Der Michelin-Mitarbeiter Harald Wasem

Zahlen & Fakten

Ältere Mitarbeiter in der Chemieindustrie

Zahlen und Fakten zur Demografie und Angeboten der Unternehmen für Ältere.

von Robyn Schmidt

· Lesezeit 3 Minuten.

Altersverteilung

Nach Zählung der Bundesagentur für Arbeit gab es Ende März 2019 (aktuellste Zahlen) 82.000 sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in der rheinland-pfälzischen Chemiebranche. Rund 8,5 Prozent sind jünger als 25. Die breiteste Altersgruppe der 25- bis 54-Jährigen macht den Hauptanteil der Beschäftigten aus – mehr als 68,5 Prozent. Älter als 54 sind bei Chemie, Pharma sowie Kautschuk- und Kunststoffindustrie knapp 23 Prozent. Damit ist die rheinland-pfälzische Chemie etwas älter als der Schnitt aller Branchen in unserem Bundesland (11 Prozent unter 25 Jahre, 21,8 Prozent über 54 Jahre).

Die jüngste Entwicklung in der Chemie zeigt, wie wichtig es ist, Ältere in Unternehmen gut einzubinden: Der Anteil der über 54-Jährigen ist seit 2014 drastisch gestiegen – von gut 18 auf knapp 23 Prozent. Der Anteil der Mitarbeiter unter 25 Jahren ist dagegen recht konstant zwischen 8 und 10 Prozent geblieben, es scheint also zu haken beim Nachwuchs.

Ältere Arbeitnehmer in der Chemie

Gut für die Produktivität

Intuitiv könnte man denken, dass Mitarbeiter ab einem bestimmten Alter immer unproduktiver werden, schließlich sinken tendenziell die körperliche und die geistige Leistungsfähigkeit.

Doch wie Forscher des „Munich Center for the Economics of Aging“ gezeigt haben, bleiben Mitarbeiter in der Industrie nicht nur produktiv – ihre durchschnittliche Produktivität steigt bis zum Renteneintrittsalter sogar immer weiter: Ältere machen weniger schwerwiegende Fehler als ihre jüngeren Kollegen und steigern mit ihrer Erfahrung und Routine bei Konflikten die Produktivität des gesamten Teams. Auch das Leibniz-Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung kommt in Untersuchungen zu dem Schluss, dass altersgemischte Teams die Produktivität aller Mitarbeiter deutlich erhöhen.

 

Tarifliche Angebote für Ältere

Die Chemie-Sozialpartner gehen die Herausforderungen des demografischen Wandels an und sind damit Vorreiter in der deutschen Industrie. Bereits im Tarifvertrag „Lebensarbeitszeit und Demografie“ von 2008 haben Arbeitgeber und Gewerkschaft den Fokus auf das gesamte Arbeitsleben von der Ausbildung bis ins Alter gelegt. Sein zentrales Element ist der Demografiefonds. Unternehmen zahlen in diesen Geldtopf jedes Jahr einen Demografiebeitrag von 750 Euro pro Tarifarbeitnehmer ein. Wie das gesammelte Geld verwendet wird, regelt jedes Unternehmen individuell. Es kann etwa in Langzeitkonten oder die Gesundheitsvorsorge fließen. Seit es den Demografiefonds gibt, haben Unternehmen mehr als 1 Milliarde Euro eingezahlt.

Ebenfalls bewährt hat sich die betriebliche Altersvorsorge in der Chemie. Dabei wird ein Teil des Bruttogehalts vom Arbeitgeber für die Vorsorge angelegt. Die Unternehmen fördern dies mit mehr als 600 Euro pro Jahr, die jeder Tarifbeschäftigte abrufen kann, ohne eigenes Geld einzusetzen. Stockt ein Mitarbeiter aus eigenem Geld auf, gibt es Zuschüsse vom Arbeitgeber.

Angebote von Firmen für Ältere

Auch unabhängig von Tarifregelungen schaffen die Chemieunternehmen in Rheinland-Pfalz gute Bedingungen für Ältere. Bei der Pronova BKK etwa können Mitarbeiter ab 57,5 Jahren unter anderem Altersfreizeitmodelle nutzen. Die gibt es auch bei der BASF und Renolit, zusätzlich zu Teilzeitmodellen. Jansen Lacke bietet neben Gesundheitstagen jährliche Ultraschalluntersuchungen der Gefäße zur Früherkennung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die BASF Darmkrebsfrüherkennung für Mitarbeiter ab 46 Jahren sowie viele Gesundheits- und Fitnessprogramme „50+“.

Auch die Anpassung des Arbeitsplatzes ist wichtig. Unternehmen wie Renolit schaffen – nicht nur für Ältere – ergonomischere Arbeitsbedingungen etwa durch rückenschonende Stühle und höhenverstellbare Schreibtische. Und damit die Erfahrung der Älteren im Unternehmen bleibt und auch dem Nachwuchs zugutekommt, hat etwa die BASF es sich „zur Aufgabe gemacht, systematisches Wissensmanagement kontinuierlich auszubauen“.

Interview mit einem Betroffenen: Hier erzählt Adolf Ballreich von seinen Erfahrungen als 64-jähriger Anlagenfahrer bei BASF.

Wie der Reifenhersteller Michelin die älteren Mitarbeiter motiviert und fit hält, gibt's hier zu lesen.

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