Arbeiten in der Chemie

Arzneipflaster: Wie neue Wirkstoffe gefunden werden

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Julia Lodder­-Gadaczek, Foto:Werk
Flexibel bleiben: Jeder Wirkstoff stellt Julia Lodder­-Gadaczek und ihr Team vor Herausforderungen. Foto: Werk

Ich bin Julia Lodder-Gadaczek, 38 und Laborleiterin für pharmazeutische Analytik bei LTS in Andernach. Ich habe ganz klassisch Chemie studiert, Schwerpunkt Biochemie, und in der molekularen Biomedizin promoviert. Früher habe ich immer gesagt, ich werde mal Ärztin, vielleicht auch, weil meine Eltern Mediziner sind. Nur den Patientenkontakt konnte ich mir nicht so gut vorstellen. So bin ich in die pharmazeutische Industrie gekommen. Hier bei LTS habe ich als wissenschaftliche Mitarbeiterin in der Forschung und Entwicklung angefangen, sozusagen als Bindeglied zwischen Labor und Laborleiter – für frisch absolvierende Akademiker die perfekte Einstiegsstelle. Jetzt leite ich ein Team, auf das ich sehr stolz bin: Jeder Einzelne reagiert auf neue Herausforderungen schnell mit neuen Ideen. Das macht uns so gut, wie wir sind.

Machbarkeitsstudien

Mein Labor beschäftigt sich mit der ganz frühen Phase der Entwicklung eines neuen Wirkstoffpflasters oder oralen Wirkstofffilms. Wir sehen die Neuentwicklungen als Allererste und prüfen, ob ein Wirkstoff überhaupt in unseren Systemen einsetzbar ist und was wir vielleicht in einer Formulierung hinzugeben müssen, damit er die natürliche Hautbarriere passieren kann. Das ist eine erste Machbarkeitsstudie, um zu entscheiden, ob es sich lohnt, mit diesem Wirkstoff weiterzuarbeiten. Falls ja, begleiten wir ihn in allen analytischen Fragestellungen bis zur Formulierung für eine vorklinische Studie.

Vorbereiten: Das Team entwickelt für jeden Wirkstoff neue Experimente. Foto: Werk
Vorbereiten: Das Team entwickelt für jeden Wirkstoff neue Experimente. Foto: Werk

Biologische Tests

Der Wirkstoff muss über die Hautbarriere in den Blutkreislauf gelangen, um in den Organismus aufgenommen werden zu können. Dies untersuchen wir in biologisch fundierten Experimenten, bei denen Haut als Barrieremodell eingesetzt wird. Wir arbeiten mit menschlicher Haut, die wir aus schönheitschirurgischen Operationen geliefert bekommen, aber auch mit Tier- und Zellkulturmodellen.

Neuer Wirkstoff, neue Ideen

Wirkstoffe, die einfach so über die Haut gehen, sind wahrscheinlich alle schon erforscht. Wir stehen jetzt vor größeren Herausforderungen und müssen uns immer neue Experimente und Modelle einfallen lassen. Es gibt Tage, an denen wir morgens nicht wissen, wo wir abends enden, weil wir immer wieder mit Überraschungen zu tun haben. Manche Wirkstoffe lassen sich nicht so gut lösen, andere sind viel reaktiver, als wir erwartet hatten. Einmal hatten wir einen Wirkstoff, der einfach mit allem reagiert hat. Der hat uns über Jahre beschäftigt.

Keine Frage ohne Lösung

Ich finde es schön, dass ich ein supertolles vierköpfiges Team plus Studenten, die bei uns ihre Abschlussarbeit schreiben, leiten darf. Jeder muss zu einer Frage auch Lösungsvorschläge mitbringen. Mit diesem Grundsatz macht das Tüfteln an neuen Wirkstoffen richtig Spaß. Manchmal geht das bis zur Entwicklung von Geräten, die es noch gar nicht gibt. Ich bin deswegen sehr froh, dass wir so interdisziplinär sind und beispielsweise auch eine Chemieingenieurin im Team haben.

Enge Begleitung der Entwicklung

Unsere Kolleginnen und Kollegen im galenischen Bereich entwickeln Pflaster mit neuen Wirkstoffen. Wir entwickeln Methoden, um den Wirkstoff quantifizieren und analysieren zu können. Wir sehen uns die Entwicklung in verschiedenen Stufen über Tests an künstlichen Modellen bis zur „In-vitro-Permeation“ mit echter Haut in der sogenannten „Franz-Zelle“ an. Wir geben den Galenikern Rückmeldung zur Durchdringung der Hautbarriere, Zusätze, die diese verbessern könnten, aber auch zur Stabilität, Temperatur-, Licht- oder Sauerstoffempfindlichkeit des Wirkstoffs.

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