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Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie: Lieferketten bei Profine

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Nachhaltigkeit in der Chemieindustrie: Lieferketten bei Profine
Alexander Franke von Profine. Foto: Daniel Roth

Über neue Fenster denken angesichts der hohen Energiepreise gerade viele nach. „Wir profitieren von diesem Trend“, sagt Alexander Franke, der in der Geschäftsführung von Profine als Chief Supply Chain Officer (CSCO) für die Lieferketten zuständig ist. Profine ist mit einer Produktionskapazität von rund 450.000 Tonnen jährlich einer der größten Hersteller von PVC-Profilen für Fenster und Türen und verkauft in mehr als 100 Länder. In Pirmasens hat das Unternehmen mit mehr als 1.100 Mitarbeitern weltweit den größten Produktionsstandort.

Von 700 Millionen Euro im Vor-Corona-Jahr 2019 steigerte Profine den Umsatz 2021 auf mehr als 900 Millionen Euro. „Wir arbeiten unter Volllast in allen europäischen Werken und standen nicht ein einziges Mal still“, sagt Franke. Das ist eine stolze Leistung, denn auf Corona folgte der Krieg in der Ukraine, und gewachsene Lieferstrukturen fielen reihenweise aus. Immer wenn Franke und sein Team dachten, das Schlimmste sei schon eingetreten, kam es noch schlimmer.

Ungebremster Einsatz für mehr Nachhaltigkeit

Was wie die Just-in-time-Produktion lange selbstverständlich war, ist jetzt hinfällig. „Wir können uns nicht mehr so stark auf andere verlassen. Deshalb erweitern wir die Lagerkapazitäten und erhöhen die Sicherheitsbestände“, zählt der Manager auf. Auch früher habe Profine nicht auf eine einzige Quelle vertraut: In Europa gebe es sieben bis acht PVC-Produzenten, mit fast allen arbeite man gut zusammen. Die Lieferanten noch stärker zu Partnern zu machen, das sei das Gebot der Stunde.

 Franke und Fahrer Detlef Urbach – auch die Logistik soll noch nachhaltiger werden. Foto: Daniel Roth
Grünere Wege: Franke und Fahrer Detlef Urbach – auch die Logistik soll noch nachhaltiger werden. Foto: Daniel Roth

Es geht aber nicht nur um die wirtschaftliche Nachhaltigkeit in der Lieferkette. Auch die ökologische Nachhaltigkeit treibt Profine stetig voran. „Unser Produkt ist eine Blaupause für Nachhaltigkeit“, betont Franke. „Daran arbeiten wir ungebremst weiter. Das Klima wartet nicht, bis die Pandemie oder der Krieg beendet sind.“ Der 35-Jährige ist auch für die Materialentwicklung verantwortlich und stolz, dass sein Unternehmen Branchenpionier für Umweltschutz ist. Profine hat als erster Hersteller von PVC-Fensterprofilen bleifreie Stabilisatoren eingesetzt und arbeitet ständig an einer noch grüneren Rezeptur. Der Kunststoff wird aus Naphta, einem Öl-Produkt, gewonnen. Einige Zulieferer arbeiteten derzeit an einem biobasierten PVC: „Das wird eine deutliche CO2-Ersparnis bringen“, glaubt Franke. Zudem sammelt Profine alte Profile, schreddert und verarbeitet sie zu Granulat. Dieses Rezyklat wird mit Frischmaterial zu neuen Produkten. 2020 hat das Unternehmen sogar ein Fensterprofil aus 100 Prozent Rezyklat auf den Markt gebracht. Dass in der Produktion kein Granulat verloren geht und in die Umwelt gelangt, ist ebenfalls Ziel des Herstellers, der sich dazu in der Brancheninitiative „Zero Pellet Loss“ engagiert.

„Wir haben noch eine ganze Reihe Ideen in der Pipeline“, versichert Franke. Beispiel Verpackung: Profine setzt als erster Profilhersteller Verpackungsfolien ein, die vor allem aus Haushaltskunststoffen und Ozeanplastik bestehen. Weil sie nicht sortenrein sind, werden solche Abfälle sonst meist verbrannt. Profine und sein Kooperationspartner Infolio haben hochwertige Verpackungen daraus entwickelt, die den „Blauen Engel“ tragen. Sämtliche Folienabfälle wollen die Partner künftig verarbeiten und wiederverwenden. „Wir diskutieren mit den Kunden, was wir tun können, um effizienter zu werden. Verpackung lässt sich zum Beispiel sparen, indem man vernünftige Losgrößen beschafft“, erklärt Franke. Und mehr politische Unterstützung für den Schienentransport würde die Profine-Logistik noch grüner machen.

Eigengewächs mit steiler Karriere

Nachhaltigkeit liegt dem Familienvater auch privat am Herzen. Die Familie kauft bio und regional ein und fährt mit Strom. Seit Franke in der Pfalz lebt, schnürt er regelmäßig die Wanderschuhe und geht raus in den Wald: „Eine willkommene Möglichkeit, vom Berufsalltag abzuschalten.“

Draht zu Lieferanten: Alexander Franke ist Chief Supply Chain Officer bei Profine. Foto: Daniel Roth

Frankes Karriere wiederum steht für nachhaltige Personalpolitik: Vor 17 Jahren als Schülerpraktikant in die Profine-Zentrale gekommen, machte er eine Ausbildung als Industriekaufmann und arbeitete als einer der wenigen Nicht-Akademiker im Controlling. Es folgten Stationen im Einkauf und im Vertrieb sowie an Standorten in Südeuropa und den USA. Heute ist Franke für rund 1.000 Mitarbeiter in der Materialentwicklung, dem Einkauf, der Produktionsplanung, dem Auftragsmanagement und der Logistik verantwortlich.

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