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Arbeitspolitik

Warum der Mittelstand in RLP investiert

Chemieunternehmen sehen viele Standortvorteile.

von Sabine Latorre

· Lesezeit 3 Minuten.

Überall in Rheinland-Pfalz wird derzeit kräftig gebaut. Manchmal kann man quasi dabei sein. Der Spezialchemiehersteller Haltermann Carless hat zum Beispiel für den Bau seiner neuen Hydrieranlage in Speyer eine eigene Webseite eingerichtet, auf der sich Besucher über das Vorhaben informieren können (www.hydrierung-speyer.de). Die Anlage ermöglicht Produkte von höherer Reinheit, hergestellt mit umweltgerechteren Verfahren. „Ein klares Bekenntnis zu unseren Produktionsstandorten in Europa“, sagt Konzernchef Uwe Nickel. Durch den Einsatz einer „neuen und maßgeschneiderten Technologie“ sichere man bestehende Arbeitsplätze und schaffe attraktive Beschäftigungsmöglichkeiten.

So denken derzeit viele unserer mittelständischen Unternehmen: Sie wollen investieren und neue Stellen schaffen, das belegt eine aktuelle Studie des Beratungsunternehmens EY. Befragt wurden bundesweit 2 000 Unternehmen, die nicht an der Börse notiert sind. 85 davon stammen aus Rheinland-Pfalz.

Der Grund ist die stabile Konjunktur. 94 Prozent der rheinland-pfälzischen Betriebe berichten von einer „guten“ oder „eher guten“ Geschäftslage. In der Chemie sieht es nicht ganz so rosig, aber ebenfalls erfreulich aus: Laut Studie sind 31 Prozent der hiesigen Firmen zuversichtlich, lediglich 8 Prozent erwarten eine Verschlechterung. Gut: Fast jedes dritte Unternehmen plant höhere Investitionen, nur jedes 14. will diese zurückfahren. Und 33 Prozent der Chemiefirmen wollen neue Jobs schaffen.

Werner & Mertz verdoppelt Produktion und schafft 50 neue Jobs

So hat Werner & Mertz („Frosch“-Reiniger) beschlossen, die Produktion in Mainz zu verdoppeln. Dabei sollen 50 neue Jobs entstehen. Geplant ist eine 20 Millionen Euro teure Produktions- und Abfüllanlage samt Lager – „die höchste Investition der Firmengeschichte“, betont Geschäftsführer Reinhard Schneider. Anfang 2019 soll alles fertig sein.

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Auch in Böhl-Iggelheim, dem Standort des Farben- und Lackherstellers Südwest, herrscht rege Bautätigkeit. Geschäftsführer Hans-Joerg von Rhade: „Wir investieren in unseren Standort, um für die Herausforderungen der Zukunft optimal aufgestellt zu sein. Dazu gehört nicht nur die Modernisierung der Verwaltung, sondern vor allem die Stärkung der Logistik.“

Die Nibelungenstadt Worms profitiert gleich doppelt

Bei der Profine-Gruppe in Pirmasens stehen die Zeichen ebenfalls auf Expansion: Der Hersteller von Kunststoffprofilen für Fenster und Türen hat ein 70 000 Quadratmeter großes Grundstück erworben. Noch dieses Jahr soll der Spatenstich zum millionenschweren Ausbau des Produktionsstandortes erfolgen.

Und in Worms steckt Synthomer, Spezialist für wasserbasierte Dispersionen und Spezialpolymere, gerade 20 Millionen Euro in mehrere vollautomatische Produktionslinien für Acrylat-Dispersionen. Durch die Investition wird eine zusätzliche Kapazität von 30 000 Tonnen geschaffen, die Fertigstellung soll bis Jahresende erfolgen. Zudem profitiert die Nibelungenstadt von Grace: Der Spezialchemie-Produzent investiert in diesem Jahr einen zweistelligen Millionenbetrag in eine Katalysator-Erweiterung.

In den vergangenen Monaten flossen bereits Millionen Euro heimischer Chemiebetriebe ins Land. Etwa in den Aufbau einer Produktionseinheit der Renolit-Gruppe in Frankenthal, das neue Technologiezentrum von Röchling Automotive in Worms, das Blockheizkraftwerk von Budenheim bei Mainz, das Logistikcenter von Röchling Sustaplast in Lahnstein, die Extraktionslinie von Finzelberg in Andernach oder die Lagerhalle von Eaton Technologies in Langenlonsheim. Diese sei nur ein Startschuss, so Eaton-Geschäftsführer Hans Vogt: „Angesichts unserer Ideen und der Wachstumsraten unseres Unternehmens werden wir uns hier noch weiterentwickeln.“

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