Die Chemieunternehmen in Rheinland-Pfalz suchen Azubi-Helden. © Wir. Hier.

Arbeitspolitik

Azubis in der Chemieindustrie: Helden gesucht

Was die Chemieunternehmen in Rheinland-Pfalz Auszubildenden bieten.

von Sabine Latorre (Text) und Lena Wolff (Illustration)

· Lesezeit 5 Minuten.

Azubis sind gefragt: Auf 100 Suchende kommen 106 Stellen – ähnlich gut waren die Chancen auf eine spannende Ausbildung zuletzt 1994. In Rheinland-Pfalz ist die Chemiebranche ein besonders attraktiver Arbeitgeber, der Azubis weit mehr bietet als Fachkenntnisse und ein gutes Gehalt – und ihnen auch eine ganze Menge zutraut. Einige interessante Angebote haben wir zusammengestellt.

Lernumgebung in der Ausbildung

  • Freudenberg hat für 8,5 Millionen Euro ein modernes Zentrum für Aus- und Weiterbildung in Weinheim gebaut. Hier lernen gut 280 Azubis aus vier Lehrjahren, darunter der Nachwuchs vom Standort Kaiserslautern sowie von 42 Verbundunternehmen. Steht Schweißen auf dem Stundenplan, geht es hier in moderne, einsehbare Kabinen. Auch andere Firmen sind gut aufgestellt, was das Lernen angeht:
  • In Worms wartet bei Renolit eine Ausbildungswerkstatt,
  • bei Grace ein voll ausgestattetes Ausbildungslabor.
  • Die BASF bietet Rundumversorgung auch außerhalb des Werks: Auszubildende können in Ludwigshafen in Azubi-WGs leben, wer noch minderjährig ist, im Jugendwohnheim „Haus Friesenheim“.

Vielfältige Ausbildung

Die Chemie-Branche bietet über 50 Ausbildungsberufe (mehr unter www.elementare-vielfalt.de): 

  • Allein die BASF bildet in 30 verschiedenen aus. Ausbildung und duales Studium richten sich an Absolventen aller Schulformen, Bewerber sind gesucht für technische Berufe, Labor- und Produktionsberufe, kaufmännische Berufe sowie Hotel- und Gastronomieberufe. Duale Studiengänge gibt es für BWL, Wirtschaftsinformatik, Informationstechnik und Ingenieurwesen.
  • Das Pharmaunternehmen AbbVie betont die sehr guten Entwicklungschancen für Pharmakanten, Biologie- und Chemielaboranten, Mechatroniker, Fachkräfte für Lagerlogistik oder Fachangestellte für Medien und Informationsdienste.
  • Bei Renolit in Worms können Industriekaufleute noch den Europakaufmann draufsatteln.

Internationale Ausbildung

Wer durch die Welt reist, sollte sich unterhalten können.

  • Deshalb bietet Freudenberg für alle Auszubildenden Englischunterricht an und ermöglicht den dual Studierenden einen Auslandsaufenthalt.
  • Bei Zschimmer & Schwarz in Lahnstein dürfen zwei Azubis die Tochterfirma Bregaglio in der Nähe von Mailand einen Monat lang besuchen.
  • BASF-Azubis können sich freiwillig für ein Europa-Austauschprojekt in Norwegen, Spanien, der Schweiz, Frankreich oder Belgien bewerben; die Nachwuchs-Europakaufleute gehen ohnehin vier Wochen lang ins europäische Ausland. Und für duale Wirtschaftsstudenten ist ein Studium in Schanghai oder eine Fortbildung in den USA möglich. 

Betreuung in der Ausbildung

  • Viele Unternehmen – zum Beispiel Michelin – vermitteln in einem Start-Workshop wichtige Ausbildungsgrundlagen und fördern auch weiche Azubifähigkeiten wie Verhalten im Team, Kommunikation und eigenverantwortliches Handeln.
  • Wer bei AbbVie oder Renolit startet, ist dank des „Buddy-Systems“ nie allein: Jedem Neuankömmling wird ein älterer oder ehemaliger Azubi als Ansprechpartner zur Seite gestellt. Dazu kommen Workshops, die beim Übergang in neue Ausbildungs- und Lebensphasen helfen.
  • Spaß machen die mehrtägigen Teambuilding-Events etwa bei Freudenberg.
  • Und Grace hat 50 Ausbildungsbeauftragte, die sich kümmern. Mehr Infos: www.chemie-azubi.de.

Digitalisierung der Ausbildung

Stift und Papier verschwinden zunehmend aus der Ausbildung.

  • Die neue Azubi-Generation testet bei der BASF in Ludwigshafen gerade den Einsatz von Tablets. In der Chemikanten-Ausbildung kommen VR-Brillen zum Einsatz, etwa um das Anfahren einer Kreiselpumpe zu üben.
  • Grace stattet den Nachwuchs in Worms mit elektronischen Schulbüchern aus. Und Laptops – das tut AbbVie ebenfalls.
  • Freudenberg setzt auf innovative Lernkonzepte und hochentwickelte Maschinen: Industrie 4.0 erleben Azubis in einer vollautomatisch gesteuerten Lernfabrik im kleinen Maßstab – mit kompletter Produktionsstraße vom Hochregallager über eine Bohrstation bis hin zur Qualitätskontrolle. Schweißen lernt man hier ebenfalls virtuell mit VR-Brille und Monitor, mehr fachlichen Input gibt es auch an Lerninseln mit Touchscreen-Monitoren sowie in einer Mediathek.

Gesundheitsangebote für Azubis

  • Bei Michelin in Bad Kreuznach startet die Ausbildung mit einem Gesundheitscheck vom Blutzucker bis zum Cholesterin; es geht um Bewegung, den Rücken, Ergonomie und die richtige Ernährung. Im zweiten Lehrjahr dreht sich alles um Genuss- und Suchtmittelkonsum (Rauchen, Alkohol, Spielsucht am Computer), im dritten Jahr stehen Bewegung, Entspannung sowie Stressvermeidung auf dem Stundenplan.
  • Grace bietet in Worms medizinische Vorsorgeuntersuchungen zu Lärm, Staub und Bildschirmarbeit sowie Seminare über Schichtarbeit und Erste Hilfe.
  • Bei Freudenberg wartet ein Gesundheitsstudio auf dem Werkgelände, ebenso bei der BASF.
  • AbbVie hat zudem Selbstverteidigungstrainings im Programm sowie Gesundheitskurse im Rahmen der „aktiven Mittagspause".

Ausbildung mit Verantwortung

  • „Wir werden Sie in einem außergewöhnlichen Maß fordern – aber auch genauso fördern“, heißt es zum Beispiel bei Werner & Mertz  in Mainz. Azubis sollen früh selbstständig arbeiten und ihre Ausbildung aktiv mitgestalten.
  • Boehringer Ingelheim  setzt dabei auf „Learning by doing“: Hier können Azubis in einer „Juniorfirma“ eigenständig arbeiten. Sie sammeln praxisrelevante Erfahrungen und lernen an realen Aufträgen und Projekten alles, was sie nach der Ausbildung im Berufsleben brauchen.
  • Das gibt’s auch bei Renolit: Neben der fachlichen Expertise und dem guten Gefühl, Verantwortung zu übernehmen, unterstützen die Jungunternehmer mit den Erlösen soziale Projekte.
  • Und bei Rhodius in Burgbrohl darf der Nachwuchs durchaus auch mal den Chef im Urlaub vertreten.

Azubi-Gehälter in der Chemie

Chemiefirmen in Rheinland-Pfalz zahlen eine sehr gute Arbeitsvergütung – die in vielen Firmen auch tarifvertraglich festgelegt ist – und oft noch Urlaubs- und Weihnachtsgeld.

  • Bei Tarkett sieht das zum Beispiel so aus: erstes Ausbildungsjahr 978 Euro, zweites Ausbildungsjahr 1.051 Euro, im dritten Jahr 1.146 Euro, im vierten 1.267 Euro. Hinzu kommen 700 Euro Urlaubsgeld und 95 Prozent der Ausbildungsvergütung als 13. Monatsgehalt. Viele Betriebe bezahlen zudem die Schulbücher und bezuschussen Fahrkarten oder das Mittagessen.
  • Renolit in Worms spendiert zudem eine Prämie für gute Noten in der Abschlussprüfung. Ab der Note 1,9 erhält man 100 Euro, eine Steigerung bis 1.000 Euro ist möglich.
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