Arbeiten in der Chemie

„Die Bereitschaft, sich weiterzubilden, ist wichtiger denn je“

· Lesezeit 3 Minuten.
Arbeitsmarktexpertin Dr. Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft, Köln
Mit Weiterbildung punkten: Darauf kommt es gerade jetzt an. Denn auf dem Arbeitsmarkt treffen Konjunkturschwäche und Fachkräftemangel zusammen, betont Expertin Andrea Hammermann vom Institut der deutschen Wirtschaft. Die richtigen Qualifikationen sind für Unternehmen und für Beschäftigte von zentraler Bedeutung. Foto: IW

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Die Nachfrage nach Fachkräften mit digitalen und MINT-Kompetenzen bleibt hoch. Zugleich erzeugt die schwache Konjunktur höhere Arbeitslosigkeit.
  • Weiterbildung ist daher der Schlüssel, um sich auf dem Arbeitsmarkt zu behaupten.
  • Führungskräfte sollten gerade Niedrigqualifizierte motivieren und beachten, dass Weiterbildungen gut in den Arbeitsalltag passen.
     

Eine Ausbildung machen und dann bis zur Rente denselben Job behalten – geht das künftig noch?

Auf alle Beschäftigten kommt zu, dass sich ihre Tätigkeit im Lauf des Arbeitslebens verändert. Man wird nicht 1:1 dasselbe machen bis zur Rente. Die Bereitschaft, sich weiterzubilden, ist wichtiger denn je. Es ist zwar nach wie vor üblich, über viele Jahre beim selben Arbeitgeber zu arbeiten. Aber die Beschäftigten müssen sich auf neue Technologien und neue Arbeitsabläufe einstellen.

Gibt es weitere Gründe, seine Qualifikationen up to date zu halten?

Ja. Die wirtschaftliche Schwäche zeigt sich immer mehr auf dem Arbeitsmarkt. Das heißt: höhere Arbeitslosigkeit. Gleichzeitig gibt es Fachkräfteengpässe. Daraus ergibt sich, dass sich Beschäftigte die Qualifikationen aneignen müssen, die gefragt sind. Auch auf Mobilität kommt es an: In einigen Regionen ist der Fachkräftemangel besonders ausgeprägt, in anderen gibt es kaum Jobzuwächse.

Welche Qualifikationen zählen ganz besonders für die neue Arbeitswelt?

Einen Abschluss zu machen bleibt wichtig, um ein gutes Einkommen und Sicherheit zu erreichen. Besonders gefragt sind Fachkräfte aus den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik (MINT). Die sind unerlässlich, damit die Transformation zur klimaneutralen Wirtschaft gelingt. Darüber hinaus zählen weichere Kompetenzen: Lernfähigkeit, Veränderungsbereitschaft, Resilienz. Und die Fortschritte bei künstlicher Intelligenz sollten Beschäftigte im Blick haben und entsprechende Tools bedienen können.

Nicht jeder hat Lust, sich neben einem anstrengenden Job Neues anzueignen. Wie gelingt erfolgreiche Weiterbildung?

Indem sie in den Arbeitsalltag integriert wird. Teams aus erfahrenen Kollegen und Berufseinsteigern zu bilden, ist zum Beispiel sehr sinnvoll. Es profitieren beide Seiten. Denn die einen bringen einen großen Erfahrungsschatz ein, die anderen neue Ideen oder digitale Kompetenzen. Da sehe ich auch die Beschäftigten in der Pflicht: Alle sollten eine gewisse Neugier und Offenheit zeigen, um sich in neue Tools reinzufuchsen und Kollegen um Hilfe zu bitten. Das gilt übrigens auch für die Arbeitszeitgestaltung: Wenn es in einem Betrieb flexible Gestaltungsoptionen gibt, sollten Beschäftigte bereit sein, im Notfall mal das Private zurückzustellen und beispielsweise den Tag im Homeoffice zu verschieben. Jeder sollte ein bisschen unternehmerisch mitdenken.

Mit welchen Anreizen schaffen es Führungskräfte, gerade bildungsfernere Beschäftigte für notwendige Weiterbildungen zu gewinnen?

Beschäftigte, die keinen formalen beruflichen Abschluss haben, sind leider in ihrem späteren Erwerbsleben seltener in Weiterbildungen aktiv. Um das zu ändern, sollte man den bestehenden Vorbehalten gegenüber dem Bildungssystem begegnen. Ein Ansatz ist: die individuellen Stärken der Mitarbeitenden auszubauen, statt nur auf ihre Defizite zu schauen. Zudem unterschätzen Niedrigqualifizierte oft den Nutzen von Weiterbildungen. Diese können ihre berufliche Perspektive verbessern und sich positiv auf ihre Einkommensentwicklung auswirken. Führungskräfte sollten daher klar die Vorteile und Ziele der Weiterbildung benennen. Dazu zählen eine aktive Begleitung und regelmäßige Mitarbeitergespräche. So lassen sich der Verlauf der Weiterbildung reflektieren und die Erfolgschancen verbessern.

  • Like
  • PDF
Schlagworte

Das könnte Sie auch interessieren

So verändert KI die Chemie

Die deutsche Chemieindustrie steht vor umwälzenden Veränderungen durch Künstliche Intelligenz (KI). Ob in der Produktion, im Labor oder im Büro: KI bringt enorme Fortschritte – aber auch Veränderungen für die Beschäftigten.

Wechseln zur Seite International Articles Wechseln zur Seite Wir.Hier.news.