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Kabinettsmitglieder und Tarifpartner legen die Nationale Chemieagenda vor

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Kabinettsmitglieder und Tarifpartner legen die Nationale Chemieagenda vor
Federführend bei der Nationalen Chemieagenda: Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche will Chemie- und Pharma mit gezielten Energiepreisentlastungen und EU-Reformimpulsen stärken. Foto: Presse- und Informationsamt der Bundesregierung

Das Wichtigste in Kürze:

  • Die Nationale Chemieagenda setzt den Fokus auf günstigere Energie, schnellere Innovationen und weniger EU‑Bürokratie für Chemie und Pharma.
  • Die Bundesregierung plant Sofortentlastungen, will das Wasserstoffnetz und die Kreislaufwirtschaft ausbauen sowie die Dekarbonisierung voranbringen.
  • Der VCI und die IGBCE fordern die zügige Umsetzung und Weiterentwicklung der Nationalen Chemieagenda, damit die Branche aus der Krise kommt.

Die Nationale Chemieagenda: Von hochrangigen Akteuren entwickelt

Seit Dezember 2025 arbeiteten Bundesministerien, Unternehmen, Verbände, Sozialpartner sowie Landesvertretungen daran, Schritte für die deutsche und EU-Politik für mehr Wettbewerbsfähigkeit der Chemie- und Pharmaindustrie zu formulieren. Damit erfüllen sie einen Auftrag aus dem Koalitionsvertrag. Das Ergebnis liegt jetzt vor. Die wichtigsten Handlungsfelder sind:

  • Energie- und Klimapolitik: Hier geht es vor allem um niedrigere Energiepreise, den effizienten Ausbau der Erneuerbaren und eine Reform des Emissionshandels.
  • Innovation und Zukunftsmärkte: Ein Schub für die Kreislaufwirtschaft, kürzere Time-to-Market bei Biotech-Innovationen und mehr Rückenwind für die Materialforschung stehen im  Fokus.
  • EU-Vorgaben: Hier wollen die Beteiligten mehr Realismus und weniger Bürokratie, etwa in den Bereichen REACH, Emissionen und Abwasser.

Damit die Umsetzung glatt läuft, beruft das federführende Bundesministerium für Wirtschaft und Energie nun einen Steuerungskreis ein.

„Die Zukunft des Chemiestandorts Deutschland entscheidet sich jetzt. Die Branche steht am Anfang unserer industriellen Wertschöpfung und ist zugleich besonders unter Druck. Der größte Wettbewerbsnachteil sind derzeit die Energiepreise“, betonte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche. „Deshalb handeln wir jetzt mit gezielten Entlastungen bei den Stromkosten und klaren Reformimpulsen in Europa.“

Die Sozialpartner hoffen auf eine zügige Umsetzung

Auch der Verband der Chemischen Industrie (VCI) sowie die Gewerkschaft IGBCE waren eingebunden. VCI Präsident Markus Steilemann resümierte: „Die Bundesregierung hat einen wichtigen Prozess angestoßen. Der Befund stimmt – aber dabei darf es nicht bleiben. Entscheidend ist, dass schnell spürbare Entlastungen folgen.“ Der VCI wolle die Chemieagenda gemeinsam mit der Regierung weiterentwickeln. Daraus müsse „ein wuchtiges Paket für Chemie, Pharma und Biotechnologie werden“.

Der IGBCE-Vorsitzende Michael Vassiliadis ergänzte: „Wir begrüßen, dass viele unserer langjährigen Forderungen Eingang in die Chemieagenda 2045 gefunden haben. Nun müssen den Worten auch zügig Taten folgen, damit die chemische Industrie endlich aus der Krise kommt.“

Es sind etliche Entlastungen vorgesehen

Die Umsetzung der beschlossenen Chemieagenda-Ziele soll in drei Phasen erfolgen:

  • 2026 bis 2027: Stabilisierung und Sofortmaßnahmen: Der Industriestrompreis und eine Reform des Europäischen Emissionshandels sollen für Entlastung sorgen. Zu den weiteren To-dos zählen Stabilisierungsmaßnahmen für die Chemieparks und Raffinerien.
  • 2026 bis 2030er Jahre: Transformation und Skalierung: Der Aufbau der Wasserstoffinfrastruktur und die Stärkung der Kreislaufwirtschaft durch den Massenbilanzansatz, chemisches Recycling und Rezyklatquoten zählen zu den wichtigsten Schritten. Zudem sollen Demonstrationsanlagen, eine modernere Biotech-Regulierung und einheitlichere Zulassungsverfahren die Innovationskraft fördern.
  • 2030er Jahre: Industrielle Transformation und Technologieführerschaft: Die Dekarbonisierung erfolgt durch Wasserstoff und Elektrifizierung. KI, digitale Forschungssysteme und Quantencomputing treiben die Erneuerung in Forschung und Produktion voran.

Bundesumweltminister Carsten Schneider erklärte: „Die Chemieindustrie ist ein für Deutschland unverzichtbarer Innovationsmotor.“ Er habe sich in Brüssel für branchenspezifische Belange bei der Zuteilung kostenloser Emissionsrechte eingesetzt. Es dürfe jedoch nicht bei kurzfristigen Entlastungen bleiben: „Weiteres industriepolitisches Engagement ist nötig, gerade mit Blick auf die Chemie-Standorte in Ostdeutschland.“

 

 

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