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Chemieindustrie RLP: Wegweisende Innovationen

Welche Neuheiten Chemie- und Pharmaunternehmen im Südwesten entwickelt haben.

von Hans Joachim Wolter

· Lesezeit 3 Minuten.
Sehr interessiert: Grünen-Chef Robert Habeck (r.) besichtigt die im Bau befindliche Testanlage für Methanpyrolyse am BASF-Standort Ludwigshafen. Begleitet wird der Politiker von (v.l.) Dr. Detlef Kratz, dem Leiter des Forschungsbereichs Process Research & Chemical Engineering und Dr. Uwe Liebelt, Leiter European Site and Verbund Management, Werksleiter Ludwigshafen. Foto: BASF SE

Ungewöhnlicher Besuch bei der BASF: Grünen-Chef Robert Habeck schaute auf seiner Sommertour im Stammwerk des Chemiekonzerns vorbei. Besonders interessierte ihn ein neues Verfahren, mit dem die BASF aus Erdgas Wasserstoff gewinnen will: die Methanpyrolyse. Forscher des Konzerns arbeiten an einer neuen Prozesstechnologie. Mit ihr lässt sich der Energieträger der Zukunft ohne Klimagasausstoß und mit vergleichsweise geringem Stromverbrauch erzeugen. Aktuell baut der Konzern dafür eine Testanlage.

13 Milliarden Euro investierte die Branche in die Forschung

Es ist ein Beispiel für die Innovationsfähigkeit der Chemie- und Pharmaindustrie. 13 Milliarden Euro investierte sie letztes Jahr bundesweit in die Forschung, ein neuer Rekord. Jeder zehnte Beschäftigte entwickelt Neues. Auch im Südwesten entstehen Ideen. Ob unplattbarer Reifen, selbstreinigende Autosensoren oder recycelbarer Waschmittelbeutel: Von den Erfindungen profitieren Verbraucher, Handwerker und Umwelt.

Behandlung von Corona. Bei Boehringer Ingelheim arbeiten über 100 der 9.000 Forscher an Therapien gegen das Virus. Sie entwickeln Antikörper gegen ein wichtiges Oberflächeneiweiß des Krankheitserregers. Sie screenen am Computer und im Labor die riesige Molekülsammlung des Konzerns und untersuchen Wirkstoffe, die der Konzern gegen Aids und Hepatitis C entwickelt hatte. Interessante Stoffe werden an der Uni Löwen (Belgien) im Hochsicherheitslabor getestet.

Der Screening-Roboter bei Boehringer testet bis zu 100.000 potenzielle Arzneistoffe in 24 Stunden. Foto: Böhm Mediendienst.

Nie mehr einen Platten. Ein neuer Reifen vom Hersteller Michelin macht das möglich. Er wird nicht mit Luft aufgepumpt. Stattdessen verbinden glasfaserverstärkte Kunststoffspeichen seine Alufelge mit der Lauffläche aus Gummi. Sie puffern Unebenheiten der Fahrbahn ab. Im Elektroauto Chevrolet Bolt ist der Konzeptreifen („Uptis“) schon im Dauertest, Marktstart ist 2024. Autoexperte Professor Stefan Bratzel vom CAM-Institut bewertet ihn als „Durchbruchinnovation“.

Unplattbarer Reifen: 2024 will Michelin die Neuentwicklung "Uptis" auf den Markt bringen. Foto: General Motors / Steve Fecht.

Stets saubere Sensoren. Dafür sorgt ein Reinigungssystem von Röchling Automotive. Bei Regen, Schnee, Schmutz sprühen Düsen die empfindlichen Sensoren und Kameras von Fahrassistenzsystemen frei. „Damit die Sensoren beim automatisierten Fahren zuverlässig arbeiten“, sagt Senior Marketing Manager Katrin Biedebach. Das System von Röchling („AACS“) regelt dabei selbstständig Druck, Dosierung und Wasserverbrauch.

Metalllack für alle Untergründe. Ein neuer Lack von Jansen Lacke in Ahrweiler haftet auf allen Metallen, selbst auf glatten Pulverlack-Oberflächen. Das erleichtert Malern das Lackieren von Metalltüren, Garagentoren, Geländern und Fassaden. Sie können den Lack („Aqua Metallschutz 3 in 1“) streichen, rollen oder sprühen. „Die Qualität der Oberfläche ist dabei immer gleich“, sagt Laborleiter Heinrich Krebsbach.

Ein neuer Metallschutz von Jansen erleichtert Malern das Handwerk. Foto: Stephan Wirwalski.

Waschmittel im recycelbaren Beutel. Dafür bekam das Mainzer Unternehmen Werner & Mertz (Marke „Frosch“) 2019 den Deutschen Verpackungspreis. Markenname und Anwendungshinweise sind auf eine extra Banderole gedruckt, so lässt sich der eigentliche Beutel ohne Kontamination durch Farbe hochwertig recyceln. Die Verpackung verbraucht 70 Prozent weniger Material als Plastikflaschen gleichen Inhalts.

PVC-Fenster ohne Stahlverstärkung. Die hat Hersteller Profine in Pirmasens mithilfe des Hightech-Werkstoffs Ultradur der BASF entwickelt. Die neuen Profile wiegen ein Viertel weniger als die mit Stahl, erleichtern die Montage und dämmen besser.

Nicht zuletzt hat die BASF viele Innovationen zu bieten. Wie etwa einen umweltschonenden und fleckenresistenten Möbellack auf Wasserbasis. Oder ein handliches Messgerät, mit dem sich Kunststoffe in Sortieranlagen identifizieren lassen. Oder kompostierbaren Kunststoff für Frischhaltefolie. Immerhin etwa 11.000 BASF-Forscher tüfteln weltweit an Neuentwicklungen. Rund 1.000 Patente meldeten sie zuletzt an.

Lesen Sie auch den Kommentar von Til Huber vom Deutschen Patent- und Markenamt zur Leistungsfähigkeit der Chemie-Industrie.

 

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