Ausbildung in der Chemie

Karriere in MINT-Berufen? Na klar!

Starke Frauen entscheiden sich für Unternehmen der Chemie- und Pharmabranche.

von Sabine Latorre

· Lesezeit 7 Minuten.
Luisa Zeimentz bei Boehringer Ingelheim. Foto: Florian Lang.
Luisa Zeimentz bei Boehringer Ingelheim. Foto: Florian Lang.:Luisa Zeimentz arbeitet bei bei Boehringer Ingelheim. Foto: Florian Lang.

Wenn es um junge Frauen und Ausbildung geht, hat man schnell Friseurin, Zahnarzthelferin, Verkäuferin, Lehrerin – „typische Frauenberufe“ eben – im Kopf. Dabei gibt es so viel mehr Möglichkeiten für Frauen, Karriere zu machen – zum Beispiel in MINT-Berufen der chemischen und pharmazeutischen Industrie in Rheinland-Pfalz.

Wir haben uns bei den jungen Frauen in den Betrieben umgehört: Was gefällt ihnen am Ausbildungsberuf? Und über welche Alternativen haben sie nachgedacht?

Luisa Zeimentz (20), Boehringer Ingelheim

Auszubildende Luisa Zeimentz bei Boehringer Ingelheim.

Was machen Sie für eine Ausbildung?

Produktionstechnologin. Aber parallel studiere ich Wirtschaftsingenieurwesen und bin jetzt im zweiten Semester.

Warum machen Sie diese Ausbildung?

Ich habe ein großes Interesse an Technik und denke, dass es heutzutage wichtig ist, auch praktische Erfahrungen im Beruf zu sammeln.

Was gefällt Ihnen gut, was weniger?

Sehr gut finde ich, dass ich das Fernstudium nebenbei machen darf. Die Kombination von Theorie und Praxis bringt mich jeden Tag einen Schritt weiter. Das Tolle an der Ausbildung ist, dass ich sehr viele unterschiedliche Abteilungen und Menschen kennenlernen kann. Jeder Tag ist abwechslungsreich und spannend. Auch handwerkliche Erfahrungen wie Bohren, Fräsen und Drehen konnte ich schon sammeln. Im Grunde gefällt mir alles.

Was wäre Ihre Alternative gewesen?

Ein Vollzeitstudium Betriebswirtschaft in Köln. Das wäre aber im Vergleich zum jetzigen Stand sehr viel eintöniger gewesen.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Eine abwechslungsreiche Tätigkeit mit der Möglichkeit, etwas von der Welt zu sehen.

Olga Lehmann (37), Röhm in Worms

Produktionsfachkraft Olga Lehmann. Foto: privat

Was machen Sie für eine Ausbildung?

Produktionsfachkraft Chemie, ich bin jetzt im zweiten Lehrjahr.

Warum machen Sie diese Ausbildung?

Ich habe vorher als Zahnarzthelferin gearbeitet. Die Arbeit ließ sich aber nur schwer mit dem Familienleben – ich habe zwei Kinder – vereinbaren. Also habe ich mich nach Alternativen umgeschaut. Da ich gerne handwerklich arbeite, hat Produktionsfachkraft Chemie gut zu mir gepasst.

Was gefällt Ihnen gut, was weniger?

Die Ausbildung ist sehr umfassend, man kann in viele Bereiche reinschnuppern. Mir gefallen die flexiblen Arbeitszeiten, und es geht im Betrieb viel weniger stressig zu als in der Zahnarztpraxis. Außerdem habe ich viele Fortbildungsmöglichkeiten. Negative Erfahrungen habe ich bis jetzt noch nicht gemacht.

Was wäre Ihre Alternative gewesen?

Keine, ich habe nur eine Bewerbung geschrieben, und die hat geklappt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Ich hoffe, dass ich nach der Abschlussprüfung im Juni 2020 in ein unbefristetes Arbeitsverhältnis komme – und in einen Betrieb, in dem ein gutes Arbeitsklima herrscht und die Mitarbeiter sich untereinander gut verstehen.

Eva Sauer (27), LTS in Andernach

Auszubildende Eva Sauer bei LTS in Andernach.

Was machen Sie für eine Ausbildung?

Chemielaborantin im zweiten Lehrjahr.

Warum machen Sie diese Ausbildung?

Ich habe ein großes Interesse an Naturwissenschaften. Deshalb gehört die Laborantin zu der Auswahl an Berufen, die für mich nach dem Abitur infrage kamen.

Was gefällt Ihnen gut, was weniger?

Die Abwechslung zwischen praktischer Arbeit und Dokumentationen am Computer gefällt mir sehr. Ebenso, dass man im Team oder alleine für sich arbeiten kann. Als Chemielaborantin bin ich flexibel, sowohl bei der Arbeit als auch bei den Arbeitszeiten. Wir haben Gleitzeit und können innerhalb einer bestimmten Zeitspanne mit der Arbeit beginnen. Außerdem gefällt mir die Abwechslung – wir lernen aufgrund einer Kooperation mit dem Unternehmen Lohmann in Neuwied auch dort die Abläufe kennen. Somit bin ich nie länger als drei Monate in derselben Abteilung. Weniger gut gefällt mir die Arbeit am Computer, wenn er nicht so will wie ich …

Was wäre Ihre Alternative gewesen?

Ein Lehramtsstudium, das habe ich mit dem Bachelor abgeschlossen. Im Laufe des Studiums habe ich jedoch erkannt, dass mir die Arbeit im Labor besser gefällt als das Unterrichten in der Schule.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Eine gute Zusammenarbeit mit Kollegen und Freude bei der Arbeit.

Lena Kemper (20), Budenheim

Auszubildende Lena Kemper in Budenheim.

Was machen Sie für eine Ausbildung?

Chemielaborantin, ich bin im zweiten Lehrjahr.

Warum machen Sie diese Ausbildung?

Bio und Chemie sind meine Stärke. Bei „Jugend forscht“ sind meine Freundinnen und ich mit dem Projekt „Platinnanopartikel für saubere Luft“ Landessieger in Hessen geworden und haben den zweiten Platz im Uni-Wettbewerb belegt. Über das Projekt war ich auch Finalistin für den „Azubi Star“ 2019. Chemie spielt für die Zukunft der Industrie eine enorme Rolle.

Was gefällt Ihnen gut, was weniger?

Analytik, Forschung und Entwicklung, Anwendungstechnik, das ist vielseitig. Bei Budenheim geht es um Chemiespezialitäten für Ernährung, Gesundheit, Sicherheit und Ressourcenschonung. Die lassen Pizzateig aufgehen oder stecken in flammgeschützten Kunststoffen. Nur ist die Ausbildungszeit sehr straff organisiert, in manchen Bereichen wäre ich gern länger.

Was wäre Ihre Alternative gewesen?

Ich hätte direkt studieren können. Seit dem „Jugend forscht“-Projekt war aber für mich klar, dass erst die Praxis kommt.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Einen Beruf mit Verantwortung und der Möglichkeit zur Weiterbildung und Weiterentwicklung.

Carina Pede (23), BASF in Ludwigshafen

Auszubildende Carina Pede bei BASF in Ludwigshafen.

Was für eine Ausbildung haben Sie?

Ich bin Elektronikerin für Automatisierungstechnik.

Warum haben Sie diese Ausbildung gemacht?

Für mein technisches Fachabitur war ein einjähriges Praktikum erforderlich. Das habe ich bei der BASF in Ludwigshafen absolviert. In dem einen Jahr habe ich im Unternehmen viele Bereiche der Technik kennengelernt. Am meisten hat mir die Automatisierung gefallen, deshalb habe ich mich nach dem Fachabitur auch für die Ausbildung zur Elektronikerin für Automatisierungstechnik entschieden.

Was gefällt Ihnen gut, was weniger?

Während der Ausbildung haben mir die abwechslungsreichen Aufgaben und die Zusammenarbeit im Team sehr gefallen. Weniger gut fand ich die Berufsschule. Aber das gehört dazu, da muss jeder durch.

Was wären Ihre Alternativen gewesen?

Ein Studium, eine Ausbildung zur Elektronikerin für Geräte und Systeme oder eine Ausbildung in der IT-Branche.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Dass es weiterhin abwechslungsreich und spannend bleibt!

Nadine Walter (21), Grace in Worms

Nadine Walter bei Grace. Foto: Privat

Was machen Sie für eine Ausbildung?

Ich lerne Chemielaborantin und bin im zweiten Lehrjahr.

Warum machen Sie diese Ausbildung?

In der Schule hat mich das Interesse an Chemie gepackt, das hat sich im Praktikum verstärkt. Die Ausbildung ist aufgrund der wissenschaftlichen Hintergründe sehr spannend.

Was gefällt Ihnen gut, was weniger?

Ich mag die abwechslungsreiche Arbeit zwischen Analysen und Präparaten im Ausbildungslabor, das eigenständige Arbeiten und die Zusammenarbeit mit den Kollegen. Wir haben ein tolles Arbeitsklima. Unser Ausbilder nimmt sich viel Zeit, um uns neue Dinge beizubringen. Schade ist nur, dass in der Berufsschule so häufig Stunden ausfallen.

Was wären Ihre Alternativen gewesen?

Auf jeden Fall ein wissenschaftlicher Beruf.

Was wünschen Sie sich für die Zukunft?

Eine sehr gute Abschlussprüfung und anschließend die Übernahme in meinen Betrieb.

 

Besucher bei der Arbeit auf dem Girls' Day.

Girls’ Day am 26. März – ein Tag der MINT-Berufe zum Mitmachen

Welcher Beruf passt zu mir - und wäre ein MINT-Beruf etwas für mich? Das können Schülerinnen ab der fünften Klasse beim Girls’ Day am 26. März ausprobieren: Sie erobern die Labore und Werkstätten heimischer Unternehmen. Den bundesweiten Girls’ Day gibt es seit 2001, zwei Millionen Mädchen haben schon teilgenommen. Dieses Jahr locken in Rheinland-Pfalz über 350 Angebote mit mehr als 3.500 Plätzen. Eine Übersicht gibt es unter girls-day.de

Einen Tag lang ins Berufleben eintauchen

50 Plätze bietet etwa der Chemiekonzern BASF in Ludwigshafen an. Hier kann man erfahren, wie Chemikanten oder Elektroniker arbeiten. Beim Reifenhersteller Michelin in Bad Kreuznach dürfen Mädchen unter fachlicher Anleitung zu Feilen, Bohrern und Lötkolben greifen, bevor es zum Werkrundgang geht. Bei den Meffert Farbwerken in derselben Stadt kann man Dispersionsfarbe erstellen, Farbe tönen und malen. Hier stehen Berufe wie Lacklaborant, Fachkraft für Lagerlogistik sowie Maschinen- und Anlagenführer im Mittelpunkt. Beim Kunststofffolienspezialisten Renolit in Worms dreht sich alles um Metall, Kunststoff und Elektro. Boehringer Ingelheim bietet Einblicke in technische Berufe sowie die Herstellung von Medikamenten.

Übrigens: Laut Statistik finden 96 Prozent der Teilnehmerinnen den Girls’ Day „gut“ oder „sehr gut“, 70 Prozent lernen einen für sie interessanten Beruf kennen. Und 38 Prozent der Unternehmen erhalten Bewerbungen ehemaliger Teilnehmerinnen.

So wirbt Boehringer Ingelheim für weibliche Auszubildende in MINT-Berufen.

Außerdem: Zahlen und Fakten zur Ausbildung von Frauen in naturwissenschaftlich-technischen Berufen.

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