Freizeit-Tipps

Weihnachtsbräuche in Deutschland

So unterschiedlich sind die regionalen Traditionen.

von Robyn Schmidt

· Lesezeit 4 Minuten.

Christkind, Gurken, Christbaumloben - auch wenn sich in Deutschland die allgemeinen Bräuche immer mehr angleichen und viele regionale Eigenheiten verlorengehen: Rund ums Weihnachtsfest gibt es noch einige regionale „Spezialitäten“ und Unterschiede. Die spannendsten haben wir ausgewählt. Und auch spannend: Wie unterschiedliche christliche Konfessionen Weihnachten feiern und wie andere Religionen das Jahresende begehen.

Christkind oder Weihnachtsmann?

Eine Frage, die Deutschland spaltet, ist, wer die Geschenke an Heiligabend bringt: Christkind oder Weihnachtsmann? Obwohl der Weihnachtsmann die neuere Erfindung ist, ist er die inzwischen etwas prominentere Figur. Er ist vor allem im Norden für die Geschenkelieferung verantwortlich, während das Christkind eher im Süden unterwegs ist. 

Weihnachtsessen

Was das Weihnachtsessen angeht, ist Kartoffelsalat mit Würstchen klarer Spitzenreiter. In Thüringen und Sachsen-Anhalt ist er am beliebtesten: Dort essen Angaben des Online-Marktforschers Promio zufolge an Heiligabend fast drei Viertel der Feiernden Kartoffelsalat. Dagegen sind es im Saarland und Bremen nur rund ein Drittel. Interessant ist auch ein Blick auf die Google-Suchtrends: Diese lassen vermuten, dass der Kartoffelsalat regional unterschiedlich zubereitet wird. Im Norden Deutschlands wird er meist mit Mayonnaise garniert, im Süden gibt es eine leichtere Variante mit Brühe, Öl und Essig. Am ersten Weihnachtsfeiertag steht dann Braten auf dem Speiseplan. Aber auch bei der Wahl des Bratens gibt es natürlich Unterschiede: In Sachsen und Thüringen ist die klassische Gans die Nummer eins, während in Schleswig-Holstein die Ente am beliebtesten ist.

Christbaumloben

Vermutlich im Schwabenland entstanden und heute in Bayern und Baden-Württemberg verbreitet ist der Brauch des Christbaumlobens. Dabei ist der Name Programm: In der Gruppe zieht man von Haus zu Haus und lobt jeweils den Weihnachtsbaum im Wohnzimmer auf sehr übertriebene Weise. Egal ob die Form des Stamms, die Farbe der Nadeln oder die Dichte der Äste: Jeder Aspekt kann Ziel der Lobreden werden – ob der Baum tatsächlich schön ist, spielt dabei keine Rolle. Als Dankeschön für die Komplimente muss der Baumbesitzer den Lobenden eine Flasche Schnaps überlassen.

Strohhalmlegen

Vor allem im Rheinland bekannt ist das „Strohhalmlegen“ oder auch „Krippefüllen“ zur Adventszeit. Eine leere Krippe wird im Haus aufgestellt und Kinder bekommen für gute Taten wie etwa Hilfe im Haushalt oder gute Schulnoten jeweils einen Strohhalm. Den dürfen sie dann in die Krippe legen, damit der frisch geborene Jesus an Weihnachten nicht darin friert. 

Perchtenlaufen

Hauptsächlich in einigen Gegenden Oberbayerns geht es vor Weihnachten schaurig zu. Zur Wintersonnenwende sind die Nächte am längsten – nach altem Glauben dementsprechend die beste Jahreszeit für böse Geister. Um diese zu vertreiben, setzen die Perchten- oder auch Krampusläufer gruselige Masken auf und ziehen unter viel Lärm durch die Straßen.

Pfeffern

Zwischen den Jahren ist in einigen Regionen das „Pfeffern“ Tradition. Dabei geht es allerdings nicht ums Würzen der Überbleibsel vom Weihnachtsbraten. Stattdessen laufen Kinder mit Zweigen und Weidenruten durch die Straßen und schlagen den Mitmenschen spielerisch auf die Beine. Dafür bekommen sie Kekse und andere Süßigkeiten. In der langen Geschichte des Brauchs gab es unvermeidlich auch übermotivierte „Pfefferer“, sodass er zwischenzeitlich mal verboten war. Heutzutage breitet es sich vor allem im Frankenland wieder aus.

Bergparade 

Vom Bergbau ist in Deutschland nur noch wenig übrig, in Sachsen versucht man aber, zumindest die Erinnerung hochzuhalten. In den ehemaligen Bergbau-Hochburgen im Erzgebirge ziehen zur Weihnachtszeit „Bergmänner“ in traditioneller Kleidung durch die Straße. Früher wurde damit Landesherren und anderen besonderen Gästen eine Ehre erwiesen. Heute sind die Umzüge von der deutschen Unesco-Kommission als „Immaterielles Kulturerbe“ anerkannt und häufig ein Programmpunkt während Weihnachtsmärkten.

Herbergssuche

Dieser in der Oberpfalz und gelegentlich auch im Rheinland übliche Brauch (auch als „Wandermuttergottes“ oder „Frauentragen“ bekannt) orientiert sich direkt an der Weihnachtsgeschichte. In katholischen Gemeinden können die Bewohner in der Adventszeit ihr Haus der Jungfrau Maria öffnen. Ein Marienbildnis wird am ersten Advent gesegnet und nach dem Gottesdienst aus der Kirche getragen. Danach wird Maria Tag für Tag an eine Familie weitergegeben, die ihr Unterkunft für eine Nacht gewährt. An Heiligabend kehrt das Bildnis pünktlich zum Weihnachtsgottesdienst wieder in die Kirche zurück.

Die Weihnachtsgurke

Zwischen Kugeln und Sternen versteckt sich in manch einem Christbaum auch noch etwas höchst Unerwartetes: eine Gurke. Oder zumindest Baumschmuck in Gurkenform. Dieser wird versteckt aufgehängt und wer das festliche Gemüse zuerst entdeckt, darf als erster mit dem Geschenkeöffnen beginnen. Die Herkunft der „Weihnachtsgurke“ ist umstritten. Angeblich stammt sie aus Thüringen. In den USA, wo sie sich großer Beliebtheit erfreut, ist man davon zumindest überzeugt, denn dort soll ein entsprechendes Zertifikat mit einem Stempel aus dem thüringischen Lauscha existieren. Zwar ist sie in Thüringen im Vergleich zum restlichen Deutschland bekannter – im Weihnachts-Mainstream ist sie aber auch dort nicht wirklich angekommen.

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