Das Wichtigste auf einen Blick:
- Renolit investiert 130 Millionen Euro am Standort Worms und bündelt die Werke Worms und Frankenthal zu einer hocheffizienten, zukunftsfähigen Kunststoffproduktion.
- KI, digitale Zwillinge und erneuerbare Energien steigern Produktivität und senken Kosten – trotz hoher Energiepreise und Bürokratie in Deutschland.
- Standortsicherung durch Zusammenhalt: Alle Mitarbeitenden erhalten Perspektiven für die Zukunft.
Hier werden Kunststoff-Folien produziert
In dieser Halle rauschen riesige Anlagen vor sich hin und produzieren unermüdlich Kunststoff-Folien. Zufrieden läuft Werkleiter Dr. Michael Bätz durch die Flure. In seinem Kopf hat er schon Bilder der Zukunft: In ein paar Jahren simulieren die Kolleginnen und Kollegen hier Produktionsprozesse mit digitalen Zwillingen, während draußen, in einigen Kilometern Entfernung, firmeneigene Windräder Strom für die elektrifizierte Produktion liefern. Bätz erklärt: „Wir legen hier die Standorte Frankenthal und Worms zu einer hochmodernen Produktion zusammen.“
130 Millionen Euro lässt Renolit sich das Ganze kosten. Der Standort Deutschland ist teuer und geprägt von überbordender Bürokratie – und doch plant Renolit hier die größte Einzelinvestition seiner Geschichte. Warum?
KI erhöht die Effizienz
Für CEO Karsten Jänicke ist das Mammut-Projekt „ein klares Bekenntnis zu unseren Wurzeln und zur Region“. Der Hauptsitz sei Identitätskern des Unternehmens. Und der Standort Deutschland im Allgemeinen verfüge über hochqualifizierte Fachkräfte.
Deshalb wolle man hier langfristige Perspektiven schaffen. Das gelingt aber nur, weil Renolit besondere Maßnahmen für Kosten- und Energieeffizienz trifft. „Wir investieren in die modernsten Technologien, die es gibt“, sagt Werkleiter Bätz. Beispiel: „Künftig arbeiten wir noch viel mehr mit KI. Nicht nur in der Produktion, sondern auch in den Geschäftsprozessen.“
Windkraft senkt die Kosten
Und: Ein firmeneigener Windpark wird einen wesentlichen Anteil des zukünftigen Strombedarfs des Werks in Worms decken. „Die Energiekosten sind im internationalen Vergleich besonders hoch“, sagt Bätz. „So können wir sie senken und gleichzeitig unsere Versorgungssicherheit verbessern.“ Zusammen mit weiteren Investitionen in Photovoltaikflächen und andere nachhaltige Energiequellen soll der Standort bis 2045 CO₂-neutral werden. Windkraft ist für Renolit also schlicht notwendig, um am Standort rentabel produzieren zu können.
Bürokratie erschwert die Planung
Allerdings: Der Weg zur eigenen Windkraftanlage ist lang. „Der administrative Aufwand ist riesig“, sagt Werkleiter Bätz. „Wir müssen unzählige politische Anforderungen und behördliche Auflagen erfüllen.“ Immerhin: Der Windpark ist inzwischen genehmigt, wenn auch deutlich kleiner als ursprünglich geplant. Indes laufen die Planungen für die Standortzusammenlegung auf Hochtouren.
Bei dem Projekt geht es um weit mehr als Modernisierung – es soll auch das Wir-Gefühl auf ein neues Niveau heben. Im 12 Kilometer entfernten Frankenthal hätte Renolit einen sehr hohen zweistelligen Millionenbetrag in die Modernisierung stecken müssen – ebenso wie in Worms, bei gleicher Produktionstechnologie und sehr ähnlichem Produktportfolio. Da es in Worms aber deutlich bessere Entwicklungsmöglichkeiten gibt, wird das Unternehmen beide Standorte am Hauptsitz zusammenführen.
Zusammenhalt als treibende Kraft
Für die Belegschaft bringt die Zusammenlegung vor allem Sicherheit. „Jeder der 370 Kolleginnen und Kollegen aus Frankenthal bekommt ein Arbeitsplatzangebot“, betont Bätz. Rund 60 Mitarbeitende aus beiden Werken arbeiten im erweiterten Projektteam mit – von der Arbeitsplatzgestaltung bis zur Prozessplanung. „Das fördert den Zusammenhalt enorm.“
Das bisher größte Learning aus dem Projekt ist für Bätz, dass es auf intensive Kommunikation ankommt, um anfängliche Skepsis in ein tragendes Wir-Gefühl umzuwandeln. „Informationen transparent zu machen, reicht nicht“, sagt Bätz, „man muss auch Emotionen und Sorgen aufgreifen.“ Das passiert etwa in Betriebsversammlungen und einem Kanal im Intranet, der eigens für das Projekt eingerichtet wurde.
Appell an die Politik
Schließlich sind die Menschen „das Herzstück des Unternehmens“, wie CEO Jänicke sagt. Mit Blick auf die Zukunft betont er: „Wir sind daher überzeugt, dass Deutschland ein starker Industriestandort bleiben kann und muss – wenn die Politik die notwendigen Rahmenbedingungen schafft.“
Als fest verankertes Unternehmen sehe Renolit seine Wettbewerbsfähigkeit langfristig nur gesichert, „wenn Themen wie überbordende Regulierung, Bürokratie und steigende Energiekosten entschlossen angegangen werden“.
Über Renolit
Mit mehr als 30 Standorten und einem Umsatz von mehr als 1 Milliarde Euro (2024) zählt die Renolit-Gruppe zu den global führenden Kunststoff-Verarbeitern. Sie hat insgesamt rund 5.000 Beschäftigte und ist unter anderem auf hochwertige Folien und Platten aus Polymeren spezialisiert. In Worms und Frankenthal produziert Renolit auf großen Kalanderanlagen vor allem Folien für die Druck- und Medienbranche (zum Beispiel Leuchtfolien) und die Bereiche Bau und Wohnen (etwa Fensterprofil- und Möbelfolie).