Laden von zwei BMW i3 auf einem Parkplatz. Foto: dpa

Firmenporträts

Voll elektrisiert

Chemieunternehmen in Rheinland-Pfalz entwickeln das Batterieauto weiter.

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Die Autoindustrie steckt in der Krise. 20 Prozent weniger Neuwagen als im Vorjahr rollten im ersten Quartal auf die Straße. Nur bei den Elektrofahrzeugen erzielte die Branche Höchstwerte: 26.000 neue Batterieautos meldete das Kraftfahrt-Bundesamt bis Ende März, im ganzen letzten Jahr waren es 63.000 Neuzulassungen. Die Verbraucher entdecken die Elektromobilität.

Auch die Chemiefirmen in Rheinland-Pfalz haben das Potenzial des klimaschonenden Fahrens erkannt. Verstärkt engagieren sich ihre Wissenschaftler und Techniker für den Stromer – ob durch Forschung in Labors, mit der Entwicklung spezieller Materialien für den Leichtbau oder mit neuen Reifen.

Akkus mit doppelter Leistung, aber nur halb so groß wie bisher

Der Chemiekonzern BASF will die Batterien erheblich verbessern. Das Ziel: Bis zum Jahr 2025 soll die reale Reichweite eines Mittelklassewagens mit einer Batterieladung von 300 auf 600 Kilometer steigen, die Lebenszeit der Akkus sich verdoppeln, es sollen die Stromspeicher um die Hälfte kleiner und die Ladezeit auf 15 Minuten verkürzt werden – damit die Urlaubsfahrt in die Alpen oder an die Nordsee auch mit E-Auto künftig in einem Rutsch möglich ist.

Die Forscher arbeiten an besseren Kathodenwerkstoffen (Minuspol) für die Akkus. BASF-Vorstandschef Martin Brudermüller sagt: „Kathodenmaterialien bergen das größte Potenzial für eine verbesserte Leistung bei geringen Kosten.“ Eine Anlage für die Materialien wird bis 2022 im Werk Schwarzheide in Brandenburg errichtet. 150 Mitarbeiter sollen dort Kathodenmaterial für 400.000 E-Autos im Jahr herstellen. Auch Rheinland-Pfalz erhält eine Batteriezellenfabrik. Opel, der Mutterkonzern PSA und ein Batteriehersteller wollen sie in Kaiserslautern bauen.

Ein spezielles Material für den Leichtbau haben Forscher von Röchling Automotive in Worms entwickelt: den glasfaserverstärkten Hochleistungskunststoff „Stratura Hybrid“. Er ermöglicht Autoböden, „die durch hohe Funktionsintegration bis zu 50 Prozent dünner und leichter als herkömmliche Karosserieböden sind“, sagt Senior Marketing Manager Katrin Biedebach. „Das erhöht die Reichweite von E-Autos.“

Akkus im Härtetest. Foto: BASF

Neuartige Lüftungskanäle für schwarze Londoner Elektrotaxis

Das Unternehmen Sekisui Alveo – mit Fabrik in Bad Sobernheim – ist mit einem speziellen Schaumstoff („Alveolen“) für E-Autos dabei. Lüftungskanäle daraus sparen Heiz- und Kühlenergie der Akkus und wirken schalldämmend. Genutzt werden sie in der Elektrovariante des schwarzen Londoner Taxis.

Reifen für E-Autos, -Busse und -Vans liefert der Hersteller Michelin, der in Karlsruhe und Bad Kreuznach Werke hat. Die Pneus haben ein stabileres, mit Kabeln verstärktes Gerüst. Eine innere Schaumstoffschicht macht sie leiser, ein eigener Materialmix und eine verstärkte Seitenwand widerstandsfähig für die enorme Beschleunigung der Stromer.

Auch Röhm in Worms fährt beim E-Auto mit – rein optisch. Aus Plexiglas des Herstellers werden für den Elektro-SUV ID. Roomzz von VW Lichtleisten gefertigt, die quer über Front und Heck verlaufen. Sie geben dem Modell, das 2021 anläuft, ein unverwechselbares Gesicht.

Was die Chemie in Rheinland-Pfalz noch für mehr Nachhaltigkeit tut, lesen Sie hier.

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