Firmenporträts

Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie

Chemieunternehmen in Rheinland-Pfalz setzen auf Klimaschutz, Umwelt und Recycling.

von Sabine Latorre

· Lesezeit 5 Minuten.
Nachhaltige Chemie: BASF recycelt Batterien von E-Autos. Fotos: BASF, AdobeStock
Batterien: Chemikerin Daniela Pfister begutachtet eine Pouch-Zelle, die Kathodenmaterial von BASF enthält. Fotos: BASF, willyam - stock.adobe.com

Umwelt- und Klimaschutz werden für die Deutschen immer wichtiger, so eine aktuelle Umfrage des Umweltbundesamts. In den Vorjahren war die Zustimmung deutlich niedriger. Die chemische Industrie nimmt hier eine Schlüsselrolle ein. Bis 2050 werden mehr als neun Milliarden Menschen auf der Erde leben. Um den zunehmenden Bedarf an Nahrung, Energie und sauberem Wasser bei begrenzten Ressourcen zu sichern, liefern Innovationen aus der Chemie einen entscheidenden Beitrag für neue Lösungen und Geschäftsmodelle.

Große und kleine Unternehmen bekennen: Der Zweck einer Firma ist nicht nur, Geld zu verdienen. Am Ende sollen alle profitieren. Man muss also die Balance aus wirtschaftlichem Erfolg, ökologischer und sozialer Verantwortung finden. Wir haben ein paar Beispiele aus Rheinland-Pfalz zusammengestellt. 

BASF: Neue Kraft aus alten E-Auto-Batterien

Der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen kooperiert mit Experten in der ganzen Welt: Es geht ums Recycling von Lithium-Ionen-Batterien im großen Stil. Nach einer Prognose der Internationalen Energieagentur steigt die Zahl der Elektrofahrzeuge rund um den Globus bis 2030 von 3 Millionen auf 125 Millionen.

Betrug der Recyclingmarkt für Lithium-Ionen-Batterien im Jahr 2015 etwa 1,7 Millionen Euro, dürfte er durch den Boom bis 2030 auf mehr als 20 Milliarden Euro klettern. Das macht Batterie-Recycling nicht nur nachhaltig, sondern auch wirtschaftlich attraktiv. Die jüngste Kooperationsvereinbarung traf BASF jetzt mit dem finnischen Energiekonzern Fortum und dem russischen Bergbaukonzern Nornickel. Gemeinsam will man die in Altbatterien enthaltenen kritischen Metalle wie Kobalt, Mangan, Nickel und Lithium wiederverwerten. BASF hat eine hocheffiziente Lithium-Extraktionstechnologie für das Batterie-Recycling entwickelt: Die verbrauchte Batterieeinheit wird zerlegt (Kunststoffe, Metalle), die Batteriezellen werden geschreddert und mechanisch getrennt. Der Rest durchläuft einen chemischen Prozess, der die Rückführung der wertvollen Metalle in die Batteriematerialproduktion ermöglicht. Das Unternehmen wird die Wertstoffe in seiner geplanten Produktionsanlage für Vorprodukte für Kathodenmaterialien (Foto unten) in Schwarzheide und in Harjavalta, Finnland, verwenden.

Boehringer Ingelheim: Vorbildlicher Klimaschutz

Glückwunsch: Umweltministerin Svenja Schulze zeichnet Boehringer Ingelheim mit einer Urkunde für seinen Klimaschutz aus. Foto: Boehringer Ingelheim

Was tun die Unternehmen für die Umwelt? Das Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim bei Mainz eine ganze Menge: Für seine besonderen Klimaschutzleistungen gab’s jetzt eine Urkunde, überreicht von Bundesumweltministerin Svenja Schulze (Foto links). Als erstes Pharmaunternehmen im Kreis der „Klimaschutz-Unternehmen“ zählt es damit zu den Vorreitern der Branche. Das Familienunternehmen reduziert schädliche Treibhausgase (CO2) durch innovative Technologien erheblich und nutzt Energie äußerst effizient. Vorzeigeprojekt ist etwa die Energieerzeugung aus Biomasse (Altholz) am Standort – und das schon seit 2006. Die Brennstoffumstellung von Kohle auf Holzhackschnitzel im Kraftwerk spart rund 90.000 Tonnen Kohlendioxid pro Jahr. Das entspricht dem durchschnittlichen Ausstoß von 10.000 Haushalten in Deutschland. An weiteren Standorten setzt Boehringer Ingelheim auf Kältespeichersysteme, LED-Beleuchtung sowie Rückgewinnung von Energie bei den Lüftungsanlagen. Zudem nutzt das Unternehmen Abwärme, halbierte seine Abfallmengen und verzichtet auf Einwegplastik bei Wegwerfartikeln.

Michelin: Alt zu Neu

Alt zu Neu: Michelin will bald nur noch Reifen aus nachhaltigem Material bauen. Foto: Lang

1,3 Milliarden Ersatzreifen wurden laut Statista 2019 weltweit verkauft, dazu kommen rund 322 Millionen Pneus als Erstausstattung für Neuwagen. Michelin – einer der größten Reifenhersteller der Welt – hat jetzt ein ehrgeiziges Ziel: Bis 2048 will der Konzern nur noch Reifen fertigen, die zu 80 Prozent aus nachhaltigen Materialien bestehen. Diese sollen sich komplett wiederverwerten lassen.

„Nachhaltigkeit betrifft bei uns nicht nur das Produkt, sondern auch unser Werk“, erklärt Christian Metzger, Chef des Michelin-Werks in Bad Kreuznach. Der Standort setzt auf einen Mix aus umweltfreundlicher Stromerzeugung (Kraft-Wärme-Kopplung, Photovoltaik), nachhaltigen Rohstoffen sowie Energie- und Ressourceneinsparung. So wird seit 2018 die Vulkanisation, die dem Pneu in der Herstellung seine endgültige Festigkeit und Form verleiht, von Heißwasser und Dampf auf die Elektrokochung umgestellt. Das spart mehr als 90 Prozent Energie.

Auch der Rollwiderstand der Pneus wird optimiert: „Im Schnitt wird jede fünfte Tankfüllung zur Überwindung des Rollwiderstands verbraucht“, so Metzger. Zudem startet der Konzern eine Technologie-Patenschaft mit dem schwedischen Start-up Enviro: Man will Reifen so recyceln, dass sich Kautschuk-Ruß, Pyrolyseöl, Stahl oder Gas aus den Altreifen zurückgewinnen und als Rohstoff wiederverwerten lassen.

Werner + Mertz: Plastik als ökologischer Werkstoff

Nachhaltig: In der Produktion von Werner + Merz kommt recycelter Kunststoff zum Einsatz. Foto: Werner + Merz

Die Marke „Frosch“ des Mainzer Reinigungsmittelherstellers Werner & Mertz verbinden viele Menschen mit Umweltschutz. Allein das Vollwaschmittel des Familienunternehmens verzeichnete zwischen November 2017 und November 2019 ein Umsatzplus von 55,6 Prozent. Für sein ökologisches Engagement wurde Inhaber Reinhard Schneider im Oktober 2019 mit dem Deutschen Umweltpreis ausgezeichnet. Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier lobte den Firmenchef für seinen „Pioniergeist“: Produkte und Produktion habe er „voll auf Nachhaltigkeit getrimmt“. Gemeint ist damit zum Beispiel der zunehmende Verzicht auf das umstrittene Palmkernöl aus tropischen Regionen bei den Reinigungs-, Kosmetik- und Hygieneartikeln. Dafür gibt’s Pflanzenöle aus Europa, dazu umweltfreundlich bedruckte Etiketten und freiwillige Umwelt-Betriebsprüfungen. Hinzu kommen hohe Abbauraten der Tenside sowie Verpackungen aus recyceltem Plastik. Laut Schneider ist es wichtig, schon in der Entwicklungsphase der Produkte darauf zu achten, dass sie gut recycelbar sind: „Verschiedene Kunststoffarten dürften nicht so miteinander verbunden werden, dass sie nicht mehr zu trennen sind“, so der Firmenchef. „Plastik könnte tatsächlich einer der ökologischsten Werkstoffe unserer Zeit sein, wenn wir lernen, damit richtig umzugehen.“ Plastik lässt sich mit einem Minimum an Energie nahezu verlustfrei in einen Kreislauf führen, sodass kein Müll mehr entsteht.

 

Klimafit? So machen Sie mit!

Jeder kann etwas für seine Umwelt tun. Wie das geht und was es am Ende bringt, weiß Claudia Lill: Die Referentin für Nachhaltigkeit & Suffizienz bei der Energieagentur Rheinland-Pfalz betreut den „Klima-Coach“ – ein CO2-Einspartool.

Weniger Fleisch: 60 Kilo Schwein, Huhn, Rind und Co. essen die Deutschen pro Jahr – 37 Kilo mehr, als Ernährungsexperten empfehlen. Das schadet Gesundheit und Klima. Denn gut 18 Prozent aller Treibhausgasemissionen verursacht die Viehzucht.

Cool bleiben: Ein Grad weniger Raumtemperatur zu Hause spart gut 6 Prozent Energie, 255 Kilo Kohlendioxid und rund 75 Euro im Jahr.

Helle Köpfe: Langlebige LED-Lampen reduzieren die benötigte Energie um bis zu 90 Prozent.

Deckel drauf: Kocht man rund fünfmal pro Woche mit Deckel (statt ohne), spart das jedes Jahr 100 Kilo Kohlendioxid und etwa 55 Euro.

Öko surfen: Die grüne Suchmaschine Ecosia betreibt ihre Server mit Ökostrom. Die Gewinne aus Werbeeinnahmen fließen in ein Baumpflanzprojekt in Burkina Faso.

Mehr Tipps gibt’s im Internet unter

www.klimacoach.rlp.de

Hier erfahren Sie, wie die Chemieunternehmen in Rheinland-Pfalz das E-Auto nach vorne bringen.

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