Politik & Wirtschaft

Chemie-Tarifpolitik

Zwei Chemie-Fachkräfte beim Kontrollgang über die Anlage. Foto: sutthichai - stock.adobe.com
Perpektiven schaffen: Die Chemie-Tarifpartner behalten die konjunkturellen Rahmenbedingungen im Blick und
sorgen gemeinsam für ausbalancierte Tarifverträge. Foto: sutthichai - stock.adobe.com

Chemie-Tarif: So funktioniert er 

In der deutschen Chemieindustrie sind 78 Prozent der Beschäftigten tarifvertraglich abgesichert. Dies ist spitze im Vergleich zu anderen Branchen. Der aktuelle Tarifabschluss gilt für 585.000 Beschäftigte. Es ist typisch für die Chemie-Tarifpartner, dass sie ihre Konflikte pragmatisch, sachlich und vertrauensvoll lösen. Damit setzen sie Maßstäbe in der Tarifpolitik. 

Je nach Ausbildung, Berufserfahrung und Art der Tätigkeit kann man in unterschiedliche Entgeltgruppen einsteigen und dann aufsteigen. Die Tarif-Entgelte unterscheiden sich außerdem nach den Tarifgebieten. Es gibt 13 Entgeltgruppen. Vier Beispiele für Chemie-Tarifgehälter:

  1. Ein Azubi in Rheinland-Pfalz erhält je nach Ausbildungsjahr zwischen 1.147 und 1.486 Euro im Monat (Stand: April 2025).
  2. Wer statt mit einer Ausbildung seinen Job nur nach einer kurzen Einweisung (Entgeltgruppe 1) ausübt, kommt in Rheinland-Pfalz auf 3.130 Euro im Monat.
  3. Wer nach der Chemikantenausbildung ins Berufsleben startet (Entgeltgruppe 6), erzielt in in Rheinland-Pfalz 3.574 Euro im Monat.
  4. Die höchste Entgeltgruppe 13 bedeutet in Rheinland-Pfalz: 7.378 Euro im Monat. Dafür muss man zum Beispiel über Spezialwissen und eine verantwortungsvolle Position verfügen.

Diese Angaben enthalten keine Schicht- oder sonstige Zulagen, Einmalzahlungen oder andere Extras. Das Monatseinkommen liegt somit in der Praxis höher.

Nicht nur das Entgelt ist per Tarifvertrag geregelt 

Tarifvertraglich geregelt sind auch neben dem Entgelt auch zahlreiche weitere Aspekte des Arbeitslebens. Dazu zählen:

  • Arbeitszeit, Zuschläge, Urlaub und Kündigungsfristen,
  • Extras wie Jahresleistungs- und Urlaubsgeld,
  • Altersvorsorge,
  • Teilzeit und Altersteilzeit sowie
  • Maßnahmen zur Fachkräftesicherung

Tarifverhandlungen: Worum es jetzt geht

Mitte Januar starten in den Regionen die nächsten Tarifverhandlungen. Die Gewerkschaft IGBCE fordert eine Erhöhung der Einkommen, die die Kaufkraft weiter stärkt, sowie tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung. 

Der Bundesarbeitgeberverband Chemie (BAVC) betont, dass die Unternehmen eine tarifpolitische Atempause brauchen. BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk: „In unserer Branche bleibt derzeit kein Stein auf dem anderen. Einschnitte, Anlagenschließungen, Stellenabbau – die Chemie verliert an Substanz.“ Gemeinsames Ziel der Sozialpartner müsse sein, Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen. 

Chemie: Tarifverhandlungen vertagt

Die Tarifrunde für die Chemie- und Pharma-Industrie ist nach zweitägigen Verhandlungen vertagt worden. Die Verhandlungen für 1.700 Betriebe mit 585.000 Beschäftigten werden am 23. und 24. Februar in Wiesbaden fortgesetzt. Strittig ist vor allem, wie die Lasten durch den andauernden Wohlstandsverlust fair verteilt werden.

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