Das Wichtigste in Kürze:
- Geschichte stärkt die Demokratiebildung: RLP-Bildungsministerin Dr. Ute Eiling-Hütig hält Geschichte für einen Kompass in Umbrüchen und für ein Werkzeug, um Fakten von Fakes zu unterscheiden.
- Kritisches Denken und KI-Kompetenz: Schülerinnen und Schüler brauchen laut Eiling-Hütig Medienkompetenz, den Umgang mit KI und demokratische Werte.
- MINT-Berufe erlebbar machen: Fächerübergreifender Unterricht mit Praxisbezug, Kooperationen mit Unternehmen und moderne Lernmittel zeigen Jugendlichen, wie kreativ Chemie- und MINT-Berufe sind.
Dr. Ute Eiling-Hütig: Die Historikerin war Mitglied des Bayerischen Landtags und ist seit Mai Ministerin für Bildung in Rheinland-Pfalz. Im Wir.Hier.-Interview spricht sie über Geschichte, die Fähigkeiten, die Schüler heute brauchen und Wege in die Chemie- und MINT-Berufe.
Wie beginnt Ihr Tag?
Sehr früh – und deshalb gehört eine Tasse Kaffee für mich zum Pflichtprogramm.
Sie sind gebürtige NRWlerin und haben lange in Bayern gelebt. Was schätzen Sie an Rheinland-Pfalz?
Die Herzlichkeit, die Feste und natürlich auch den Wein. Ich bin angekommen und habe das Gefühl, von einer Wahlheimat in die nächste gezogen zu sein.
Wie würden Sie Freunden Rheinland-Pfalz beschreiben und was werden Sie an Bayern vermissen?
Rheinland-Pfalz ist viel mehr als Reben und Rüben: vielseitig, weltoffen, tolerant, herzlich und landschaftlich wunderschön. An Bayern werde ich vermutlich den Starnberger See und die Berge vermissen.
Was möchten Sie in RLP zunächst näher kennenlernen?
Vor allem die verschiedenen Regionen und – als Historikerin – die römische Vergangenheit des Landes. Auch freue ich mich darauf, möglichst viele unserer 1.600 Schulen und 2.600 Kitas zu besuchen. Gemeinsam mit meiner Staatssekretärin bin ich dafür sehr fleißig unterwegs: hingehen, zuhören, lernen und Eindrücke mitnehmen.
Als Historikerin und Bildungsministerin: Was lehrt uns der Blick in die Geschichte über gute Bildung?
Geschichte zeigt, wie Gesellschaften Umbrüche bewältigt haben: Sie schöpften aus Tradition Orientierung und gestalteten Fortschritt durch eigene Leistung. Das lehrt uns viel für das Heute und die Politik. Die Geschichte lehrt uns außerdem, Fakten von Fakes zu unterscheiden. Das ist heute wichtiger denn je und zentral für die Demokratiebildung, die an unseren Schulen zu Recht einen hohen Stellenwert hat.
Was sollten Schüler heutzutage unbedingt lernen?
Junge Menschen sollten vor allem kritisch denken, mit Herausforderungen umgehen, Lösungen finden und den Umgang mit KI lernen. Auch demokratische Werte, mentale Gesundheit und selbstständiges Lernen sind wichtig. Zudem wird Medienkompetenz immer wichtiger.
Chemie – was verbinden Sie persönlich damit?
Tatsächlich muss ich bei dem Thema an eine Lehrerin aus meiner Schulzeit denken, die mich in der Oberstufe mit ihrer Begeisterung für die Chemie angesteckt hat. Sie hatte eine ganz tolle Art, Inhalte unglaublich verständlich zu machen und uns Jugendliche zu begeistern.
Wie kann Schule Jugendliche für die Chemieindustrie und MINT-Berufe begeistern?
Lernangebote müssen praxisnah und fächerübergreifend sein. Dafür braucht es moderne Ausstattung und enge Kooperationen mit Unternehmen. So können junge Menschen die Relevanz und Kreativität von MINT-Berufen erleben. Das Land kann dabei helfen, indem es Schulen mit modernen Lernmitteln austattet und Netzwerke anbietet.
Wenn Sie einen Tag lang unterrichten dürften ...
… würde ich wahrscheinlich eine Geschichtsstunde halten. Politische Bildung wäre mir dabei besonders wichtig. Für MINT-Themen und Medienkompetenz würde ich mir Verstärkung holen.
Was machen Sie in Ihrer Freizeit am liebsten?
Ich lese sehr gerne, verbringe Zeit mit meiner Familie und wenn ich die Zeit finde, spiele ich sehr gerne Klavier. Alles, was mich ein bisschen zur Ruhe kommen lässt.