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Recycling-Großversuch bei BASF

Viele Verpackungen sind bislang kaum recyclingfähig. Doch die BASF will das ändern - und hat einen Großversuch gestartet. Schon jetzt ist die Rede von "großem Erfolg".

von Hans Joachim Wolter

· Lesezeit 3 Minuten.
Käse in einer Verbundverpackung. Foto: BASF
Damit der Käse frisch bleibt: Verbundverpackungen sind sehr wichtig, um Lebensmittel frisch zu halten. Bislang lassen sie sich nur schwer recyceln. Foto: BASF

Chips und Gebäck bleiben knackig, Wurst, Käse und Salat frisch: Verpackungen aus mehreren Schichten Kunststoff machen es möglich. Sie schützen vor Feuchtigkeit, Keimen und Sauerstoff und sind strapazierfähig. Aber meistens sind sie kaum recyclingfähig und werden verbrannt. Nachhaltig ist das nicht – bis jetzt. 

Der Chemiekonzern BASF und die Firmen Krones, Südpack und Tomra wollen das nun ändern. In einem industriellen Versuch mit Mehrschichtverpackungen aus den Kunststoffen PET und Polyethylen (PE) gelang es ihnen, 69 Prozent der beiden Bestandteile komplett und zwölf Prozent teilweise als Werkstoff zu trennen. Nun wollen die Techniker die Recyclingquote weiter erhöhen. Ziel ist es, das von Getränkeflaschen her bekannte PET wieder für Lebensmittelverpackungen zu verwenden.

Wichtig ist das Projekt, weil die EU-Kommission vorschreiben will, dass bis 2030 alle Verpackungen recyclingfähig sind. Ab 2035 dann sollen alle Verpackungen im großen Maßstab recycelt werden. Einen Entwurf dieser „Packaging and Packaging Waste Regulation“ hat Brüssel im vergangenen November vorgelegt.

BASF liefert "Epotal"-Klebstoff als Basis

Sollen die bei Lebensmitteln verbreiteten Mehrschichtpackungen eine Zukunft haben, müssen also Lösungen her, zum Beispiel für PET-haltige Verbundverpackungen. 2020 waren hierzulande allein davon 60.000 Tonnen nicht recyclingfähig, berichtet Isabell Schmidt, Geschäftsführerin bei der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen in Bad Homburg (IK). „Jede Innovation, die uns da vorwärts bringt, ist zu begrüßen. Wir brauchen am Ende Recycling-Wege, die in der Praxis und zu wettbewerbsfähigen Kosten funktionieren.“

Fordert praxistaugliches Recycling: Geschäftsführerin Isabell Schmidt bei der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Foto: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen

Fordert praxistaugliches Recycling: Geschäftsführerin Isabell Schmidt bei der Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Foto: IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen

Im Projekt der BASF wird daher der gesamte Lebensweg getestet. Verpackungshersteller Südpack produzierte Folien, die sich durch ein spezielles Verfahren auftrennen lassen. Sortier-Spezialist Tomra ermöglichte, im Abfall nicht recycelbare und recycelbare Verpackungen (aus PET und PE) zu trennen. In einer Anlage von Hersteller Krones wurden diese Verpackungen dann mit einer Heißwäsche – die auch Schmutz und Reststoffe beseitigt – erfolgreich in ihre Komponenten zerlegt. 

Und die BASF lieferte die Basis dafür: einen Klebstoff (Marke „Epotal“), der zwar gut im Produkt haftet, zugleich aber das Trennen der verbundenen Folien erleichtert.

Großer Vorteil der Methode: Sie ist in bestehenden Recyclinganlagen möglich. Kresimir Cule vom Commercial Marketing Industrial Adhesives der BASF: „Dass wir gleich beim ersten industriellen Versuch 69 Prozent der Verpackungen vollständig trennen konnten, werten wir als großen Erfolg.“

„Wir werden in Zukunft jede Verpackung recyceln können"

Ganz anders geht das Fraunhofer Institut IVV in Freising das Recycling von Verbundfolien an: „Wir lösen mit einem selektiven sicheren Lösungsmittel einen bestimmten Kunststoff aus dem Verbund, ,filtrieren‘ ungelöstes Material ab und gewinnen den Kunststoff aus der Lösung zurück“, erklärt Geschäftsfeldmanager Martin Schlummer den CreaSolv-Prozess. „Aus dem ungelösten Rückstand kann man dann noch einen weiteren Kunststoff extrahieren.“ So gewinne man die Polymere sehr rein zurück. In Indonesien arbeitet so eine Anlage schon.

Einige Verpackungshersteller sind aber dazu übergegangen, Verbunde aus den Kunststoffen PET und PE durch Monomaterial zu ersetzen. Was sich am Ende für welche Produkte besser eignet, werde der Markt entscheiden, sagt IK-Geschäftsführerin Schmidt. Die Verbandsmanagerin ist zuversichtlich: „Wir werden in Zukunft jede Verpackung recyceln können. Schon jetzt sind etwa vier Fünftel der Kunststoffverpackungen recycelfähig.“

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