Arbeitspolitik

Bei Rhodius klappt die Vereinbarkeit von Beruf und Familie

Wie die Rhodius-Geschäftsführerin Familienfreundlichkeit vorantreibt.

von Wiebke Bomas

· Lesezeit 3 Minuten.
Rhodius-Geschäftsführerin Frauke Helf. Foto: Susanne Duda
Rhodius-Geschäftsführerin Frauke Helf: Ihr ist die Vereinbarkeit von Beruf und Familie ein Anliegen. Foto: Susanne Duda

Gleiche Berufschancen für Frauen und Männer, mit oder ohne Kinder: Frauke Helf, Geschäftsführerin bei Rhodius im Eifelort Burgbrohl, macht damit Ernst. Seit sie das Familienunternehmen mit ihrem Bruder und Cousin in achter Generation übernommen hat, denkt der Hersteller von Mineralwasser und Schleifwerkzeugen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie bei jeder Personalentscheidung mit.

Als Helf nach ihrem BWL-Studium ein paar Jahre in großen Konzernen arbeitet, wird ihr klar: Das ist nicht meine Welt. „Im Personalbereich wurden nur Talente kurzfristig gefördert, anstatt eine langfristige Personalpolitik zu betreiben, die die Mitarbeiter in ihren unterschiedlichen Lebensphasen mitnimmt. Mütter oder Teilzeitverträge gab es so gut wie nicht.“

Familienunternehmen hätten eine andere Philosophie: „Nicht nur wir, auch unsere Mitarbeiter sind oft schon seit mehreren Generationen im Unternehmen. Bei Rhodius hat es schon immer eine sehr große Rolle gespielt, Mitarbeiter langfristig für das Unternehmen zu begeistern, um gemeinsam mit ihnen die Zukunft zu gestalten.“ Was Helf sich bei ihrem Einstieg vor sieben Jahren vorgenommen hat, ist vor allem, Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu fördern und neue Konzepte zu entwickeln.

Herausforderungen der Vereinbarkeit selbst erlebt

So beginnt die Unternehmerin in der Geschäftsführung Pionierarbeit für familienorientierte Personalpolitik. Bald bringt sie selbst zwei Töchter zur Welt und lernt die Herausforderungen der Vereinbarkeit kennen. Ihr wird klar, wie unterschiedlich Lösungen im Einzelfall aussehen. „Ich bin beim ersten Kind fünf Monate raus gewesen, beim zweiten war ich nach einer Woche das erste Mal wieder im Büro“, sagt die 38-Jährige und lacht. Die jüngste Tochter war unkompliziert und bürotauglich. „Das ist aber natürlich weder mit jedem Kind und jedem Arbeitsplatz möglich, noch ist das für jeden ein Vorbild.“

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Helf fragt die anderen Mütter in Diskussionsrunden, was sie brauchen. „Wir haben lange überlegt, was die richtigen Konzepte sind. Würde es zum Beispiel helfen, wenn der Kita-Platz vor Ort wäre? Es stellte sich aber heraus, dass eine Kita-Versorgung am Arbeitsplatz nicht unbedingt eine Hilfe ist, wenn der Arbeitsplatz des Partners oder der Wohnort woanders sind.“ Wichtig sind den Befragten dagegen Ferienbetreuung, Flexibilität und die Möglichkeit, von zu Hause zu arbeiten. „Wir arbeiten jetzt mit Anbietern von Feriencamps in Koblenz zusammen. Alle Mitarbeiter können ihre Kinder über uns eine Woche anmelden und bekommen das Camp finanziert.“

Für die weiteren Bedürfnisse findet Rhodius mit den Mitarbeitern und ihren Teams individuelle Vereinbarungen. „Wenn ein Kind krank ist, kann man, wenn die Arbeit es zulässt, auch von zu Hause arbeiten oder kurzfristig einen Tag freinehmen. In anderen Fällen gibt es Homeoffice oder Teilzeitlösungen.“

Vereinbarkeit von Beruf und Familie: stets im Blick bei Personalthemen

Helf versucht, bei Personalthemen immer die Vereinbarkeit von Beruf und Familie im Blick zu haben. „Da ich den Personalbereich verantworte, kann ich Einfluss nehmen und lege bei Diskussionen auch immer die Perspektive der Mutter in die Waagschale.“ Auch anspruchsvolle Positionen schreibt Rhodius bei Bedarf in Teilzeit aus. „Die Resonanz auf solche Stellen ist überwältigend, was zeigt, welchen Nachholbedarf und welche Nachfrage es hier gerade seitens der Mütter gibt.“ Bei solchen Lösungen ist aber auch klar, dass immer beide Seiten Kompromisse eingehen und flexibel sein müssen.

Trotz allen Einsatzes ist Frauke Helf immer noch Unternehmerin: „Wir haben jetzt schon Fachkräftemangel. Wenn wir da die Mütter nicht mitnehmen, wird das Problem noch größer.“ In Zukunft, ist sie überzeugt, wird das immer mehr auch für Mitarbeiter mit pflegebedürftigen Angehörigen und vielleicht auch stärker für Väter gelten. „Es ist die Verantwortung von jedem Vorgesetzten, gemeinsam Antworten zu finden. Das zahlt sich aus: Gerade Mitarbeiter, bei denen man sich flexibel gezeigt hat, sind besonders motiviert und loyal.“

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