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Mühsam, aber erfolgreich: Die Chemie auf dem Weg zur Klimaneutralität

Unternehmen der Chemie-Industrie trimmen ihre Produkte und Prozesse auf Nachhaltigkeit – wie Michelin, Profine und Lohmann.

von Sabine Latorre

· Lesezeit 3 Minuten.
PET-Flaschen und ein Autoreifen
Abfall im Reifen: In den Pneus von Michelin stecken PET-Flaschen. Foto: Michelin

Michelin: Ab 2050 nur noch nachhaltige Reifen

Die Welt wird immer mobiler, dafür benötigt sie Reifen. Michelin, einer der größten Hersteller weltweit, will ab 2050 nur noch nachhaltige Pneus produzieren. Darum soll auch die gesamte Produktion ab diesem Zeitpunkt möglichst klimaneutral sein.

Viele Projekte tragen zu mehr Nachhaltigkeit bei

Am Standort Bad Kreuznach haben zum Beispiel zahlreiche Energie- und Umweltprojekte schon heute zu einer Reduktion des Kohlendioxid-Ausstoßes um 62 Prozent im Vergleich zum Jahr 2010 geführt. Mehrere Millionen Pneus laufen hier pro Jahr vom Band, der Strom für die Produktion kommt zunehmend aus werkseigenen Photovoltaikanlagen. 

Das Unternehmen nutzt die Chancen des Recyclings

Emissionen lassen sich auch im Bereich Entwicklung einsparen – zu Beispiel mit Simulationssoftware. Foto: Michelin

Emissionen lassen sich auch im Bereich Entwicklung einsparen – zu Beispiel mit Simulationssoftware. Foto: Michelin

Besonders die Materialien stehen auf dem Prüfstand: Es gibt bereits Pkw- und Busreifen, die bis zu 58 Prozent aus nachhaltigen Zutaten bestehen. So stecken in einen Reifen dank Hightech-Recyclingverfahren bis zu 143 Joghurtbecher und rund 12,5 PET-Flaschen. Künftig will das Unternehmen mehr Naturkautschuk einsetzen sowie recycelten Ruß, Öle – etwa Sonnenblumenöl und biobasierte Harze – und Silica aus Reisschalen. Und im Reifengürtel? Steckt recycelter Stahl! Zudem sollen die Pneus noch länger halten: Laut ADAC erzeugen die Michelin-Reifen auf 40.000 zurückgelegten Kilometern pro Satz 3,8 Kilo Abrieb. Der Durchschnitt liegt bisher bei 4,8 Kilo. Erreichen Reifen das Ende ihrer Lebensdauer, will das Unternehmen daraus neuen Rohstoff gewinnen – daran wird intensiv geforscht. 

Profine: Umweltfreundliche Fensterprofile sparen kräftig Co2

Ausgezeichnet: Zertifikat für die "bio-attributierte" PVC-Profile. Foto: profine

Ausgezeichnet: Zertifikat für die "bio-attributierte" PVC-Profile. Foto: profine

Gut ausgewählte Fenster schonen das Klima. Das gilt besonders für die neuen Fensterprofile des Spezialisten Profine aus Pirmasens – mit sogenanntem „bio-attribuiertem“ PVC. Mit seiner Neuentwicklung setzt er einen Meilenstein beim Häuslebau und -renovieren. Ausgangsprodukt dieser neuen Kunststoff-Generation ist nachwachsender Rohstoff wie Kiefernöl: Es ersetzt das Erdöl, das man bei der Herstellung von Ethylen verwendet.

Peter Mrosik, Geschäftsführer von Profine. Foto: profine

Peter Mrosik, Geschäftsführer von Profine. Foto: profine

Peter Mrosik: „Unser Ziel ist der nachhaltige Kreislauf für hochwertige Produkte aus Kunststoff, hier wollen wir Vorbild sein. Deshalb werden wir auch in Zukunft dauerhaft an nachhaltigen Produktlösungen arbeiten.“

Diese Neuentwicklung bringt gegenüber herkömmlichem Kunststoff eine 90-prozentige Reduzierung  von Treibhausgasemissionen – was einer Einsparung von zwei Kilogramm CO2 je Kilogramm Materialeinsatz entspricht. Das nachhaltige Fensterprofil ist bereits im Einsatz und wurde jüngst in 113 Fenster sowie Türen in ein Projekt in den Niederlanden montiert. „Alleine durch diese Innovation werden bei dem Projekt rund 6.000 Kilogramm CO2 eingespart“, sagt Jelmer Bijlsma, Nachhaltigkeitsmanager von Profine in den Niederlanden.Peter Mrosik, Geschäftsführer von Profine, versichert: „Unser Ziel ist der nachhaltige Kreislauf für hochwertige Produkte aus Kunststoff, hier wollen wir Vorbild sein. Deshalb werden wir auch in Zukunft dauerhaft an nachhaltigen Produktlösungen arbeiten.“  

Lohmann: Biobasiertes Klebeband schont die Umwelt

Gleich zweimal wurde der Hightech-Klebebandspezialist Lohmann in Neuwied kürzlich für sein Umweltengagement ausgezeichnet.

50 Prozent des Klebstoffes der „ECO-Klebebänder“ biobasiert und kommen zudem ohne Lösemittel aus. Foto: LTS

50 Prozent des Klebstoffes der „ECO-Klebebänder“ biobasiert und kommen zudem ohne Lösemittel aus. Foto: LTS

 Smarter Rohstoffeinsatz verbessert die Nachhhaltigkeit 

•    Den Innovationspreis Rheinland-Pfalz 2023 gab es für ein lösemittelfreie Beschichtungsverfahren. Es senktden Energieverbrauch pro Quadratmeter Klebeband um 66 Prozent. 
•    Ausgezeichnet wurden zudem die lösemittelfreien und durch UV-Licht aktivierbaren Klebebänder (UV-LUX).

Doch auf dem Erfolg ruht sich das Traditionsunternehmen nicht aus. Neueste Entwicklungen drehen sich um nachwachsende Rohstoffe: Schon heute sind 50 Prozent des Klebstoffes der „ECO-Klebebänder“ biobasiert und kommen zudem ohne Lösemittel aus. Die Tapes verfügen über eine hohe Alterungsbeständigkeit und sind auch auf recycelten Substraten wie Karton oder Werkstoffen auf Maisstärkebasis anwendbar.

Das Unternehmen will schon bis 2035 die Klimaneutralität in Neuwied erreichen

Und: Alle deutschen Standorte beziehen zu 100 Prozent Ökostrom. „Als Unternehmen, das sich der Innovation und Nachhaltigkeit verschrieben hat, sind wir bestrebt, unsere Kunden mit herausragenden Produkten und Lösungen zu begeistern", versichert Geschäftsführer Carsten Herzhoff. Bis 2035 will Lohmann klimaneutral werden. 
 

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