Das Wichtigste in Kürze:
- Die Transformation der Industrie zeigt sich in vier Kerndimensionen: Dekarbonisierung, Digitalisierung, demografische Entwicklung und De-Globalisierung.
- Für diese Herausforderungen Lösungen zu finden, ist für Unternehmen nicht optional – sondern ein Muss, um wettbewerbsfähig zu bleiben.
- Für Unternehmen ist wichtig, ihre Beschäftigten im Transformationsprozess mitzunehmen.
Klimaschutz ist ein Muss
Für 41 Prozent der Industrieunternehmen in Deutschland hat die Reduzierung der CO2-Emissionen die höchste strategische Priorität. Das ergab jüngst das Dekarbonisierungsbarometer der Beratungsgesellschaft Ernst & Young. Nur mit Klimaschutz-Maßnahmen bleiben Betriebe wettbewerbsfähig und tragen zur Umsetzung der Klimaziele bei. Sechs von zehn Unternehmen planen, ihre Investitionen in die Dekarbonisierung trotz schwieriger Konjunktur weiter zu steigern.
Rheinland-Pfalz soll Klimaneutralität übrigens schon bis 2040 erreichen, vier Jahre früher als auf Bundesebene.
Betriebe brauchen Digitalisierung
Seit Corona hat sich die Geschwindigkeit der Digitalisierung in der Chemieindustrie um 56 Prozent erhöht! Das zeigt der Digitalisierungsindex des Instituts der deutschen Wirtschaft.
Betriebe digitalisieren etwa Verwaltungsfunktionen, Kundenschnittstellen oder die Auftragsverfolgung. Auch in der Entwicklung können digitale Werkzeuge wie die automatisierte chemische Synthese genutzt werden: das heißt, chemische Reaktionen werden maschinell gesteuert.
Für die Unternehmen der Branche ist Digitalisierung ein wichtiger Hebel, um effizienter zu werden und die Kosten zu senken.
Viele Kollegen gehen in Rente
In den Berufen der Chemieindustrie verlässt in den kommenden zehn Jahren bundesweit rund jeder Vierte altersbedingt den Arbeitsmarkt – insgesamt mehr als 1,5 Millionen Arbeitskräfte der Generation Boomer! Deshalb brauchen die Betriebe weiterhin viele Fachkräfte, selbst wenn die Nachfrage nach neuen Arbeitskräften durch die schlechte Konjunktur aktuell gedämpft wird.
Im Jahresdurchschnitt 2024 konnten mehr als 71.000 offene Stellen in branchentypischen Berufen rechnerisch nicht mit passend qualifizierten Arbeitslosen besetzt werden. Das liegt auch daran, dass in den Betrieben neue Skills benötigt werden: etwa für Digitalisierung und Nachhaltigkeit.
Die Globalisierung läuft rückwärts
Die weltweiten wirtschaftlichen und geopolitischen Verflechtungen werden weniger, insbesondere seit 2020. Sie sind aktuell auf dem niedrigsten Stand seit Beginn des Jahrhunderts. Das ergab eine Studie des Beratungsunternehmens Deloitte.
Verantwortlich sind Machtkämpfe unter Staaten, etwa durch Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine und Handelskonflikte zwischen den USA und China.
Für Unternehmen bedeutet das mehr Unsicherheiten bei den Lieferketten und im Export. Beispiel: Im September kündigte US-Präsident Donald Trump 100-prozentige Zölle auf den Import von Arzneimitteln an: ein Schock für hiesige Pharma-Exporteure.
Dass der Export in wichtige Absatzmärkte schwieriger wird, hat dazu beigetragen, dass die Produktion hierzulande zurückgegangen ist.
Was Transformation für Unternehmen bedeutet
Wir.Hier. hat bei Geschäftsführern nachgefragt, was Transformation für ihr Unternehmen bedeutet.
Dr. Peter Mrosik, geschäftsführender Gesellschafter der Profine Group: „Transformation ist für uns kein Selbstzweck, sondern der Schlüssel, um die Wettbewerbsfähigkeit unseres Unternehmens nachhaltig zu sichern. Sie verlangt Mut, bestehende Strukturen zu hinterfragen, neue Wege zu gehen und dabei das richtige Gleichgewicht zwischen Tradition und Innovation zu finden. Entscheidend ist dabei, dass wir unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter auf diesem Weg mitnehmen, um unsere gemeinsamen Potenziale voll entfalten zu können.“
Jürgen Neubert, Vorsitzender der Geschäftsführung bei Rhodius Abrasives: „Die Chemieindustrie im Werkzeugbereich steht vor einem tiefgreifenden Wandel. Für kleine und mittelständische Unternehmen bedeutet Transformation, bewährte Fertigungskompetenz mit digitalen Technologien und nachhaltigen Prozessen zu verbinden. Es geht nicht nur um Automatisierung und Effizienzsteigerung, sondern um eine strategische Neuausrichtung – mit dem Ziel, zukunftsfähig zu bleiben und neue Marktpotenziale zu erschließen. Der Schlüssel liegt in der Kombination aus Innovationskraft, Mitarbeiterentwicklung und dem Mut, gewohnte Pfade zu verlassen.“