Politik & Wirtschaft

Deutschland macht sich schön

· Lesezeit 1 Minute.
Frau zieht Lippenstift nach
Schnell nachziehen: Nach zwei Jahren mit Corona-Einschränkungen waren Lippenstift, Mascara und Co. verstärkt gefragt. Foto: igor_kell - stockadobe.com

Gut aussehen und duften – 2022 war das richtig angesagt. Nach zwei Jahren Corona endlich wieder unbeschwert ausgehen! Ins Kino, ins Theater, ins Konzert, in die Disco. Menschen treffen, Schönes erleben, Spaß haben!

Da hatten viele Deutsche enormen Nachholbedarf. Und deshalb saß das Portemonnaie bei Kosmetika und Körperpflegemitteln ziemlich locker. Um mehr als 30 Prozent schoss der Umsatz mit Düften hoch, um 16 Prozent der mit Lippenstift, Mascara und Nagellack, um 8 Prozent mit Deos.

Daran änderten auch Krieg und Energiekrise nichts. Georg Held, Vorsitzender des Industrieverbands Körperpflege- und Waschmittel, sagt: „Laut Studien ist Schönheitspflege für Menschen essenziell – gerade auch dann, wenn die Zeiten unsicherer werden.“

Uni Trier zählt Hersteller Sebapharma zu den Hidden Champions

Darauf bauen Firmen wie Sebapharma, Zschimmer & Schwarz oder BASF. Die Kosmetik-Branche setzte letztes Jahr 14 Milliarden Euro um, Wasch- und Reinigungsmittel hinzugerechnet sogar 19,5 Milliarden. Ihre mehr als 400 Unternehmen geben 50.000 Menschen Arbeit. Und sie haben Erfolg im Export.

Beispiel Sebapharma in Boppard: Der Mittelständler (200 Mitarbeiter) zählt laut Uni Trier zu den 146 Hidden Champions, den „geheimen Weltmarktführern“, im Südwesten. Er vertreibt 100 Produkte für Hautreinigung und -pflege (Marke „Sebamed“) in über 100 Ländern weltweit. Die Nachfrage nimmt deutlich zu. Deshalb kaufte Sebapharma vor Kurzem eine Produktionsstätte in Norderstedt (Schleswig-Holstein) hinzu und will sie ausbauen.

Zur Erfolgsformel gehören Innovationen. 2021 brachte Sebapharma Duschen im festen Format auf den Markt. Die feste Dusche spart Wasser beim Herstellen, Energie beim Transport, Kunststoff bei der Verpackung. Ihre waschaktiven Tenside basieren auf pflanzlichen Rohstoffen. Auch Shampoo gibt es fest.

Auf diesen Trend setzt auch der Spezialitäten-Hersteller Zschimmer & Schwarz in Lahnstein (1.500 Beschäftigte weltweit). „Feste Produkte gewinnen in der Kosmetik- und Körperpflegebranche zunehmend an Beliebtheit“, sagt Stefano Ferrigato, Global Director Personal Care Division. „Wir bieten hierfür zahlreiche maßgeschneiderte Inhaltsstoffe, die für sämtliche Anwendungen in der Körperreinigung geeignet sind.“ Etwa eine Syndetvormischung, die völlig aus nachwachsenden Rohstoffen besteht und nach dem Cosmos-Standard für Naturkosmetika zertifiziert ist.

Zschimmer & Schwarz betreibt drei Kompetenzzentren für Kosmetik

Der Geschäftsbereich Personal Care von Zschimmer & Schwarz (27 Mitarbeitende) betreibt drei Kompetenzzentren für anwendungstechnische Beratung. In Lahnstein liegt der Fokus auf Haut und Haar, in Tricerro (Italien) auf Hautpflege und in Wissembourg (Frankreich) auf Make-up-Formulierungen. Die Zentren unterstützen Kunden beim Entwickeln von Ideen und Produkten, die auch aktuelle Trends berücksichtigen.

Auch der Chemiekonzern BASF mischt in den Cremetiegeln der Welt mit. Er setzt ebenso auf Natur. In Europa bietet er 142 Inhaltsstoffe an, die nach dem Cosmos-Standard für Bio- und Naturkosmetik zertifiziert sind, weltweit sogar 163 Stoffe. Seine Forscher fanden im Reis Peptide, die Haut und Haar gesund halten helfen. Entwickelten biotische Produkte, die ein jugendliches Hautbild fördern. Gewannen aus Sojabohnen ein mildes Tensid. Denn: Der Markt für natürliche Kosmetik wächst fast doppelt so schnell wie der gesamte Kosmetikamarkt. Ein Trend, der bleiben dürfte.

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