Das Wichtigste auf einen Blick:
- Cyberangriffe nehmen zu: Das liegt unter anderem an geopolitischen Konflikten. Unternehmen sehen Cyberrisiken inzwischen als existenzbedrohend.
- Die Nachfrage nach Cybersecurity Fachkräften steigt: Neben klassischen Security Managern entstehen neue Rollen wie Cloud Security Engineers, AI Security Experts oder Incident Responder.
- Der Einstieg ist vielfältig möglich: Quereinstiege und Weiterbildungen gewinnen an Bedeutung. Die Beschäftigungschancen bleiben sehr gut.
Nicht erst der neue Nahostkrieg zeigt: Die IT-Sicherheitslage ist angespannt. So zielen aktuell nach Informationen des rheinland-pfälzischen Verfassungsschutzes Hacker der proiranischen Gruppierung Handala darauf ab, deutsche SCADA-Systeme zu infiltrieren. Mit SCADA (Supervisory Control and Data Acquisition) sind Lösungen gemeint, die technische Prozesse steuern und überwachen – auch in der Chemieindustrie.
Im Bereich Cyber Security gibt es großen Handlungsbedarf
Geopolitische Konflikte führen zu mehr APT-Aktivitäten. Mit diesen Advanced Persistent Threats (APT) sind gut ausgebildete, typischerweise staatlich gesteuerte Angreifer gemeint. Sie dringen über einen längeren Zeitraum in Netze ein, um zu spionieren, manipulieren oder sabotieren. Hinzu kommen Cyberkriminelle, die beispielsweise Lösegelder erpressen. Sie richten großen Schaden an.
Daher investieren Unternehmen dem Branchenverband Bitkom zufolge verstärkt in IT-Sicherheit. Entsprechend hoch ist die Nachfrage nach Kompetenzen im Bereich Cybersecurity. Wir sprachen mit dem Bitkom-Experten Felix Kuhlenkamp über Einstiege und Weiterbildungen.
Herr Kuhlenkamp, welche Berufe entstehen, damit Unternehmen den steigenden Cyberrisiken qualifiziert begegnen können?
Die Berufsbezeichnungen lassen sich kaum vereinheitlichen. Die klassischen Security Manager gewinnen weiter an Bedeutung, gleichzeitig werden neue Rollen immer gefragter: AI Security Experts, Cloud Security Engineers, Cyber Risk Manager und Zero Trust Architects. Für den Ernstfall braucht es außerdem Incident Responder.
Wie ist der Weg in diese Berufe?
Generell ist der Quereinstieg bei IT-Jobs mittlerweile fast genauso verbreitet wie ein Studium: Nur etwas mehr als ein Viertel (27 Prozent) derjenigen, die in den vergangenen zwölf Monaten in einem IT-Beruf eingestellt wurden, hat einen einschlägigen Hochschulabschluss. Weitere 37 Prozent haben eine duale IT-Berufsausbildung abgeschlossen – etwa in der Fachinformatik. Es gibt aktuell Anstrengungen, einen eigenen Ausbildungsberuf für IT-Sicherheit zu etablieren. Rund 10 Prozent haben den Berufseinstieg nach einem abgebrochenen IT- oder IT-nahen Studium geschafft. Den größten Umweg nehmen die Quereinsteigerinnen und Quereinsteiger, auf die 27 Prozent der IT-Jobs entfallen. Ihre Qualifikation stützt sich auf berufspraktische IT-Erfahrung, Weiterbildungen wie Bootcamps oder autodidaktisch erworbenes Know-how.
„Generell ist der Quereinstieg bei IT-Jobs mittlerweile fast genauso wichtig wie ein Studium.“
Inwiefern ist Weiterbildung eine Option?
Um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken, setzt aktuell jedes dritte Unternehmen (31 Prozent) auf Weiterbildungsprogramme, mit denen eigene Beschäftigte aus anderen Bereichen qualifiziert werden. 22 Prozent haben spezielle Programme für den Quereinstieg für Externe, um diese für das Unternehmen zu gewinnen.
Mit welchen Kosten sind diese Weiterbildungen verbunden?
Das hängt stark vom Anbieter und der angestrebten Qualifikation ab und lässt sich pauschal kaum beziffern.
Welche Voraussetzungen sollten Interessierte mitbringen?
Eine solide technische Grundlage und eine hohe Lernbereitschaft – denn nur wer kontinuierlich dazulernt, bleibt bei Bedrohungslagen und technischen Lösungen auf dem aktuellen Stand.
Wie sind die Beschäftigungschancen?
Trotz KI und Automatisierung weiterhin sehr gut – Sicherheit hat Konjunktur. Unsere jährliche Wirtschaftsschutz-Studie hat zuletzt gezeigt, dass 9 von 10 Unternehmen in Deutschland innerhalb eines Jahres von Cyberangriffen betroffen waren oder dies zumindest vermuten. Gleichzeitig betrachten 59 Prozent der Unternehmen Cyberangriffe als existenzbedrohend für ihr Geschäft.
Was bietet der Arbeitsmarkt im Bereich Cybersecurity?
Ein Blick in die Bitkom-Fachkräftestudie unterstreicht: Angesichts der anhaltenden digitalen Transformation von Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft und des strukturellen Mangels an IT-Fachkräften bleibt die Digitalbranche ein attraktiver Arbeitsmarkt, in dem Jahr für Jahr Tausende Arbeitsplätze entstehen und inzwischen rund 1,36 Millionen Menschen beschäftigt sind. Aktuell fehlen in der deutschen Wirtschaft rund 109.000 IT-Fachkräfte.