Das Wichtigste in Kürze:
- Die Chemie- und Pharmaindustrie steht vor neuen Engpässen bei wichtigen Rohstoffen wie Ammoniak, Helium und Phosphat.
- Produktion und Umsatz sind im vergangenen Jahr in der chemischen Industrie weiter eingebrochen – nur in der Pharmaindustrie gibt es Lichtblicke.
- In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen insgesamt zuletzt deutlich gestiegen.
Erste Hinweise auf Störungen internationaler Lieferketten
Der Irankrieg sorgt in der Chemie- und Pharmaindustrie für große Unsicherheit. Für die Branche, die unter einer schwachen Industriekonjunktur, hohem Importdruck und einem intensiven Preiswettbewerb leidet, bedeutet dieser Krieg weitere Risiken durch die Blockade der Straße von Hormus – nicht nur, was die Öl- und Gasversorgung betrifft: Es bestehe die Sorge ernster, zunehmender Versorgungsengpässe bei Rohstoffen, betont der Verband der Chemischen Industrie (VCI) – zum Beispiel bei Ammoniak und Phosphat, Helium und Schwefel. Zusätzlich gebe es erste Hinweise auf Störungen bei internationalen Lieferketten.
„Je länger der Krieg dauert, desto heftiger die Folgen.“
VCI-Hauptgeschäftsführer Wolfgang Große Entrup betonte: „Schon vor dem Irankrieg gab es keine Aufbruchstimmung. Je länger der Krieg dauert, desto heftiger sind die Folgen.“ Die Jahresbilanz speziell der chemischen Industrie (ohne Pharma) für das Jahr 2025 sei „unterirdisch“, so drückte es Große Entrup aus: Die Unternehmen produzierten im Schnitt nochmal 3 Prozent weniger als im Vorjahr – während es in der Pharmaindustrie immerhin Lichtblicke gibt.
Unsicherheit erschwert die strategische Planung der Betriebe
Das Jahr 2026 wird für die Branche offenbar nicht leichter. „Nach dem Regierungswechsel hatten wir uns deutlich mehr erhofft“, sagte Große Entrup. „Der Frust in den Unternehmen über die wirtschaftspolitische Kurskorrektur mit angezogener Handbremse ist groß. Die hohen Preise und die anhaltende Unsicherheit bringen viele Betriebe an ihre Grenzen.“
Strategische Planung sei immer weniger möglich. Ohne echten Reformwillen und Reformtempo in Berlin und Brüssel drohe ein Strukturbruch für die industrielle Basis. Deshalb lasse sich die Entwicklung der Chemie- und Pharmaindustrie im Jahr 2026 aktuell nicht verlässlich prognostizieren.
Ifo-Institut korrigierte seine Wachstumsprognose nach unten
Das ifo Institut hat seine Wachstumsprognose angesichts des Nahostkriegs nach unten korrigiert. Ein kurzfristiger Energiepreisanstieg würde das Wirtschaftswachstum in diesem Jahr gegenüber Vorkriegs-Schätzungen um rund 0,2 Prozentpunkte verlangsamen, so dass das Institut für dieses Jahr nur noch mit einem Wachstum von 0,8 Prozent rechnet.
In Rheinland-Pfalz ist die Zahl der Unternehmensinsolvenzen in den letzten Jahren stark gestiegen
Die anhaltende Krise wirkt sich auch in Rheinland-Pfalz aus. Hier hat sich die Zahl der Unternehmensinsolvenzen über alle Branchen hinweg seit dem Jahr 2021 fast verdoppelt – insgesamt 1.002 Unternehmen mussten im vergangenen Jahr Insolvenz anmelden.