Arbeiten in der Chemie

Kurita: Mit Wasserbehandlung gegen Legionellen

· Lesezeit 2 Minuten.
Kurita: Mit Wasserbehandlung gegen Legionellen
Probennahme: Kühlwasserproben zeigen, wie sauber das Wasser aktuell ist. Foto: Marcel Hasübert

Wenn Alexander Kühn von seiner Arbeit erzählt, klingt das vertraut: Es geht um Aerosole, Tröpfchen, kilometerweite Übertragung und Atemwegserkrankungen – aber nicht Corona ist sein Thema, sondern Legionellen: Als Vertriebsingenieur im Außendienst bei Kurita Europe kümmert Kühn sich unter anderem darum, dass das Wasser in Kühlsystemen möglichst wenig mit Mikrobiologie belastet ist.

Der 41-Jährige erstellt beim Ludwigshafener Chemiespezialisten Konzepte für die chemische Behandlung von Kühlwasser zur Vermeidung von Korrosion, Kalkablagerungen und Sedimenten durch Trübstoffe in den Anlagenteilen sowie zur Bekämpfung mikrobiologischen Lebens. „Meine Hauptaufgabe ist das Akquirieren von Neukunden. Hier ist es wichtig, in kurzer Zeit die Situation vor Ort zu erfassen, die Systemdaten zu erfragen und Informationen über die Wasserqualität einzuholen. Dann erstelle ich, zusammen mit Kollegen der technischen Abteilung, ein Konzept. Sobald die Behandlung richtig läuft, übernehmen unsere Serviceingenieure.“ Nur manche Kunden betreut er selbst weiter.

Heute ist Kühn bei so einem Kunden. Neben laut ratternden Pumpen des Kühlsystems erzeugt eine Anlage von Kurita aus zwei Chemikalien das Biozid – ein chemisches Mittel zur Bekämpfung von Mikrobiologie. Um zu prüfen, wie gut die Behandlung wirkt, nimmt er regelmäßig Kühlwasserproben. „Hier geht es um die chemischen und physikalischen Parameter, also pH-Wert, Leitfähigkeit, Härte, Sulfat, Chlorid. Dazu kommt die mikrobiologische Probennahme.“ Dann stellt er die Anlage am Display ein: „Ich prüfe die Qualität des erzeugten Wirkstoffs, die Dosierung und Bestände der Ausgangsstoffe für unser Biozid Dilurit BC S-System“, sagt er und zeigt auf die blauen Rohre, die das Biozid ins Kühlwasser leiten.

Kühltürme können Bakterien ausstoßen

Meist kommen die Kunden, wenn sie in Not sind: „Wenn zum Beispiel jemand Probleme mit Korrosionen oder Kalkablagerungen im System hat, ruft er uns an.“ Das Legionellenthema kam erst dazu, als es in Ulm und Warstein zu Ausbrüchen mit Todesopfern kam. Als Ursache wurden industrielle Kühlanlagen ausgemacht. Das Problem: Mit den Aerosolen aus den Kühltürmen können Legionellen kilometerweit durch die Luft getragen werden. „Im ungünstigsten Fall liegt ein Pflegeheim in Windrichtung“, sagt Kühn. Dann könnten die Bakterien in den Lungen Gefährdeter eine schwere, manchmal lebensgefährliche Lungenentzündung auslösen.

Expertise und Gefühl: Um Kühlwasser bakterienfrei zu halten, braucht Alexander Kühn auch das richtige Bauchgefühl. Foto: Marcel Hasübert.
Expertise und Gefühl: Um Kühlwasser bakterienfrei zu halten, braucht Alexander Kühn auch das richtige Bauchgefühl. Foto: Marcel Hasübert.

Die Bundesregierung hat die Betreiber von Verdunstungskühlanlagen nach den Ausbrüchen gesetzlich verpflichtet, die Mikrobiologie in den Kühlsystemen regelmäßig prüfen zu lassen und die Einhaltung von Grenzwerten sicherzustellen. Eine Überschreitung des Wertes für Legionellen ist meldepflichtig. „Die Betreiber haben heute einen besseren Überblick über den mikrobiologischen Zustand ihrer Systeme und Anwohner mehr Sicherheit, da regelmäßige Untersuchungen akkreditierter, externer Labore verpflichtend sind.“

Legionellen: Eine von unzähligen Lebensformen

Eine gute Kühlwasserbehandlung folgt einem ganzheitlichen Konzept, so Kühn: „Die Verhinderung von Korrosion, Kalkablagerungen und auch die Dispergierung von Trübstoffen, die das Absetzen von Schlamm verhindert, sorgen nicht nur für einen effizienteren Betrieb der Anlagen, sondern unterstützen auch die Biozidbehandlung. Der Einsatz der Biozide kann so minimiert werden.“

Wenn Kühn von der „Mikrobiologie“ spricht, hat er unzählige verschiedene Kleinstlebewesen im Kopf. Wie diese mikroskopisch kleine Gesellschaft auf seine Konzepte reagiert, ist für den Vertriebsingenieur mit das Spannendste am Job: „Anders als bei chemischen Parametern kann man die Auswirkungen auf die Mikrobiologie schlecht vorherberechnen, denn da geht es um Leben.“ Wenn es dann mit einer Mischung aus Detailkenntnissen der Anlage, Erfahrung und ein bisschen Bauchgefühl auf Anhieb funktioniert, „ist das doch höchst befriedigend“.

Blick ins Innere: Regelmäßig kontrollieren Kühn und Gernot Immesberger die Anlage. Foto: Marcel Hasübert.
Blick ins Innere: Regelmäßig kontrollieren Kühn und Gernot Immesberger die Anlage. Foto: Marcel Hasübert.
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