Politik & Wirtschaft

Tarifverhandlungen für Chemie- und Pharma: Standortsicherung im Blick

· Lesezeit 2 Minuten.
Zwei Chemiebeschäftigte stehen auf der Außenanlage ihres Betriebs und richten vor dämmerigem Hintergrund einen prüfenden Blick auf die Anlagen.
Realismus ist gefragt: In den aktuellen Tarifverhandlungen der Chemie- und Pharmabranche spielen Standort- und Beschäftigungssicherung eine große Rolle. Foto: winnievincenze/stock.adobe.com

Das Wichtigste in Kürze:

  • Tarifverhandlungen gestartet: Die regionalen Verhandlungen für einen neuen Chemie- und Pharma-Tarifvertrag laufen jetzt.
  • Die Forderungen lauten: Die IG BCE will höhere Einkommen und Beschäftigungssicherung; die Arbeitgeber fordern eine Kostenpause, um die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen.
  • Schwierige Branchenlage: Wichtige Kennzahlen wie Auftragslage, Umsatz und Produktion entwickeln sich seit Jahren abwärts.

Die aktuellen Tarifverträge für die Chemie- und Pharmabranche laufen am 28. Februar 2026 aus. Nun machten die Tarifparteien für die Region Nordrhein den Anfang mit den Verhandlungen für einen neuen Tarifvertrag: Am 14. Januar starteten sie in Köln. Die Gespräche gingen zunächst ohne Ergebnisse zu Ende.

Bundesweit betreffen die Tarifverhandlungen rund 585.000 Beschäftigte in 1700 Betrieben. Beiden Tarifparteien ist die schwierige Lage der Branche bewusst.

Das sind die Forderungen der Tarifparteien

Zwar bezeichnet auch IGBCE-Verhandlungsführer und -Tarifvorstand Oliver Heinrich die Situation der Betriebe als „angespannt“. Von einer Lohnrunde hält die IG BCE jedoch nichts. Die Bundestarifkommission verlangt:

  • höhere Einkommen für die Tarifbeschäftigten und Azubis: Die Kaufkraft soll stärker werden.
  • tarifliche Instrumente zur Beschäftigungssicherung: Jeder Job zählt, so die Gewerkschaft.

Der BAVC fordert eine tarifpolitische Atempause. Die Wettbewerbsfähigkeit zurückzugewinnen, erfordere mehr Produktivität. Höhere Kosten würden hingegen eine weitere Belastung bedeuten. BAVC-Verhandlungsführer Matthias Bürk betont: „Den Betrieben steckt insbesondere die letzte Erhöhung um fast 5 Prozent zum April 2025 noch in den Knochen. Die reale wirtschaftliche Entwicklung hat diesen Kostenschub aus heutiger Sicht in keiner Weise gerechtfertigt. Vielmehr sind die Arbeitgeber massiv in Vorleistung gegangen.“



So ist die Situation in der Chemieindustrie: Auftragsmangel, Umsatzverluste

Nach dem aktuellen VCI-Chemiebarometer sind wichtige Branchenkennzahlen im November 2025 im Vergleich zum Vorjahr weiter gesunken. Sie liegen damit in einem mehrjährigen Abwärtstrend.

  • Auftragseingang: - 2,9 Prozent
  • Umsatz: - 4,4 Prozent
  • Produktion im Vergleich zu 2021 (=100): Chemie: - 3,4; Pharma + 4,7: gesamt: - 0,3



Tarifverhandlungen: Die nächsten Schritte

Im Laufe des Monats Januar nehmen die regionalen Tarifpartner ihre Verhandlungen auf. Nach Nordrhein folgen:

  • Hessen: 15. 1.
  • Rheinland-Pfalz: 16. 1.
  • Baden-Württemberg: 19.1.
  • Nord & Nordost: 20. 1.
  • Westfalen: 21. 1.
  • Bayern: 22. 1.
  • Saarland: 23. 1.

Kommen diese Gespräche zu keinem Ergebnis, setzen die Tarifpartner die Verhandlungen auf Bundesebene fort. Diese beginnen dann am 3. Februar 2026 in Hannover.

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