Faktencheck

7 Fakten zum Thema Krankheit

Was der Krankenstand im Land für Mitarbeiter und Firmen bedeutet.

von Hans Joachim Wolter

· Lesezeit 3 Minuten.

Arbeit bleibt liegen – das kostet Milliarden

Ein Kollege ist krank, andere springen ein, trotzdem ist am Ende des Tages nicht alles geschafft. Produktionsausfälle bilden den größten Kostenblock, der für Unternehmen durch Arbeitsunfähigkeit entsteht. Eine Zahl für ganz Deutschland hat die Bundes­anstalt für Arbeitsschutz und Arbeits­medizin ermittelt: 113 Milliarden Euro weniger Wertschöpfung im Jahr.


Entgelt-Fortzahlung – die teuerste Sozialleistung der Arbeitgeber

Jeder erkrankte Arbeitnehmer bekommt in den ersten sechs Wochen weiterhin den vollen Lohn. Diese Entgelt-Fortzahlung ist die mit Abstand teuerste allein vom Arbeitgeber finanzierte Sozialleistung. Von 2006 bis 2015 stieg sie bundesweit auf 53,9 Milliarden Euro. Aktuellere Zahlen liegen derzeit nicht vor, doch Experten erwarten einen weiteren Anstieg. Um wie viel Geld es geht, zeigt ein Vergleich: Hätte man die 53,9 Milliarden Euro auf den Beitragssatz zur Krankenversicherung umgelegt, wäre dieser im Jahr 2015 um mehr als 4 Prozentpunkte höher ausgefallen.


Krankengeld nach sechs Wochen – ein Drittel zahlen die Unternehmen

Damit schwer erkrankte Arbeitnehmer nicht in ein finanzielles Loch fallen, springt im Anschluss an die sechste Woche Arbeitsunfähigkeit die Krankenkasse ein. Bis zu 72  Wochen zahlt sie 70 Prozent des letzten Bruttolohns von zuletzt durchschnittlich 2 966,25  Euro im Monat. Das summierte sich 2014 auf 10,4 Milliarden Euro, fast doppelt so viel wie 2006. Vom Gesamtbudget der Krankenkassen (inklusive der Beiträge von Rentnern und Selbstständigen) kommt insgesamt ein Drittel von den Arbeitgebern. Das sind also noch mal 3,5 Milliarden Euro obendrauf.

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Es wird mehr verdient – Fehlzeiten wurden entsprechend teurer

Die gestiegenen Firmenaufwendungen für Fehlzeiten sind auch die Folge eines eigentlich erfreulichen Trends, heißt es beim Sachverständigenrat zur Begutachtung der Entwicklung im Gesundheitswesen: Erstens hat die Zahl der Beschäftigten in den letzten Jahren stetig zugenommen, und zweitens stiegen die Löhne. Also können mehr Menschen krank werden, die dann auch mehr Ausfallgeld als früher beziehen.


Die Belegschaften altern – und das Krankheitsrisiko steigt

Die Generation 55 plus stellte Ende 2015 bundesweit schon 5,6 Millionen Beschäftigte, zehn Jahre zuvor waren es 2,9 Millionen. Sie kommen im Durchschnitt auf 29 Tage Arbeitsunfähigkeit im Jahr, bei den Kollegen unter 35 sind es nur elf Tage. Und der Altersdurchschnitt in den Betrieben wird in den kommenden Jahren stark ansteigen.
 

Psychische Erkrankungen – sie werden besser diagnostiziert als früher

Fast jede sechste Krankschreibung erfolgt wegen psychischer Leiden. Der Anteil lag früher niedriger, weshalb „Arbeitsverdichtung“ – also Stress und Druck durch mehr Arbeit in weniger Zeit – oft als Ursache genannt wird. Doch der Grund ist wohl eher die bessere medizinische Versorgung: Es gebe heute nicht mehr psychisch kranke Menschen als vor 10 oder 20 Jahren, heißt es beim Zentrum für seelische Gesundheit des Klinikbetreibers Asklepios. Die Erkrankungen würden aber besser diagnostiziert und weniger stigmatisiert als früher.


Schlusspunkt – die Sache mit den Krankenkassenbeiträgen

Hitzige Debatten entzünden sich auch immer wieder an der Aufteilung der Krankenkassenbeiträge. Für die Arbeitgeber ist sie gedeckelt: Sie zahlen 7,3 Prozent des Bruttolohns. Der Arbeitnehmer zahlt je nach Versicherung 7,6 bis 9 Prozent. Die Kritik daran dürfte sich relativieren, wenn man all die Belastungen sieht, die Unternehmen durch krankheitsbedingten Ausfall ihrer Mitarbeiter haben.

Wie gerecht Deutschland ist, lesen Sie hier.

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