Arbeitspolitik

So können Eltern bei der Berufswahl helfen

Tipps und Tricks, wie Eltern ihre Kinder unterstützen und was sie besser lassen sollten.

von Nicolas Schöneich

· Lesezeit 4 Minuten.
Qual der Wahl:Die Möglichkeiten für jugendliche Berufseinsteiger sind vielfältig – was die Entscheidung nicht einfacher macht. © Adobe Stock

Die Schule ist (bald) vorbei, das Arbeitsleben steht bevor. Wie finden Jugendliche den richtigen Weg in den passenden Job? Und wie können Eltern sie dabei unterstützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Welche Rolle spielen Eltern überhaupt in der Berufsorientierung?

„Eltern sind die wichtigsten Berater und die erste Anlaufstelle, weil sie ihr Kind am besten kennen.“ Das betont Anja Hutans, Berufsberaterin der Mainzer Agentur für Arbeit. „Eltern wissen, wo ihr Kind Stärken hat, welche Talente es mitbringt.“ Kritisch sieht sie, dass manche Eltern die Verantwortung für die Berufsorientierung an die Schulen abgeben.

Woran erkennen Eltern ein Talent?

„Talente kommen zum Beispiel in Hobbys zum Ausdruck“, sagt Hutans. Im Sport der Bewegungsdrang, bei Schulsprechern die Kommunikationsfreudigkeit, bei Mofaschraubern die Technikbegeisterung. „Um das herauszufinden, sollten Eltern die schulischen Leistungen ausblenden und nur auf das schauen, was ihr Kind in seiner Freizeit tut.“ Wohlgemerkt: aus eigener Motivation – und nicht, weil die Eltern es irgendwo angemeldet haben.

Wann ist der beste Zeitpunkt, sich einzuschalten?

Ein Jahr vor dem Pflichtpraktikum. An Gymnasien im Land findet das in der Regel in der elften Klasse statt, an Realschulen plus in der achten.„Sprechen Sie mit Ihrem Kind, was es interessiert, welchen Beruf es kennenlernen möchte.“ Das kann verhindern, dass das Kind sich einfach irgendwo bewirbt. Hutans rät jedoch, sich auch abseits des Pflichtpratikums umzuschauen: „Manche Unternehmen ermöglichen Hospitationen über einen oder zwei Tage. Solche Einblicke sind das Allerwichtigste, weil man Dinge live sieht und erlebt.“ Erzählen die Eltern häufig aus ihrem Joballtag, könne auch das manche Kinder begeistern – andere aber eher abschrecken.

Wie spreche ich über Berufe, wenn mein Kind in einer Phase ist, in der es sich nichts sagen lässt?

„Es gelingt auf jeden Fall besser, wenn man immer mal wieder nachhakt“, sagt Hutans. Das Thema einstreuen, Anregungen schaffen durch gemeinsame Ausflüge zu Tagen der offenen Tür, in Unternehmen oder zu Informationsmessen. „Was nicht funktioniert: einen Druckmoment aufbauen. Jetzt musst du aber, jetzt machen wir das.“

Was, wenn mein Kind andere Sorgen hat, zum Beispiel mit den Schulnoten?

Diese Phase müssten Eltern abwarten, sagt Hutans. „Muss das Kind sich auf die Schule konzentrieren, sollte die Berufsorientierung ruhen.“ Hat es die Schule geschafft, kann es sich dem nächsten Abschnitt widmen.

Und wenn es wegen Schulform oder Noten glaubt, es habe ohnehin keine Chance auf einen Beruf?

„Eltern müssen gegen diesen Eindruck arbeiten: Die Schule ist ja nur das eine; da hat nicht jeder seine Talente. Aber es gibt sicher andere Dinge, die jemand besser kann als andere. Diese Dinge muss man herauskitzeln und das Kind entwickeln lassen.“ Eltern sollten sich aber darauf einlassen, dass diese Phase länger dauern kann: „Man sollte jedem Kind die Zeit geben, bis es etwas gefunden hat, das es begeistert.“

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Welche Informationsquellen gibt es für Eltern?

Hutans betont, dass Berufsberaterinnen und -berater genauso für Eltern wie für Kinder da sind. Außerdem gibt es Messen und Webseiten mit Berufsinformationen und Selbsttests für Jugendliche. Die Chemieberufe etwa erklärt www.elementare-vielfalt.de, Einblicke in die Ausbildung aus Azubi-Sicht gibt es unter www.chemie-azubi.de.

Ausbildung oder Studium – was passt?

Eltern wollen das aus ihrer Sicht Beste für ihr Kind. „Viele Eltern glauben, dass dies zwangsläufig nur eine akademische Laufbahn ist, und daher muss unbedingt das Abitur erreicht werden“, sagt Hutans. „Sie gucken nicht auf Motivation, Eigeninteressen und Notenentwicklung ihrer Kinder.“ Auch gebe es Vorurteile gegen eine Ausbildung: „Man verdient nicht viel. Der Beruf hat keine Zukunft. Der Beruf ist körperlich belastend. Ich empfehle immer: Lernen durch Selbsterfahren!“

Wie nimmt man Kindern die Angst vorm Scheitern, also einem Abbruch von Ausbildung oder Studium?

Entscheidend ist, herauszufinden, ob das Kind sich wohlfühlt mit dem, was es macht. „Sprechen Sie mit ihm, ermutigen Sie es, dass ein Abbruch keine Niederlage wäre. Sondern dass es gut ist, zu erkennen, wenn der Weg nicht passt. Und dann bestärken und unterstützen Sie es darin, beim nächsten Mal die richtige Entscheidung zu treffen.“

Wie die Digitalisierung die Ausbildung in der Chemie verändert, lesen Sie hier. Mehr zu den Karriere- und Verdienstmöglichkeiten in der Chemie gibt es hier. Und in diesem Porträt schildert ein ehemaliger Hauptschüler, wie er trotz schwieriger Schullaufbahn in der Chemieindustrie durchstarten konnte.

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