Aktueller Stand des EU-Mercosur-Abkommens: Der Weg ist frei
Am heutigen Freitag billigten die EU-Vertreter mit der nötigen Mehrheit das Freihandelsabkommen mit den vier Mercosur-Staaten. Dieses Abkommen ermöglicht eine der größten Freihandelszonen der Welt – nach 25 Jahren schwieriger Verhandlungen. Die nächsten Schritte sind nun:
- Die Unterzeichnung der Verträge mit den lateinamerikanischen Partnerländern. Dafür reist EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen in Kürze nach Paraguay.
- Die Bestätigung des Abkommens durch das Europäische Parlament.
Wolfgang Große Entrup, Hauptgeschäftsführer des Verbandes der Chemischen Industrie (VCI), freut sich über die Zustimmung des Europäischen Rats zum Mercosur-Abkommen: „Das ist ein guter Tag für Europa. Der Europäische Rat macht den Weg frei und weckt neue Hoffnung für die europäische Industrie.“
Was ist der Mercosur?
Mercosur steht für Mercado Común del Cono Sur. Es handelt sich um eine regionale Wirtschaftsgemeinschaft im Süden Lateinamerikas. Die Gründungsmitglieder sind Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay. Bolivien wurde 2024 Vollmitglied. An dem Mercosur-Abkommen ist Bolivien jedoch nicht beteiligt. Venezuela trat dem Mercosur zwar 2012 bei. Die Mitgliedschaft endete allerdings 2017.
Der Mercosur hat gemeinsame Außenzölle. Etliche davon sind sehr hoch. Der Außenwirtschaftsorganisation Germany Trade and Invest zufolge sind etwa 85 Prozent der EU-Exporte in den Mercosur mit Zöllen belastet. Dies soll sich durch das Freihandelsabkommen verbessern.
In den Mercosur-Kernländern leben rund 270 Millionen Menschen. Die wirtschaftlichen Aussichten für Lateinamerika sind stabil.
Was beinhaltet das Mercosur-Abkommen?
Das Abkommen umfasst eine Vielzahl von Bereichen. Dazu zählen Rohstoffe, Agrarprodukte, Klimapolitik und Freihandel. Die künftigen Handelserleichterungen sind für die deutsche Industrie besonders wichtig. Sie betreffen:
- geringere Zölle, darunter Zollsenkungen und -streichungen für Chemie- und Pharmaprodukte,
- den Abbau technischer Handelshürden sowie
- Marktöffnungen, zum Beispiel bei der Beschaffung und bei Ausschreibungen.
Warum ist das Abkommen für die Chemieindustrie wichtig?
Chemie- und Pharmaprodukte sind ein Schwergewicht im Warenaustausch der EU mit dem Mercosur. 2024 machten die Exporte in die lateinamerikanische Region EU-Angaben zufolge 25 Prozent der EU-Gesamtausfuhren dorthin aus.
Laut VCI exportierte die deutsche chemisch-pharmazeutische Industrie 2024 Waren im Wert von 4,3 Milliarden Euro in den Mercosur. Dabei entfielen auf die Chemie 2,5 Milliarden und auf Pharma 1,8 Milliarden Euro. Aus dem Mercosur wiederum führte Deutschland 2024 chemisch-pharmazeutische Waren im Wert von 837 Millionen Euro ein (Chemie: 659 Millionen, Pharma 178 Millionen Euro).
Der VCI sieht hier noch Wachstumschancen für die deutsche Chemie- und Pharmaindustrie. Ein paar Beispiele:
- Lateinamerika bietet sehr gute Voraussetzungen, um erneuerbare Energien zu erzeugen. An der Produktion von Biokraftstoffen und Katalysatoren können auch Chemieunternehmen aus Deutschland und Europa mitwirken.
- Sinken die Zölle deutlich oder entfallen wie geplant, werden die Lieferketten der Chemie- und Pharmabranche kosteneffizienter. Darüber hinaus sind deutsche Anbieter auf dem Mercosur dann wettbewerbsfähiger gegenüber US‑ und chinesischen Akteuren.
- Bereits jetzt ist Deutschland nach den USA für den Mercosur das zweitwichtigste Lieferland von Arzneimitteln. Durch das Abkommen ist eine weitere Expansion möglich. Zudem kann die Kooperation mit dem Mercosur dazu beitragen, die Abhängigkeit Europas von China und Indien zu verringern und Versorgungsengpässe bei Arzneimitteln zu vermeiden.
- Außerdem mindert das Abkommen Bürokratie, zum Beispiel durch klarere, einfachere Nachweispflichten und bessere Planbarkeit. Mit Ad-hoc Zöllen ist dem Abkommen zufolge dann Schluss.
- Es wird attraktiver, in der Mercosur-Region zu investieren.
Neue Job-Chance durch mehr Freihandel
Der Außenwirtschaftschef der Deutschen Industrie- und Handelskammer Volker Treier betont, deutsche Unternehmen warteten seit Langem auf den Durchbruch, der nun gelungen sei. Er ergänzte: „Laut Angaben der EU-Kommission können durch das Abkommen die jährlichen EU-Exporte in den Mercosur um bis zu 39 Prozent steigen. Dadurch können 440.000 Jobs in der EU entstehen. Insgesamt exportieren 12.500 deutsche Unternehmen in die Region.“