Das Wichtigste auf in Kürze:
- Um stets lieferfähig zu bleiben, nehmen die Profis im Boehringer-Lieferkettenmanagement unter anderem Geopolitik, Transportwege und Cyber-Gefahren in den Blick.
- Boehringer Ingelheim verfügt über ein internationales Produktionsnetzwerk und Back-up-Konzepte. Zudem arbeitet das Unternehmen mit Partnern vor Ort zusammen.
- Die Entscheiderinnen und Entscheider des Unternehmens planen die Lieferketten so, dass Resilienz finanzierbar bleibt.
Das forschende Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim bedient über 130 Märkte. Trotz geopolitischer Unsicherheiten bleibt für Boehringer die Versorgung der Patientinnen und Patienten ein unverrückbares Ziel. Jesus Soto, Head of Supply Chain Management & Strategy (Leiter des Bereichs Lieferkettenmanagement & Strategie), erläutert die vielen Maßnahmen, mit denen Boehringer seine Lieferfähigkeit sicherstellt.
„Dass die Medikamente in die Hände der Patienten kommen, hat oberste Priorität. Dazu gibt es keine Alternative.“
Herr Soto, was tut Boehringer Ingelheim bei unerwarteten Events, damit die Lieferketten trotzdem funktionieren?
Was die Produktion betrifft, so haben wir unseren Kernfootprint in Europa. Das bedeutet, hier sind unsere Produktionsnetzwerke besonders stark. Darüber hinaus verfolgen wir eine regionale Strategie, um je nach Bedarf auch an anderen Standorten präsent zu sein. So verfügen wir beispielsweise in den Amerikas und Asien über eigene Produktionsstandorte und lokale Partner, etwa Lohnhersteller und Lieferanten. Mit diesen bilden wir ebenfalls entsprechende Produktionsnetzwerke gemäß unserer Netzwerkstrategie.
Was heißt das?
Das bedeutet, dass wir unsere Lieferketten strategisch planen: Was produzieren wir mit welchen Technologien mit welchen Partnern an welchen Standorten? Dabei beziehen wir zum Beispiel die Zulassungsregulatorien vor Ort ein. Ein Back-up-Standortkonzept bietet uns Flexibilität.
Welche weiteren Faktoren wirken auf Ihre Lieferketten ein?
In unser Risikomanagement beziehen wir unter anderem geopolitische Entwicklungen, Risiken entlang der Transportwege und Verfügbarkeit sowie Cybersicherheit ein. Wir prüfen regelmäßig, ob wir gemeinsam mit unseren Partnern und Lieferanten ausreichend resilient aufgestellt sind. Gerade in der Logistik verändern sich die Rahmenbedingungen häufig – auch das behalten wir kontinuierlich im Blick. Insgesamt ist dieser Prozess bei uns gut etabliert und funktioniert zuverlässig. Selbst während der Pandemie kam es bei uns zu keinerlei Einschränkungen der Lieferfähigkeit. 2025 hatten wir eine durchgehende Lieferfähigkeit von nahezu 100 Prozent.
Was bedeutet dies für die Kosten?
Der Kostencheck ist Teil unseres Planungszyklus. Patientinnen und Patienten müssen sich unsere Produkte ja weiterhin leisten können, und Regierungen setzen Preislimits. Wir überwachen ständig aktuelle Trends, bereiten uns proaktiv auf verschiedene Szenarien vor und definieren mögliche Maßnahmen, die wir umsetzen können, wenn die Fakten uns zeigen, dass es Zeit zum Handeln ist.
Sehen Sie Jobs in Deutschland in Gefahr?
Nicht bei uns. Unser Kernfokus ist Europa. Das bedeutet, dass wir hier investieren und neue Therapien entwickeln. Deutschland bildet dabei das Innovationszentrum, und daran gibt es keine Änderungen. Am Standort Ingelheim haben wir in den Bau von zwei neuen Fabriken investiert, von denen eine kürzlich den Betrieb aufgenommen hat. Derzeit launchen wir neue Produkte zur Krebsbehandlung und zur Therapie von Lungenfibrose. Dafür sind die USA ein wichtiger Markt. Dass die Medikamente in die Hände der Patientinnen und Patienten kommen, hat oberste Priorität. Dazu gibt es keine Alternative.