesse eines Unternehmens in einem System bündelt, etwa Buchhaltung, Einkauf, Lager, Produktion, Personal und Vertrieb. Alle Abteilungen arbeiten mit denselben Daten, und Informationen müssen nicht mehrfach gepflegt werden. Bekannte Anbieter sind SAP, Microsoft Dynamics und Oracle.

Es schafft die technische Basis für Cloud, Big Data und durchgängige Prozesse. Gerade deshalb ist eine ERP-Umstellung ein Vorhaben, das Abläufe und Organisation verändert und von der Akzeptanz der Mitarbeitenden abhängt.

 

Thomas Nack ist die Schnittstelle zwischen den Kollegen und den Consultants des Software-Herstellers

Statt mit Kittel und Schutzbrille chemische Proben zu analysieren, ist der 41-Jährige nun schon seit etwa zwei Jahren in den Abteilungen des Unternehmens unterwegs. Um dort mit den Kollegen herauszufinden, welche Prozesse die neue Software abdecken muss. Dabei ist das Know-how jedes Einzelnen viel wert. Denn nur, wer wirklich an einer bestimmten Aufgabe arbeitet, weiß, worauf es dort ankommt. 

Thomas Nack sieht sich als Schnittstelle zwischen den Kollegen und den Consultants des Software-Herstellers. „Ich verstehe unsere internen Prozesse viel besser als sie, und kann deshalb abschätzen, was im Programm später funktioniert und was nicht.“ 

Und so lief das Projekt ab: Zuerst zeichnete Nack gemeinsam mit den Abteilungen alle Geschäftsprozesse und deren Abläufe auf. Dann brachte er sie auf einen gemeinsamen Nenner. „Wir haben geschaut: Welche Wege funktionieren nicht nur in einer Abteilung, sondern werkübergreifend?“ Im nächsten Schritt wurden für alle Bereiche „Key User“ benannt, die vorab Zugriff aufs neue System bekamen und es in einer Demo-Umgebung testen konnten. 

„Momentan testen wir die Software bereichsübergreifend“, erklärt Thomas Nack. 

„Ich bin in die Aufgabe reingewachsen“

Nacks Alltag hat sich dadurch grundlegend verändert. Er hat zum Beispiel auch Meetings mit den Auslandsstandorten und ist zurzeit sehr viel bei der Schwestergesellschaft Prefere Melamines in Frankfurt im Einsatz: Dort ging das System zuerst an den Start. 

Aber wie kam er als Chemielaborant überhaupt zu dieser Aufgabe? Nack lacht. „Da bin ich reingewachsen.“ Schon als Kind schwärmte er für Elektronik und Software. 2002 fing er bei Prefere Paraform die Ausbildung zum Chemielaboranten an. Und wurde zum Excel-Profi: „Das liegt mir, ich programmiere viel selbst.“ So fing es an, dass schon bei der letzten ERP-Umstellung im Jahr 2019 sein Chef und auch Kollegen zu ihm kamen: Kannst du mir das hier zeigen? Diesen Fehler beheben? „An jedem Problem, das wir gelöst haben, bin ich weiter gewachsen.“

Thomas Nack lächelt in die Kamera. Er trägt eine Schutzbrille und einen grauen Laborkittel. Im Hintergrund ist ein Labor zu sehen.
Eigentlich ist er Chemielaborant: Thomas Nack hat schon seine Ausbildung bei Prefere Paraform gemacht. Foto: Wir.Hier./Joshua Murat

Viele Kollegen sind skeptisch

Er ist es gewohnt, dass Kollegen ihn erstaunt ansehen. „Viele verstehen nicht, was mich daran fasziniert, Software-Herausforderungen zu lösen, denn die meisten Kollegen fluchen eher, wenn etwas nicht funktioniert.“ Nack findet sogar, dass seine neue Aufgabe viel mit seinem Beruf als Chemielaborant zu tun hat: „Es geht bei beidem um logisches, komplexes Denken“, beschreibt er.

Nack erlebt oft, dass Kollegen skeptisch sind – und zum Beispiel befürchten, dass die Arbeit komplizierter werden könnte. Nack sagt dann: „Wenn die Routine da ist, sind die meisten Sorgen vom Tisch.“ Zum Beispiel sieht künftig jeder im Customer Service auf einen Blick, wie weit die Produktion einer Kundenbestellung ist oder ob es gerade Kapazitäten für neue Aufträge gibt. Produktionsmitarbeiter können sich Durchlaufzeiten anzeigen lassen oder nachschauen, welche Störungen es bei einer Anlage zuletzt gab.  

Thomas Nacks Aufgabe endet auch nach der Umstellung auf die neue Software noch lange nicht – denn er wird dann Kollegen im Umgang damit schulen.
„Ziel ist, dass sie nicht nur damit umgehen können“, beschreibt er, „sondern dass sie damit selbstständig Ideen für mehr Effizienz umsetzen“.

Das Unternehmen

Prefere Paraform ist einer der führenden europäischen Hersteller von Paraformaldehyd und Methanolderivaten. Auf mehr als 170 Jahre Erfahrung aufbauend, fertigt das Unternehmen heute im großen Maßstab mehr als 125.000 Tonnen Spezialchemikalien pro Jahr. Am Standort Mainz arbeiten rund 150 Menschen. Das Unternehmen gehört zur Prefere Resins Gruppe mit Hauptsitz im brandenburgischen Erkner, die rund 600 Mitarbeitende beschäftigt und einen Umsatz von etwa 450 Millionen Euro erwirtschaftet. 

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