Politik & Wirtschaft

BASF: Nachhaltigkeit beginnt in der Forschung

· Lesezeit 5 Minuten.
Vier Forscher in einem Labor der BASF
Innovationen: BASF-Forscher arbeiten unter anderem an Verfahren, die den CO2-Ausstoß des Unternehmens senken. Foto: BASF

Chemie leistet mit innovativen Prozessen und Produkten einen wichtigen Beitrag zur Reduzierung von Treibhausgasemissionen. BASF-Forscherinnen und Forscher machen durch ihre Arbeit nachhaltigen Wandel möglich. Aktuelle Innovationsbeispiele aus der BASF-Forschungspipeline für die Bereiche Mobilität und Landwirtschaft, wie innovative Kühlerschutzmittel für Elektroautos oder neue Technologien für Präzisionsanwendungen in der Landwirtschaft, hat Dr. Melanie Maas-Brunner, Mitglied des Vorstands und Chief Technology Officer der BASF SE, am Donnerstag gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf der Forschungspressekonferenz des Unternehmens vorgestellt.

 

Einen Livestream sowie weitere Informationen zu den Vorträgen der Forschungspressekonferenz gibt es unter: basf.com/forschungspressekonferenz

 

Neuordnung der Forschung geplant

 

„Die Transformation zur Nachhaltigkeit beginnt bereits mit der Forschung“, erklärt Maas-Brunner. BASF sei dafür sehr gut aufgestellt und verfüge über eine einzigartige Forschungs- und Entwicklungslandschaft mit global rund 10.000 Mitarbeitenden. „Um die Herausforderungen der Transformation noch schneller zu bewältigen und langfristig erfolgreich zu sein, müssen wir unsere Kundennähe weiter erhöhen und die Stärke unseres Know-how-Verbundes nutzen“, so Maas-Brunner. Deshalb ordne das Unternehmen seine weltweiten Forschungsaktivitäten im kommenden Jahr neu. Geschäftsnahe Forschungseinheiten, die bislang Teil der drei Forschungsbereiche sind, werden in die Unternehmensbereiche integriert und damit noch stärker auf die Bedürfnisse der Kunden ausgerichtet. Forschungsaktivitäten mit Relevanz für mehrere Unternehmensbereiche bündelt BASF künftig in einem zentralen, global aufgestellten Forschungsbereich.

 

BASF hat sich ehrgeizige Nachhaltigkeitsziele gesetzt. Dafür soll die Entwicklung von CO2-freien Verfahren und einer Kreislaufwirtschaft sowie der Ausbau der Digitalisierung weiter beschleunigt werden. Darüber hinaus unterstützt das Unternehmen seine Kunden bei der Transformation zu mehr Nachhaltigkeit. Insgesamt hat BASF im Jahr 2020 rund zwei Milliarden Euro in Forschung und Entwicklung investiert.

 

Sicherheit von Elektromobilität erhöht

 

Der Transportsektor hat einen deutlichen Anteil an den globalen CO2-Emissionen. Mit der Transformation zur Elektromobilität können diese Emissionen reduziert werden. Damit dies gelingt, werden Innovationen benötigt, die zum Beispiel Batterieladezeiten verkürzen, die Sicherheit verbessern und Produktionsprozesse von Elektrofahrzeugen nachhaltiger und effizienter machen.

 

Der Chemie kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: In einem Elektrofahrzeug ist der Anteil an Chemikalien deutlich höher als in einem Fahrzeug mit Verbrennungsmotor. Denn durch den geänderten Antrieb verändern sich zahlreiche Komponenten. Die Forschung und Entwicklung von BASF arbeitet kontinuierlich an innovativen Produkten für Elektrofahrzeuge, zum Beispiel Batteriematerialien, Hochleistungskunststoffe, modifizierte Kühlerschutzmittel und neuartige Lacke.

 

So leisten Kunststoffe einen wichtigen Beitrag unter anderem zur Sicherheit von Elektrofahrzeugen. Hier werden sie beispielsweise als stabiler Aufprallschutz, für eine sichere Stromverteilung, als wärmeleitende Klebstoffe, oder zur Kennzeichnung von Hochspannungsbauteilen und -konnektoren eingesetzt.

 

Mit einem neu entwickelten Kühlerschutzmittel aus der Glysantin-Produktreihe trägt ein weiteres BASF-Produkt zur erhöhten Sicherheit von Batteriefahrzeugen bei. Das Kühlerschutzmittel weist durch eine neuartige Formulierung eine äußerst niedrige elektrische Leitfähigkeit auf. Das bedeutet, wird die Batterie zum Beispiel im Falle eines Unfalls beschädigt, reagiert das neue BASF-Produkt nicht mit Hochspannungsteilen der Batterie. Gleichzeitig ermöglicht Glysantin Electrified einen zuverlässigen Korrosionsschutz im Kühlsystem von Elektrofahrzeugen.

 

Mit Hilfe von digitalen Methoden haben Forschende der BASF zudem eine neue Version ihrer kathodischen Tauchlackierung (E-Coat) CathoGuard entwickelt, die speziell auf die Anforderungen für Elektromobilität ausgerichtet ist. Sie ermöglicht eine Anwendung bei niedrigeren Temperaturen und verringert so die CO2-Emissionen bei gleichbleibenden Produkteigenschaften. Zudem erfüllt die Technologie die etablierten Nachhaltigkeitsanforderungen, da sie weder Zinn noch gefährliche Luftschadstoffe und nur wenige flüchtige organische Verbindungen enthält.

 

Innovationen für nachhaltige Landwirtschaft

 

Die BASF-Forschung arbeitet auch an Lösungen für eine nachhaltige Landwirtschaft. Landwirte stehen vor großen Herausforderungen: die Ernährung einer wachsenden Weltbevölkerung, die bis 2050 auf zehn Milliarden Menschen anwachsen wird, veränderte Wetterbedingungen durch den Klimawandel, eine sichere und effektive Schädlings- und Unkrautbekämpfung angesichts zunehmender Resistenzen sowie begrenzte natürliche Ressourcen und Anbauflächen. Innovationen – von neuem Saatgut und Pflanzeneigenschaften bis hin zu neuartigen Pflanzenschutzmitteln und digitalen Anwendungen – werden daher dringend benötigt.

 

Weizen ist mit einem Volumen von über 770 Millionen Tonnen pro Jahr eines der wichtigsten Getreide der Welt. Die Weizenerträge müssen in den kommenden Jahren deutlich gesteigert werden. Dieses Ziel wird aufgrund der begrenzten Anbauflächen und der durch den Klimawandel verursachten Ernteausfälle immer schwieriger zu erreichen sein. Durch ein global ausgerichtetes und lokal zugeschnittenes Züchtungsprogramm entwickelt BASF neuen Hybridweizen mit wertvollen Merkmalen für Ertrags- und Qualitätssteigerung sowie Krankheits- und Insektenresistenz. Durch die Nutzung unterschiedlicher Pflanzengenetik aus den wichtigsten Anbauregionen selektieren BASF-Forscherinnen und Forscher die besten Weizeneigenschaften aus genetisch unterschiedlichen Elternlinien. Damit geht das Unternehmen auf die Anforderungen der Landwirte und aller Partner in der gesamten Wertschöpfungskette ein, um Ertragsstabilität und eine bessere Klimaresistenz zu ermöglichen.

 

Zur Optimierung der Pflanzenproduktion hat BASF eine intelligente Pflanzenmodellierungsplattform entwickelt, die auf der Grundlage kontinuierlicher Datenanalyse präzise agronomische Empfehlungen liefert. Sie verarbeitet ökonomische, biologische und Nachhaltigkeits-Parameter, um Landwirten eine digitale agronomische Beratung zu bieten, die ihnen einen effizienten und umweltverträglichen Pflanzenanbau ermöglicht. Die Daten der Plattform werden in verschiedenen Produkten von xarvio Digital Farming Solutions verwendet. Bei dem mit Bosch entwickelten Smart Spraying beispielsweise werden die Daten mit Hightech-Kamerasensoren und Software verknüpft, um Herbizide nur dort auszubringen, wo sie benötigt werden. Feldversuche zeigen, dass mit dieser Technologiekombination Herbizidmengen von bis zu 70 Prozent eingespart werden können. Dies ist ein wichtiger Beitrag zum Umweltschutz und bietet den Landwirten gleichzeitig finanzielle Vorteile.

 

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