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Made in Rheinland-Pfalz

Viele Farben, viele Verordnungen

Regulierung bremst den Lackspezialisten Jansen.

von Nicolas Schöneich

· Lesezeit 3 Minuten.

Einer der wichtigsten Rohstoffe für die Entwicklung von Lacken und Farben ist – Papier. Chemisch betrachtet, stecken Lösemittel, Bindemittel, Füllstoffe, Additive und Pigmente für die Farbgebung drin. „Aber von den sieben Leuten, die bei uns im Labor an neuen Rezepturen arbeiten, beschäftigen sich zwei nur mit Gefahrstoffmanagement“, sagt ein hörbar angespannter Peter Jansen.

Der Geschäftsführer des Lackspezialisten Jansen aus Bad Neuenahr-Ahrweiler ist stolz auf die 1 500 Rezepturen im Sortiment sowie auf die Neuheiten, die in der Fachwelt regelmäßig bestens aufgenommen werden. Aber er sieht die Unternehmen verstrickt in einen Papierkrieg, der nicht nur Jansen Wachstum kostet: „Ideen haben wir genug. Und wir wollen 20 Prozent unseres Umsatzes mit Produkten machen, die nicht älter als drei Jahre sind. Nur solange sich unsere Entwickler mehr mit Gesetzgebung beschäftigen müssen, dauert und bremst das alles.“ Vor der EU-Chemikalienrichtlinie REACH etwa habe ein Sicherheitsdatenblatt für jeden der 700 eingesetzten Rohstoffe aus sieben Seiten bestanden. „Heute sind es bis zu 100.“

„Möglichst kennzeichnungsfrei sein“

Dabei hat Jansen sich längst gesundheits- und umweltschonenden Produkten verschrieben. Das wollen Endkunden, auf deren Wände, Decken, Türen und Fenster die Spachtel, Lacke und Grundierungen von Jansen aufgebracht werden – und diese Nachfrage bestimmt, was die Jansen-Fachkundschaft aus dem Malerbereich kauft. „Wir wollen möglichst kennzeichnungsfrei sein“, erklärt Jansen, also keine Rohstoffe einsetzen, die eine Kennzeichnung des Produkts als umwelt- oder gesundheitsschädlich erfordern. „Ergibt sich das aus einer Rezeptur, entwickeln wir sie nicht weiter.“ Denn Kennzeichnung sei gleich Kaufzurückhaltung, glaubt der Geschäftsführer. 16 Millionen Euro hat Jansen zuletzt erlöst.

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Ein weiteres Kriterium für Neuentwicklungen ist, dass sie einfach anzuwenden sind und bestenfalls mehrere Produkte ersetzen. Also Benutzerfreundlichkeit gepaart mit Ressourcenschonung. So beruhen 90 Prozent aller Jansen-Neuheiten inzwischen auf Wasserbasis. „Nehmen Sie unsere Holzdeckenfarbe“, erklärt Anwendungstechniker Norbert Frenken. „Früher musste der Maler zweimal isolieren, dann einmal Lack drauf, mit verschiedenen Produkten. Mit unserem Produkt streichen Sie zweimal – und reicht das nicht, ein drittes Mal aus derselben Dose.“ Oder eine Rostoptik für Oberflächen: Wettbewerber bräuchten sieben Schritte, sagt Jansen. „Bei uns sind es zwei.“

Was geschieht mit Titandioxid?

Oberster Entwickler ist Laborleiter Heinrich Krebsbach. Seine Rezepturen testet Frenken zunächst, meldet Verbesserungsvorschläge, testet erneut. „Es ist ein Herantasten“, sagt Frenken. Erst wenn Produkte wie ein Lack zum Versiegeln von Fliesen weit genug sind, geht es in einen Feldversuch: Jansen hat in jedem deutschen Vertriebsbezirk fünf „Testmaler“, die Feedback geben. Sind sie zufrieden, ist eine Rezeptur produktionsreif. Dafür, dass beim Mischen, Abfüllen und Verpacken alles unbedenklich zugeht, gibt es natürlich auch Grenzwerte. „Wir messen, dokumentieren, saugen ab“, schildert Krebsbach, „und die Kollegen arbeiten mit Mundschutz.“

Auch der Laborleiter erkennt eine gewisse Regelungswut. Aktuell droht der Lacke- und Farben-Industrie die Kennzeichnung ihres wichtigsten Rohstoffs: des Weißpigments Titandioxid. 80 Prozent aller Farben enthalten mindestens 1 Prozent davon. Weil bei einer Studie vor 30 Jahren eine Ratte an der Pulverform des Stoffs gestorben ist, hat der EU-Ausschuss für Risikobeurteilung RAC Mitte 2017 die Kennzeichnung als potenziell krebserregend empfohlen – Pläne, die im Extremfall alle pulverförmigen Rohstoffe treffen könnten, auch Ruß oder Beton. Noch steckt das Vorhaben in den Mühlen der Brüsseler Bürokratie. Käme es durch, müsste Jansen fast alle Produkte neu rezeptieren, um sie nicht kennzeichnen zu müssen. Und alles, was mehr als 1 Prozent Titandioxid enthält, würde Sondermüll, sagt Krebsbach. „Autos, Legosteine, Wände, Fensterrahmen, Papier. Quasi alles.“

Die Folgen und erheblichen Auswirkungen der Einstufung von Titandioxid auf Wirtschaft, Industrie und Arbeitsplätze zeigt auch die Videoserie der Initiative Pro Titandioxid.

Die Initiative Pro Titandioxid hat Fragen und Antworten zur Bewertung des gesundheitlichen Risikos zusammengestellt. Das FAQ finden Sie hier.
 

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