Das Wichtigste in Kürze:
- Politisch sensible Themen meiden, Kultur wertschätzen: In China sollte man politische Fragen vermeiden, aber Interesse an Kultur und Geschichte kommt sehr gut an.
- Hierarchien und persönliche Beziehungen prägen den Berufsalltag: Arbeitsstrukturen sind deutlich hierarchischer, und persönliche Geschäftsbeziehungen („guanxi“) sind zentral und zeitintensiv.
- Die Kommunikation läuft über die App WeChat: Westliche Kanäle funktionieren kaum; WeChat ist Standard.
Gibt es Gesprächsthemen, die man in China besser meidet?
Oliver Oehms: Umgehen sollten Sie politisch sensible Themen: zum Beispiel Fragen zur nationalen Souveränität, zur Integrität des Landes oder zur Religion. Punkten können Sie dagegen mit echtem Interesse an der reichen Kultur und Geschichte Chinas. Erzählen Sie ruhig, wenn Sie sich schon Sehenswürdigkeiten angeschaut haben. Die Chinesen freuen sich, wenn man Ihre Kultur verstehen will.
Was ist im Berufsumfeld in China besonders?
Oehms: Es ist meist viel hierarchischer als in Deutschland. Man merkt es zum Beispiel an Sitzordnungen und der Art, wie Titel benutzt und Personen angesprochen werden. Wenn man Verhandlungen über verschiedene Hierarchien hinweg führt, könnte man Gesprächspartner übrigens verprellen, wenn man eine Abkürzung nimmt auf die nächste Ebene.
Wie wichtig sind persönliche Beziehungen?
Oehms: Sehr wichtig, auch in anderen Teilen Asiens! Während wir Deutsche Geschäftstreffen zum Mittag- oder Abendessen zuweilen als mühsam empfinden, ist es in China Teil der Arbeitskultur. Gehen Sie mit Ihrer Zeit dafür also am besten nicht zu sparsam um. Für diese persönlichen Geschäftsbeziehungen gibt es sogar ein eigenes Wort: guanxi, das spricht man „Gwanschi“ aus.
Über welche Kanäle kommuniziert man?
Oehms: Die westlichen Medien und Plattformen, auch E-Mail, funktionieren nicht, sehr eingeschränkt oder werden nur widerwillig benutzt. Viel läuft über WeChat, die Super-App mit unzähligen Funktionen von der Bezahlung über Geschäftskommunikation bis zum Kauf von Event-Tickets. Um die grundlegende Funktion von WeChat zu verstehen, reicht es, sich einmal eine halbe Stunde intensiv damit zu beschäftigen. Übrigens – Unternehmen, die beim Thema Datenschutz Bedenken haben, geben ihren Mitarbeitern teilweise eigens für den chinesischen Markt konfigurierte Geräte mit.
Wie sieht eigentlich Ihr Arbeitsalltag in Peking aus?
Oehms: Wir pflegen einen sehr intensiven Austausch mit den hier vertretenen deutschen Unternehmen, zum Beispiel bei Veranstaltungen und runden Tischen. Und auch mit Unternehmen in Deutschland, die sich dafür interessieren, Geschäfte in China zu machen. Wir beraten sie und organisieren Reisen. Außerdem vertreten wir die Interessen der deutschen Unternehmen gegenüber den Regierungen in China und Deutschland.
Können sich deutsche Unternehmen mit Fragen an Sie wenden?
Oehms: Sehr gerne – bei Fragen und Problemen aller Art steht die Deutsche Handelskammer in Nordchina als Ansprechpartner zur Verfügung.