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Zahlen & Fakten

Integration und Inklusion in Rheinland-Pfalz

So funktionieren Zusammenleben und Teilhabe in Rheinland-Pfalz.

· Lesezeit 3 Minuten.

Wir leben in einem Bindestrich-Bundesland. Schon seit seiner Gründung leben in Rheinland-Pfalz Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichen Hintergründen, Erwartungen und Einstellungen zusammen. Und das klappt meist auch ganz gut.

Von Beginn an divers

Rheinland-Pfalz wurde am 30. August 1946 gegründet und vereinigte vom ersten Tag an unterschiedliche Menschen: im Norden Rheinländer, im Süden Pfälzer, im Osten Rheinhessen, dazu Bewohner der Region Birkenfeld und des ehemaligen Hessen-Nassau. Ein Gemeinschaftsgefühl entwickelte sich langsam. Zehn Jahre nach Gründung fanden regionale Volksbegehren Zustimmung, die eine Angliederung an jeweils benachbarte Bundesländer forderten. Doch bis zu den endgültigen Abstimmungen 1975 hatte man sich offenbar so zusammengerauft, dass es in keiner Region eine Abspaltungsmehrheit gab.

Zu- und Abwanderung

Zwischen 1950 und 2017 zogen mehr als 7,5 Millionen Menschen in unser Bundesland und brachten ihre Traditionen und Ansichten mit – egal ob aus Baden-Württemberg oder Burkina Faso. Gleichzeitig zogen knapp 6,5 Millionen Menschen aus Rheinland-Pfalz weg. Abwanderungen gab es auch historisch: So verließen Tausende Menschen im 18. und 19. Jahrhundert das Gebiet des heutigen Rheinland-Pfalz gen Amerika. Die bekanntesten: Familie Trump aus der damals bayerischen Pfalz.

Migrationshintergrund

Auch heute ist Rheinland-Pfalz ein offenes Land: Rund 26 Prozent der Einwohner haben einen Migrationshintergrund, sie haben also die deutsche Staatsangehörigkeit nicht durch Geburt oder dies trifft auf mindestens einen Elternteil zu. 2018 waren das rund 1,05 Millionen Personen. 2013 hatten knapp 21 Prozent einen Migrationshintergrund, der Zuwachs entstand vor allem durch die Fluchtbewegungen seit 2015. Nur ein Teil des „Migrationshintergrund“-Werts – also nicht damit zu verwechseln – ist übrigens der Ausländeranteil: Er beträgt 11,8 Prozent.

Inklusion

Im Jahr 2017 lebten 9,5 Prozent der rheinland-pfälzischen Einwohner mit einer Behinderung. Neben dem Alltag erleben sie auch im Arbeitsleben nach wie vor Benachteiligungen: Von den knapp 45.000 Pflichtarbeitsplätzen im Land blieben 2017 mehr als 11.500 unbesetzt, von allen Erwerbstätigen machten Menschen mit Behinderung nur 4,1 Prozent aus. Um diese Werte zu steigern, arbeiten Unternehmen und Politik an Projekten wie den Inklusionsfirmen: Sie haben einen Schwerbehindertenanteil von mindestens 30 Prozent und erhalten Landeszuschüsse. 2016 gab es mehr als 70 Inklusionsfirmen, die Anzahl soll steigen.

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Sexuelle Orientierung

Rheinland-Pfalz steht auch für sexuelle Vielfalt. Das zeigt eine Umfrage des rheinland-pfälzischen Familienministeriums zur Lebenssituation von Menschen der LGBTQI-Community. Mehr als 83 Prozent gaben an, die eigene sexuelle und geschlechtliche Identität offen zu leben. Nur 4 Prozent widersprachen dem. Dass es aber immer noch großen Verbesserungsbedarf gibt, zeigt sich daran, dass mehr als 58 Prozent der Befragten schon Benachteiligungserfahrungen gemacht haben. Mit dem Aktionsplan „Rheinland-Pfalz unterm Regenbogen“ will das Land die Akzeptanz und Gleichstellung weiter fördern.

Einbürgerungen

Viele aus dem Ausland zugezogene Menschen sind heute Deutsche und fühlen sich vielleicht auch als Rheinland-Pfälzer, Westerwälder oder Koblenzer. 2018 hat Rheinland-Pfalz bei der Einbürgerungsquote mit gut 1,3 Prozent (5.655 Personen) Platz drei aller Bundesländer belegt. Die Quote besagt, wie viele Einbürgerungen es pro 100 hier lebender Ausländer gibt. Zwischen 2012 und 2016 waren die Türkei, Polen und das Kosovo die Top-Einbürgerungsländer. Seit dem Brexit-Votum wissen aber auch immer mehr Briten unser Bundesland zu schätzen: Nachdem sich zuvor meist zwischen 15 und 30 Briten einbürgern ließen, sind es seit 2016 jedes Jahr mehrere Hundert.

Diskriminierungen

In den 15 Monaten bis August 2019 sind bei der Antidiskriminierungsstelle des Landes 111 Beschwerden eingegangen – knapp doppelt so viele wie im selben Zeitraum zuvor. Außerdem dürfte es eine höhere Dunkelziffer geben, weil nicht jede Diskriminierung gemeldet wird. Meist ging es um Rassismus, etwa weil sich Menschen wegen ihrer ethnischen Herkunft bei der Wohnungssuche benachteiligt fühlten. Auch Diskriminierungen wegen des Geschlechts oder der Religion waren häufig.

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