Aralon produziert Leuchtpigmente©Jan Hosan

Made in Rheinland-Pfalz

Leuchtendes Vorbild

Aralon produziert Leuchtpigmente ohne schädliches Formaldehyd

von Nicolas Schöneich

‧ Lesezeit 3 Minuten.

Rami Ismael hütet einen kleinen und einen großen Schatz. Der kleine steht in einer Vitrine unter der Treppe, im Foyer des Aralon-Firmengebäudes: Ismael hat zwei Sets der limitierten Coca-Cola-Gläser ergattert, die es im Sommer 2017 bei McDonald’s gab: zwei in Neongelb, zwei in Neonpink. Geplant hatte der Burgerbrater mit einem Abverkauf über sechs Wochen, weg waren sie nach einer Woche. Schwierig sei es gewesen, die Gläser zu kriegen, sagt Ismael und schmunzelt. Dass er sie überhaupt bekommen hat, hat mit seinem großen Schatz zu tun: Sein Unternehmen aus Heiligenroth bei Montabaur hat die Pigmente für die Leuchtfarben der Gläser geliefert. Aralon ist der erste Anbieter, der Tagesleuchtpigmente ohne Formaldehyd für eine breite Anwendungspalette auf den Markt gebracht hat. Das Geheimnis seiner Rezeptur hütet der Gründer und Geschäftsführer entsprechend sorgsam. Er lässt sich nicht in die Kochtöpfe gucken, in denen Mitarbeiter die Aralon-Produkte aus Grundstoffen polymerisieren, dann trocknen und mahlen. „Wir sind Innovationsführer auf diesem Gebiet“, sagt der 51-Jährige. Und will das natürlich bleiben.

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„Umweltfreundlicher als andere“

Aralon produziert nicht für Endverbraucher, sondern ist das zweit- oder drittletzte Glied in einer Lieferkette. Die führt zu vielen Alltagsgegenständen: Neben den Leuchtgläsern sind das etwa fluoreszierende Sportkleidung und -schuhe, Sprühfarben für die Markierung von Bäumen und Asphalt, Tinten für den Zeitschriftendruck und für die Färbung von Spielzeug. „Wir sind auf all diesen Märkten unterwegs“, sagt Ismael. Für die Kunden sind Aralon-Pigmente ein Paradigmenwechsel. „Schon in unserem Logo sieht man, dass wir umweltfreundlicher werden wollten als andere: Es ist den Federn des Aras nachempfunden, einem Papagei, der die Farben in seinen Federn nur mit Lichtbrechung erzeugt.“ Lange enthielten fast alle Tagesleuchtpigmente Formaldehyd, das EU-weit als gesundheitsgefährdend eingestuft ist. „Es ist drin, weil es billig ist und funktioniert, also die notwendige Beständigkeit gegen Licht, Hitze, Wasser und Lösungsmittel hat“, erklärt Ismael. „Unser Anspruch war, Pigmente ohne Formaldehyd zu produzieren, die in allen Parametern besser sind.“

Ein Leben fürs Leuchten

Formaldehyd dient in Polymeren als eine Art „Vernetzer“, es macht Moleküle nach allen Seiten anschlussfähig für andere Moleküle. So entsteht ein Netz, das die Farbstoffe bindet; fertig ist das Pigment. Für diese Vernetzungsfunktion hat Ismael eine Alternative entwickelt, die im Unterschied zu bestehenden Alternativen nicht auf wenige Anwendungen beschränkt ist. Ismael spricht selbstbewusst von den „mit Abstand besten Pigmenten auf dem Markt. Die Leuchtkraft ist besser. Und die Lichtbeständigkeit ist doppelt so hoch wie bei solchen mit Formaldehyd.“

Der Gründer hat mehr als sein halbes Leben dem Leuchten verschrieben. „Ich wollte immer die Natur verstehen. Und seit Mitte meines Studiums beschäftige ich mich mit Fluoreszenz.“ Das war in den 80ern in München, wo er Chemie studierte und darin promovierte. Auf einen Aufenthalt in Japan folgte ein Job als Forschungsleiter bei einer US-Holding in Belgien. 2011 machte Ismael sich selbstständig, im April 2013 war das Gebäude fertig, im Juli 2013 kam die erste Charge aus den Maschinen. In den Monaten danach hätten sie oft Daumen gedreht, sagt Ismael und erklärt die Besonderheiten seiner Branche: „Wenn man neu in den Markt kommt, wollen die Kunden erst mal bemustern, also testen. Zwei Jahre sind da nichts.“ 2015 wurden zwei Aralon-Produktlinien offiziell am Markt eingeführt. Das Warten hat sich ausgezahlt: 2018 will das Zwölf-Mann-Unternehmen die 3-Millionen-Umsatzmarke knacken, nach gut 2 Millionen Euro im Vorjahr. 200 Tonnen verlassen jedes Jahr das Gelände, die Halle hat Ismael aber groß genug geplant für 1 000 Tonnen. Und er verspricht: „Wir haben noch viele Ideen.“

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