Kunststoffgranulat

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Erfolgsstory eines Werkstoffs

Kunststoff: Vor 100 Jahren kam einem Professor die zündende Idee.

· Lesezeit 2 Minuten.

Er ist bunt, macht Autos und Flieger leicht, hält Häuser warm, die Füße trocken und Lebensmittel frisch: Kunststoff. Dieser robuste und vielseitige Werkstoff ist aus dem Alltag nicht wegzudenken. Ob Windrad, Kühlschrank oder Smartphone – Kunststoff ist das Material der Moderne.

Vor 100 Jahren ging seine Erfolgsstory richtig los. Da veröffentlichte der Chemieprofessor Hermann Staudinger einen Artikel, in dem er erstmals kettenförmige Moleküle als Grundstruktur dieser Stoffe beschrieb. 1922 prägte er dann den Begriff „Makromolekül“ für die Molekül-Riesen. Der gebürtige Wormser, der 1953 mit dem Chemie-Nobelpreis geehrt wurde, erfasste als Erster, was ein Kunststoff ist. Und wies damit den Forschern den Weg. Viele Firmen gründeten damals Laboratorien für „makromolekulare Chemie“.

Kunstfasern weben an der Mode des Wirtschaftswunders mit

Erste Materialien aus den Riesen-Molekülen waren da bereits auf dem Markt. Wie etwa Gummi. Oder „Bakelit“. Das war in der Elektroindustrie begehrt und startete seinen Siegeszug in den „Roaring Twenties“: Radios, Telefone und Lichtschalter wurden aus dem schicken Material gefertigt.

Bald entwickelten Chemiker fieberhaft neue Materialien. Otto Röhm etwa stellte das transparente „Plexiglas“ her. Der Erfinder dürfte nicht geahnt haben, dass sein Kunststoff 90 Jahre später als Spuckschutz gegen Corona enorm gefragt sein würde.

Zurück in die unruhigen 1930er: Schnell Karriere machte eine Faser, die ein US-Chemiker erfunden hatte. Unter dem Handelsnamen „Nylon“ ließ sie ab 1938 Frauenherzen höherschlagen. Der deutsche Chemiekonzern IG Farben zog im Jahr darauf mit der Produktion von „Perlon“ nach.

Tragkraft von Nylon: Gleitschirmflieger bei einem Trainingsflug. Foto: stock.adobe.com/Friedberg

Im Wirtschaftswunder webten die synthetischen Fasern kräftig an Kleidern und Kitteln, Blusen und Hemden der Bundesbürger mit. Zugleich startete die Chemieindustrie in großem Stil die Produktion von Standardkunststoffen. Die verpackten nun Lebensmittel und Kosmetik, eroberten Küche und Kühltruhe, Bad und Waschküche. Und fuhren im Auto mit. 2020 schließlich stellte die deutsche Chemie 18 Millionen Tonnen Kunststoff her. Rund 3.200 Erzeuger- und Verarbeiterfirmen gaben 375.000 Menschen Arbeit und setzten 85 Milliarden Euro um.

Knapp die Hälfte der Plastikabfälle wird hierzulande stofflich recycelt

Doch der Erfolg des langlebigen Materials hat Schattenseiten: Die Müllberge aus Plastik wachsen. Findige Chemiker schufen deshalb biobasierte Kunststoffe und solche, die biologisch abbaubar sind. Etwa Ecovio von BASF, den Landwirte als Mulchfolie verwenden.

Deutschland sammelt jährlich 6,3 Millionen Tonnen Kunststoffabfälle. Aber nur 47 Prozent werden als Werk- oder Rohstoff wiederverwertet. Das Recycling von Verpackungen – auch aus der gelben Tonne – treibt seit Jahren der Mainzer Reinigungsmittelhersteller Werner & Mertz voran. Er hat schon 499 Millionen Produktflaschen aus recyceltem PET verkauft.

BASF will zusammen mit Partnern nun auch das chemische Recycling von nicht recycelbarem Plastikabfall voranbringen. In einer Anlage soll daraus Pyrolyse-Öl gewonnen und in der Produktion als Rohstoff genutzt werden („ChemCycling“). Das Ziel: ab 2025 jährlich 250.000 Tonnen recycelte Rohstoffe zu verarbeiten. Kunststoff ist also immer wieder und immer noch für Innovationen gut.

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