Arbeiten in der Chemie

Wie Kunststoff durch Antioxidantien langsamer altert

· Lesezeit 2 Minuten.
Zwei Männer mit Schutzhelmen stehen vor einer Anlage.

Im Förderbandkanal hinter Thomas Bomba knackt es leise. Vorsichtig nimmt der Geschäftsführer der Chemiesparte von Raschig in Ludwigshafen ein durchsichtiges Stück heraus. Es handelt sich um das Alterungsschutzmittel „Ionol LC“ für zum Beispiel Kunststoffe.

Die chemische Substanz, ein sogenanntes Antioxidans, ist federleicht und zerbrechlich wie eine hauchdünne Scheibe Glas. Die speziellen Moleküle werden aus drei Hauptrohstoffen in Reaktoren hergestellt. Auf dem Förderband kühlt die fertige heiße Masse ab und zerplatzt in viele Stücke. Zu Pulver gemahlen, geht das Produkt an die Kunden. Rund 6.000 Tonnen liefert Raschig im Jahr weltweit davon aus.

Hersteller verlängern Haltbarkeit ihrer Produkte

Erfunden hat die raffinierten Moleküle Mutter Natur: „Antioxidantien sind Stoffe, die Organismen zum Selbstschutz produzieren“, erklärt Werkleiter Meinhard Langenbahn. Wie die Ascorbinsäure (Vitamin C) in Früchten. Sie verlangsamt zum Beispiel die bräunliche Verfärbung.

In der Industrie werden Antioxidantien gebraucht, um die Lebensdauer von Materialien zu verlängern. „Die Hersteller designen so die Haltbarkeit ihrer Endprodukte“, beschreibt es Langenbahn. Die lässt sich mit den Zusatzstoffen um ein Vielfaches verlängern. Ohne sie würden Kunststoffe und Gummi beispielsweise Risse bekommen, sich verfärben und zersetzen, also nur kurz überleben. Latexhandschuhe würden reißen, Klebstoffe zerbröseln, ölige Kosmetika ranzig werden. Der natürliche Abbau setzt oft nach wenigen Tagen oder gar Stunden ein.

Stoffe unterbrechen Alterungsprozess

Das Geheimnis der Antioxidantien: Sie binden Radikale und unterbrechen eine Reaktion (Oxidation), die das Altern verantwortet. „Radikale sind hochreaktive Sauerstoffteilchen“, erklärt Geschäftsführer Bomba. Sie bilden sich etwa durch Hitze und UV-Strahlung und sind ständig auf der Suche nach neuen Teilchen. In Kunststoffen heften sie sich an die Polymerketten: „Und zerschneiden die langen Reihen in kleine Stücke.“ Das Plastik verliert so seine Eigenschaften.

Schon eine geringe Dosis (gut ein Prozent) Antioxidans verbessert das Material. Dabei muss der Zusatzstoff mechanischen Belastungen standhalten, darf nicht färben, und es gelten strenge Sicherheitsstandards. „Made in Germany“ ist wegen des hohen Reinheitsgrads sehr gefragt, zum Beispiel in Asien. „Deshalb ist der Standort Ludwigshafen für uns besonders wertvoll“, sagt Bomba.

Mehr Chemie im Alltag gibt´s in unserer Rubrik Wissenschaffer, mehr Markt- und Innovationsführer aus Rheinland-Pfalz finden Sie in Made in Rheinland-Pfalz.

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