Das Wichtigste auf einen Blick
- Stress wird dann belastend, wenn die Anforderungen zu hoch und Ressourcen zu knapp sind.
- Warnsignale sind Erschöpfung, Reizbarkeit und sinkende Konzentration.
- Positiver Fokus, echte Pausen und gegenseitige Unterstützung im Team helfen wirksam gegen Stress.
Herr Strauch, wodurch entsteht typischerweise Leistungsdruck, speziell in der Chemieindustrie?
Stress ist erstmal etwas Positives. Der Grund: Stress hilft, zu lernen, sich weiterzuentwickeln und seine Leistungsgrenzen zu pushen. Zur Belastung wird er, wenn die Herausforderungen zu groß und die Ressourcen zu knapp sind. Das kann bei Fachkräftemangel der Fall sein. Oder wenn Anforderungen und Kompetenzen nicht zusammenpassen. Für Führungskräfte kommt gegebenenfalls hinzu, dass die Verantwortung immer größer wird. Trotz ihrer größeren Aufgabenbereiche sollen sie bei allen die Motivation erhalten. Das schafft zusätzlichen emotionalen Druck.
Was sind Warnsignale des Körpers bei Stress?
Erschöpfung, Reizbarkeit, mangelnde Konzentration und ein schwächerer Blick auf das Positive. Verzichtet man dann noch auf Pausen oder auf Absprachen im Team, sinkt die Kraft weiter, und Konflikte nehmen zu. Auf Dauer hat man mit höheren Krankenständen und möglicherweise mit mehr Sicherheitsvorfällen zu tun.
Was beruhigt einen bei Stress?
Den Blick auf das Positive muss man aktiv einüben, wenn man sich unter Druck fühlt. Denn sonst nimmt man die Situation negativ verzerrt wahr. Außerdem: raus aus dem Hamsterrad, rein in die Reflexion. Im Team sollte man gemeinsam darüber nachdenken, was Prio hat und wie man sich gegenseitig unterstützen kann. Es gilt, Klarheit darüber zu schaffen, was bis wann leistbar ist – und was liegen bleiben kann. Bewusste, echte Pausen sorgen für Regeneration.
Wie wichtig ist das Gemeinschaftsgefühl?
Sehr. Es schafft psychologische Sicherheit. Dies wiederum hilft, Belastungen und auch Fehler offen anzusprechen, ohne dass man Nachteile befürchten muss. Dann kann man die Aufgaben gemeinsam bewältigen und die Ergebnisse verbessern.
Worauf kommt es noch an, um resilienter zu werden?
Zum Beispiel darauf, genau das zu tun, was den eigenen Stärken wirklich entspricht. Dies herauszufinden, bedarf einiger systematischer Schritte. Führungskräfte und das jeweilige Teammitglied sollten gemeinsam schauen, wie sich auf dieser Basis die Stärken weiterentwickeln lassen – im Sinne der Mitarbeitenden und des Betriebs. Im Alltag wiederum sollte Positivität gelebte Praxis sein. Das heißt zum Beispiel, positiv in Teammeetings einzusteigen. Und sich täglich mehrere Dinge bewusst zu machen, die gut laufen. Nicht zuletzt gibt echtes Abschalten Kraft. Muße und Erholung verdienen Wertschätzung.