Mittagspause

Alternativen zur Plastiktüte

So lassen sich Einkäufe und Essen nachhaltig transportieren.

von Robyn Schmidt

· Lesezeit 4 Minuten.

Wissenschaftler aus den USA erwarten, dass sich bis 2050 rund zwölf Milliarden Tonnen Plastikmüll in der Umwelt befinden, wenn wir nicht nachhaltiger werden. Höchste Zeit, etwas zu unternehmen. Mit diesem Gedanken haben viele Geschäfte und Supermärkte im Jahr 2016 eine Gebühr auf Plastiktüten eingeführt. Hier sind einige Tipps, wie Sie Einkauf und Mittagessen nachhaltiger transportieren. Und was die chemische Industrie tut, um die Plastikflut einzudämmen, lesen Sie hier.

Welche Kriterien machen eine Tasche nachhaltig?

Drei Hauptaspekte beeinflussen die Nachhaltigkeit einer Tragetasche oder Tüte. Zunächst die Produktion: Wie energie- und ressourcenaufwändig ist die Herstellung? Können recycelte Stoffe genutzt werden? Dann geht es um die tatsächliche Nutzung: Kann man die Tasche oder Tüte immer wieder verwenden oder geht sie nach wenigen oder gar nur einem Einsatz kaputt und landet im Müll? Schließlich ist die Frage, was nach der Nutzung geschieht: Ist die Tasche biologisch abbaubar oder kompostierbar? Kann man sie recyceln? Oder muss sie auf der Mülldeponie verbrannt werden?

Was ist das Problem mit Plastiktüten?

Plastiktüten vereinen einige schädliche Eigenschaften. Sie werden aus fossilen Rohstoffen hergestellt. Meistens landen sie nach einer Nutzung im Müll – vor allem die dünnen Plastiktüten. Und Schätzungen zufolge werden nur rund sieben Prozent aller Plastiktüten recycelt. Der Rest landet im besten Fall auf der Deponie und wird verbrannt. Ein Großteil endet aber in der Umwelt – vor allem in den Meeren –, wo er den Ökosystemen erheblichen Schaden zufügt.

Rucksäcke sind die beste Lösung

Die vermutlich beste Lösung: Nehmen Sie einen Rucksack zum Einkauf mit. Denn eines der wichtigsten Kriterien bei der Umweltbilanz von Tragetaschen ist neben der Herstellung auch, wie oft sie wiederverwendet werden. Ein stabiler Rucksack kann jahrelang gute Dienste leisten und macht damit Einwegalternativen überflüssig. Falls die Schultern vom Tragen des Großeinkaufs schnell schmerzen, geht natürlich auch eine Tasche, die man auf Rollen hinter sich her zieht.

Mehrwegbeutel so oft wie möglich benutzen

Ähnlich wie der Rucksack ist der Vorteil der Baumwoll- und Jutebeutel, dass sie mehrfach genutzt werden können. Laut Deutscher Umwelthilfe ist ein Baumwollbeutel allerdings erst nach 25 bis 32 Nutzungen umweltfreundlicher als eine Plastiktüte, da der Anbau der benötigten Rohstoffe wie etwa Baumwolle oder Jute sehr energie- und wasseraufwändig ist. Also nutzen Sie ihn so oft wie möglich.

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Vorsicht bei Papiertüten

Viele Supermärkte bieten statt Plastik- mittlerweile Papiertüten an. Das klingt zunächst vernünftig, schließlich ist Papier biologisch abbaubar und verwittert relativ schnell – ein großer Vorteil, wenn es nach der Nutzung in der Natur landet. Allerdings braucht die Papiertüte in der Herstellung doppelt so viel Energie wie eine Plastiktüte. Dazu kommen noch umweltschädliche Chemikalien. Und das Hauptproblem: Selbst die stabilste Papiertüte geht vergleichsweise schnell kaputt. Die meisten kommen ohnehin nur einmal zum Einsatz, sodass sie den höheren Produktionsaufwand nicht wettmachen können.

Bioplastik hält selten, was es verspricht

Zu gut, um wahr zu sein? Plastiktüten aus sogenanntem Biokunststoff versprechen den Komfort von Plastiktüten ohne die negativen Umwelteffekte. Doch es ist deutlich komplizierter, denn schon die Definition von Biokunststoff ist nicht eindeutig: Es kann um die Produktion aus natürlichen Rohstoffen gehen. Oder aber um biologische Abbaubarkeit – was wiederum etwas anderes bedeutet als „kompostierbar“. Kompostbetriebe und Umweltorganisationen sind sich weitgehend einig, dass Biotüten meist wenig mehr als Greenwashing sind, da sie für den Kompost nur in seltensten Fällen geeignet sind. In der Regel werden sie aus dem Bioabfall aussortiert und wie normale Plastiktüten verbrannt.

Brotbox statt Brottüte

Wer sich für die Mittagspause bei der Arbeit das Essen von zu Hause mitbringt, hat keine gute Ausrede, es in einer Plastiktüte mit herumzutragen. Obst kann man lose in Rucksack oder Aktentasche packen. Und für alles andere kann die gute alte Tupperdose herhalten. Wer es noch weitertreiben will, setzt statt auf die Kunststoffbox auf eine Dose aus Edelstahl, Holz oder Glas.

Netze für Obst und Gemüse

Ein Ort, an dem sich vor allem die dünnen Plastiktüten hartnäckig halten, ist an der Obst- und Gemüsetheke im Supermarkt. Das ist doppelt unnötig – schließlich haben Banane und Co. mit ihrer Schale eine natürliche Verpackung. Außerdem bieten einige Supermärkte zusätzlich Alternativen an. Bei Rewe beispielsweise gibt es die Möglichkeit, statt zur Plastiktüte zum wiederverwendbaren Obstnetz zu greifen.

Ganz ohne Tasche

Okay, wir waren nicht ganz ehrlich mit unserer Behauptung, Rucksäcke seien die beste Lösung. Sie sind es zwar, wenn man größere Einkäufe tätigt. Wenn man allerdings immer nur für eine Tüte Milch und eine Packung Butter zum Markt geht oder sich einen Mittagssnack holt, sind die ältesten Tragewerkzeuge der Welt immer noch die umweltfreundlichsten: die Hände.

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