Das Wichtigste in Kürze
- KI erkennt Muster, das Labor prüft: In der Forschung hilft Künstliche Intelligenz, statistische Zusammenhänge in großen Datenmengen zu finden – entscheidend bleibt, was sich experimentell bestätigen lässt.
- Stark in der Forschung, schwach im Transfer: Deutschland ist wissenschaftlich gut aufgestellt, doch viele Absolventen finden schwerer Jobs – zugleich gehen Talente ins Ausland.
Potenzial in Chemie und Medizin: Besonders in der chemienahen Forschung und Medikamentenentwicklung sieht Katharina Zweig große Chancen für den Einsatz von KI.
Katharina Zweig: Die Professorin an der RPTU Kaiserslautern-Landau zählt zu den wichtigsten Stimmen in der KI-Debatte. Mit ihren Büchern möchte sie Menschen an die Technologie heranführen. Im Interview spricht sie über Forschung, Standort und Zukunft.
Wie starten Sie in den Tag?
Mit einer Nase voll gutem alten O2, also Sauerstoff, dazu ein Glas H20 (Wasser) in Kombination mit einer cremigen Fluorid-Paste. Anschließend gönne ich mir ein C8H10N4O2-haltiges Brühgetränk für den Koffeinschub.
Sie sind Professorin an der RPTU Kaiserslautern-Landau. Was schätzen Sie an der Pfalz?
Natürlich die netten Menschen und die Natur. Kaum tritt man vor die Tür, ändert sich die Landschaft schlagartig: Man ist tief im Wald, dann auf einer Anhöhe und schließlich in einem lauschigen Tal. Wie schön, dass wir dort leben dürfen, wo andere Urlaub machen!
Die Wirtschaft lahmt. Spüren Sie das in der Forschung?
In der Forschung weniger, aber wir merken es vor allem daran, dass sich unsere Absolventen schwerer tun, eine Stelle zu finden.
Chemie – was verbinden Sie damit?
Ein paar wirklich wunderbare Erinnerungen in Laboren. Vor meinem Informatikstudium habe ich Biochemie studiert. Im Organikpraktikum hatte ich eine gigantische Glasbruch-Rechnung – meinem schlechten Händchen mit Liebigkühlern sei Dank …
Was kann KI in der chemienahen Forschung leisten?
Wichtig ist zunächst eine klare Problemdefinition: KI eignet sich besonders, um statistische Muster in großen Datenmengen zu identifizieren. So haben wir etwa microRNA-Paare gefunden, die Brustkrebszellen beeinflussen und Resistenzen in Chemotherapien erklären. Die KI entdeckt vieles – doch entscheidend ist für mich, was das Labor bestätigt.
Wie kann Deutschland zum Vorreiter im KI-Rennen werden?
Weniger Zaudern, mehr machen! Deutschland ist führend im Maschinenbau und könnte hier mit KI-Systemen glänzen. Auch in der Wissenschaft spielen wir vorne mit, nur verlieren wir zu viele Talente ans Ausland. Dabei wartet besonders in der Chemie und in der Medikamentenentwicklung ein riesiges Potenzial.
Kommt die „allmächtige KI“, die eines Tages die Weltherrschaft übernehmen wird?
Meine persönliche Mission ist es, heute den Einsatz von schlecht gemachter Software und die falsche Anwendung eigentlich gut gemachter Software zu verhindern. Das ist Aufgabe genug – mit allmächtigen KI-Systemen möge sich bitte die nächste Generation befassen!
Was machen Sie abseits der Welt aus Nullen und Einsen? Wofür hätten Sie gern mehr Zeit?
Lesen und Wandern in der schönen Pfalz. Und Bücher schreiben.
Sie haben das Buch „Weiß die KI, dass sie nichts weiß?“ geschrieben. Was hat es mit dem Titel auf sich?
Ich wollte einen lustigen Titel, der zeigt: Hier geht’s ans Eingemachte. Den habe ich selbst gefunden, aber in Zusammenarbeit mit ChatGPT. Ohne den Dialog mit der Maschine wäre ich nicht darauf gekommen.
Als KI für einen Tag – was würden Sie als Erstes tun?
In meinem Kopf wohnt der Roboter KAI, der meine Leserinnen und Leser durch die Bücher führt. Der ist zwar eine KI, aber keine allmächtige: Sehr bemüht, aber leider etwas doof. Was der als Erstes tun würde, steht hoffentlich bald in meinem nächsten Buch.