Reportagen

PET-Flasche: Warum die Verpackung nachhaltig ist

Mehrweg-PET-Flaschen von Plastipak sind ökologischer als Glas.

· Lesezeit 3 Minuten.

Die deutsche Wiege der PET-Flasche steht in der Eifel. In Mendig hat der Verpackungsproduzent Schmalbach-Lubeca 1989 eine Produktion für Flaschen aus Polyethylenterephthalat hochgezogen, die der erste Großkunde Coca-Cola dann auf dem deutschen Markt einführte. Schmalbach-Lubeca wurde inzwischen zerschlagen, das Werk gehört heute zum US-Unternehmen Plastipak. Aber die besondere Beziehung zum PET ist geblieben. Deshalb ist Plastipak nicht nur als Hersteller und Arbeitgeber engagiert. Sondern auch darin, die Mythen über das Produkt zu korrigieren, das den Standort groß gemacht hat.

Mehrweg-PET hat beste Ökobilanz

All die Behauptungen, die über Plastik aufgestellt werden, können wir zum großen Teil widerlegen“, sagt Dirk Dietz, Personalleiter in Mendig. Und korrigiert sich gleich selbst: „Plastik ist ein negativer Begriff, deshalb reden wir lieber von Kunststoff.“

Mehrere Hunderttausend PET-Flaschen produzieren die Plastipak-Maschinen täglich. Der Großteil geht an die Getränke-, kleinere Anteile in die übrige Lebensmittelindustrie sowie zu Herstellern von Haushalts- und Körperpflegeprodukten. Und inzwischen scheint es so, als wäre jedes Kunststoffbehältnis ein Image- und Umweltrisiko. „Sie hören vom bösen Plastik und dem tollen Glas“, sagt Dietz. Also verweist er gerne auf den ökologischen Fußabdruck einer Glas- und einer PET-Flasche: „Glas muss man unter hohem Energieaufwand bei zwischen 1.000 und 1.600 Grad schmelzen und bearbeiten. Zu Flaschen, die zehnmal schwerer sind als PET und die dann den entsprechenden Transportaufwand verursachen. Betrachten Sie alleine diese beiden Komponenten, brauchen wir uns vorm Glas nicht zu verstecken.“

Seine komplette Mehrweg-Jahresproduktion schickt Plastipak in die deutsche Getränkeindustrie. Das ist die selbst nach Darstellung des Naturschutzbundes Nabu nachhaltigste Lösung: „Die Faustregel ist daher: Regional abgefüllte Getränke in Mehrweg-Standardflaschen kaufen. (...) Die PET-Mehrwegflasche aus dem Standard-Flaschenpool der Genossenschaft Deutscher Brunnen (GDB) schnitt in Ökobilanzen als ökologisch günstigste Getränkeverpackung ab“, heißt es auf der Nabu-Webseite. Egal wo in Deutschland der Verbraucher solche Pool-Flaschen zurückgibt: Ein lokales GDB-Mitglied wird sie reinigen, umetikettieren, neu befüllen und vor Ort verkaufen. Das spart Transportwege. Ökologisch schwieriger wird es, sobald ein Kunde Sonderformen möchte, ob aus Kunststoff oder Glas. Denn die müssen immer zurück zum Originalabfüller.

Bis zu 25 Umläufe schafft eine Mehrweg-PET-Flasche, bevor sie ins Recycling geht. Auch dabei sind PET-Flaschen ein Vorzeigeprodukt. Knapp 94 Prozent aller PET-Flaschen in Deutschland werden recycelt, bei den pfandpflichtigen sind es sogar 98 Prozent. Aus ihnen entstehen neue Flaschen, Textilfasern oder Folien. Auf das „Bottle to bottle"-Prinzip setzt Plastipak: „Wir machen das ‚richtige‘ Recycling, also Upcycling“, betont Dietz. Dafür hat das Unternehmen drei Schwestergesellschaften. Sie verarbeiten an ihren europäischen Standorten jährlich mehr als 100.000 Tonnen PET in Lebensmittelqualität und versorgen damit eigene Produktionen wie in Mendig. Noch so ein Mythos, sagt Dietz: „Nichts davon geht nach China. Schon in Europa ist die Nachfrage so groß, dass selbst wir manchmal Probleme haben, in unseren Recyclingwerken etwas zu bekommen.“

Bis zu 100 Prozent Recyclinganteil

Weil PET so wertvoll ist, arbeitet Plastipak in der Entwicklung und Produktion daran, den Materialeinsatz zu optimieren. Ziel ist es, mit weniger PET die gleiche Stabilität zu erreichen, was Gewicht und Transportkosten weiter mindern würde. In der Fertigung wiederum geht nichts verloren: Der Ausschuss wird geschreddert, dem Recycling zugeführt und gelangt gemäß „Bottle to bottle“-Prinzip anschließend erneut in die Flaschenproduktion.

Bis zu 35 Prozent Re- cyclat stecken inzwischen in einer Mehrweg-PET-Flasche, und Plastipak strebt gemeinsam mit seinen Kunden weiter steigende Anteile an. Bei Einweg sind es schon jetzt bis zu 100 Prozent, sagt Dietz. Letztlich entscheiden darüber die Kunden. Und vor allem die Verbraucher: Mit dem, wonach sie im Getränkemarkt greifen, bestimmen sie die Marktentwicklung mit.

Beim Verhalten der Konsumenten ist aber offenbar noch Luft nach oben, was die Nachhaltigkeit angeht. Das zeigen die jüngsten Angaben des Umweltbundesamts zur Mehrwegquote: 2017 betrug sie nur 42 Prozent.

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