Warum Feedback oft unangenehm ist
Sich etwa in einem Entwicklungsgespräch etwas unwohl zu fühlen, sei normal, sagt Expertin Susanne Breuer – und zwar deshalb: „Weil die meisten von uns es nicht von Grund auf gelernt haben, mit Feedback positiv umzugehen, löst jede Rückmeldung oft auch ein bisschen Stress aus.“
Das liegt auch an der Unsicherheit, die damit verbunden ist: Was wird der Chef jetzt von mir wollen? „Feedback trifft auch oft einen blinden Fleck“, sagt Breuer. „Denn Chefs sehen an einem Mitarbeiter meist nicht alle Dinge, die ihn wirklich ausmachen.“
Die richtige Haltung
„Feedback sollten beide Seiten wie ein Geschenk sehen“, schildert Breuer. Warum? Ganz einfach: Es beinhaltet in der Regel viele wertvolle Chancen, sich weiterzuentwickeln. Der Beschenkte muss es auch nicht sofort auspacken.
Wichtig: Das Geschenk anzunehmen, ist ein Prozess und kein Zwang. Wer Feedback gibt, sollte seinem Gegenüber auch Zeit dafür geben, es zu verarbeiten.
Die richtigen Formulierungen
Für ein gutes, wertschätzendes Gespräch ist die wichtigste Grundvoraussetzung: Das Verhalten des Kollegen nicht direkt interpretieren! Sondern zunächst nur über die eigene Wahrnehmung sprechen. Statt „Du bist mit dem Kopf nur noch woanders“ lieber sagen: „Mir ist aufgefallen, dass du in Meetings weniger sprichst.“
Jede Interpretation sollte auch als Interpretation kenntlich gemacht werden, zum Beispiel: „Mein Eindruck ist, dass du den Kopf zurzeit nicht frei hast.“ Gerne verbunden mit dem Einstieg in einen Austausch: „Ich bin da etwas hilflos, muss ich mir Sorgen machen?“
Wie bereite ich ein Feedbackgespräch vor?
„Eine gute Vorbereitung ist sehr wichtig“, betont Trainerin Breuer. „Denn so geht man mit einer klaren Haltung ins Gespräch und kann gegensteuern, wenn es in eine falsche Richtung läuft.“ Zur Vorbereitung gehört es, sich diese drei Fragen zu beantworten:
- Was möchte ich mit dem Gespräch rückmelden, was ist das wirklich Wichtige daran?
- Welchen Zeitpunkt, Raum, Ort wähle ich bewusst dafür aus? Weniger gut ist, Feedback im Flur zu geben.
- Welche Wirkung soll das Feedback auf mich und mein Gegenüber haben und welche nicht? Zum Beispiel, dass der Mitarbeiter motivierter ist – aber nicht eingeschüchtert.
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Warum ist eine gute Feedbackkultur überhaupt wichtig?
Feedbackkultur – ist sie nur nice to have oder bringt sie Unternehmen einen konkreten Nutzen? Auch darüber sprach Wir.Hier. mit Konfliktcoachin Susanne Breuer.
Susanne Breuer: „Eine gute Feedbackkultur erhöht den menschlichen Reifegrad im Betrieb. Denn die Beschäftigten sind damit viel selbstreflektierter und erkennen leichter, was sie verbessern können. Andernfalls herrscht unbewusste Inkompetenz – sprich: die einzelnen Kollegen und Führungskräfte sind sich ihrer Schwächen nicht bewusst. Dadurch kann es sehr große Reibungsverluste geben.“
Was sind das konkret für Reibungsverluste?
„Solche Verluste entstehen zum Beispiel, wenn Führungskräfte denken, sie machen alles richtig, obwohl es Verbesserungspotenzial gibt. Oder wenn Leute für etwas eingesetzt werden, das sie nicht können oder innerlich ablehnen. Die Folgen können Ineffizienz sein, mangelnde Motivation oder Frust bis hin zur inneren Kündigung.“
Wie etabliert man die Kulturveränderung?
Breuer: „Trainings und Schulungen sind sinnvoll. Noch wichtiger aber ist, dass die Führungskräfte die neue Feedbackkultur vorleben, damit sich eine Art neue Normalität entwickeln kann. Geduld ist wichtig: Denn so eine Kulturveränderung braucht ihre Zeit – in der Regel bis zu einem Jahr oder sogar länger.“